© Titelfoto: Rüdiger Lutz

 

Mit sich im Reinen sein – schön wär’s. Oft sind wir’s aber eben nicht.

Mit sich im Reinen sein, wäre für eine Fünfjährige noch keine Frage. Vor ungefähr 49 Jahren war ich fünf und dahingehend noch nahezu unbefleckt. Besser gesagt mein Gehirn.

Ich nahm kein Blatt vor den Mund. Was gefragt werden musste, wurde gefragt:

„Mama, warum hat Frau Müller ihren Busen auch am Bauch?“ Dummerweise in direkter Gegenwart der guten Frau – beim Metzger bei uns im Ort.

Mit den Augen eines Kindes konnte ich wirklich nicht erkennen, wo der Busen aufhörte und der Bauch anfing. „Pssst“, raunte Mutti mir zu. Frau Müller riss dagegen die Augen weit auf. „Kein Benehmen, Ihre Ulrike!“. Der Reaktion nach zu urteilen, hätte die Dame einiges geradezubiegen in punkto “Mit sich im Reinen sein”.

Mutti zahlte, murmelte dabei ungefähr einhundertmal ein ‚Entschuldigung‘ vor sich hin. Komischerweise bekam ich an dem Tag keine Gratislyoner von der Metzgersfrau geschenkt.

Ich verstand überhaupt nicht, warum. Man wird ja wohl nachfragen dürfen, wenn man etwas wissen will. So lernte ich zackig, dass ich nicht zu neugierig sein darf. Und bald auch, dass ich eine Million Dinge nicht laut sagen durfte, weil sie böse wären. Oder unanständig.

Spätestens bei der Einschulung waren mein Hirn und ich in die verkehrte Richtung programmiert. Das Gegenteil also von mit sich im Reinen sein.

 

Wenn dem Gehirn nichts Falsches beigebracht wird, entwickelt es eine natürliche Neugierde an den eigenen Gedanken und denen anderer. Darum wirkt intuitives Schreiben – gern auch in der Schreibgruppe. Es bringt dem Gehirn bei, dass es wieder in der Form denken darf, wie es das als Kind bereits perfekt beherrschte.

(Volker Mauck – Arzt + Therapeut)

 

Mit sich im Reinen sein durch reines Umdenken?

Mit sich im Reinen sein

© Rüdiger Lutz

„Uli, du musst Affirmationen anwenden. Die sind der Motivationskick schlechthin. Und du wirst damit ganz bestimmt sämtliche deiner Probleme los. Mindset ist alles.“ Diesen Rat bekam ich früher öfter. Mit sich im Reinen sein durch positive Gedanken klang verlockend. Also tat ich es.

Ich ‘predigte’ mir meine Affirmationen herunter. Das Gesagte rauschte jedoch an meinem Herzen vorbei wie ein ICE, der vergessen hatte, dass er an diesem Bahnhof anhalten sollte. Vielleicht brauchte es einfach Geduld. Also machte ich weiter. Jeden Tag. Viele Tage lang!

Drei Monate später fühlte ich immer noch nichts. Und das kam mir komisch vor. Natürlich suchte ich die Schuld sofort bei mir.

Überall begegnete ich diesen Menschen, die bei der Selbstfindung auf diese Affirmationen schworen: Coaches, Lebensberater, Selbstfindungs-Experten und viele andere. Es klang so easy.

Erst sehr viel später verstand ich, warum das bei mir nicht funzen konnte. Nichts gegen Affirmationen. Bestimmt sind sie für viele Menschen hilfreich. Für mich fühlte sich das allerdings jedes Mal so an, als ob ich einen Riesen-Kackhaufen mit einer schönen Sahnehaube verziere. Das macht den Kackhaufen auch nicht besser und zaubert ihn schon gar nicht weg!

Was bei meinem Affirmations-Versuch zum Thema “Mit sich im Reinen sein” entscheidend fehlte, waren Emotionen und aktives Tun. Gleiches erlebte ich mit Dankbarkeitstagebüchern und dem Journaling. Es fehlte einfach das Fleisch am Knochen, damit es wirken konnte.

 

Zufriedenheit hat eben nichts mit Nachdenken bzw. mit Gedanken zu tun, sondern sehr viel mehr mit Fühlen! Intuitives Schreiben heiterer Geschichten ist Fühlen mit allen Sinnen und bringt dich in den Flow. Weil du statt nur zu denken aktiv dabei ins Tun kommst.

 

 

 

In einer gesundheitlichen Krise entdeckte ich zufällig diese spezielle Form des intuitiven Schreibens. „Du heilst dich jetzt einfach selbst, indem du einen intuitiven Roman schreibst.“ Eine zugegeben größenwahnsinnige Idee meiner Intuition in Anbetracht der Gesamtsituation damals. Da die Verzweiflung jedoch gar so groß war und keine andere Lösung in Sicht, tat ich es.

Zu Anfang dieses Schreibprozesses drehte sich alles um ein bestimmtes Thema. Wo kam das bloß her? Das hatte ich nach so vielen Jahrzehnten überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. „Woher wohl? Kleiner Tipp: Vielleicht solltest du dir dieses Lebensthema noch mal näher anschauen“, meinte meine Intuition, die mich wie ein Navi gezielt durch den Prozess führte.

„Och ja, warum nicht“, dachte ich mir. Dabei merkte ich: Keine Horrorszenarien im Oberstübchen, sondern Wundersames ging vor sich. Ich hatte Spaß! Spaß in dieser Situation mit diesem Thema, wo es um diffuse Ängste ging? Konnte gar nicht sein!

Außerdem kribbelte es in mir drin ganz seltsam. Ein Gefühl zwischen Verliebtsein und Abenteuerlust, jedenfalls sehr prickelnd und schön. Ich las meine Zeilen wieder und wieder. Dabei musste ich laut lachen.

 

Instinktiv hatte ich alles richtig gemacht und per Zufall das intuitive Schreiben à la Uli erfunden. Der Mix aus Realität und Fiktion, die Romanfiguren sowie die gnadenlos humoristische Aufbereitung bewirkten einen Perspektivwechsel. Weg von der Opferrolle, hin zur Betrachterin von außen. Und ich war emotional mittendrin im Geschehen. Bingo!

 

Also experimentierte ich freudig weiter und konnte immer noch nicht fassen, dass ich in der Lage war, mich mit einem einfachen Klick in dieses Paradies zu befördern. Als würde ich einen Lichtschalter anknipsen. An – aus! Wann immer ich das wollte.

Auf dem Lichtschalter stand ein höchst kreatives Coaching durch intuitives Schreiben. Einmal angeknipst, ging die Abenteuerreise auch schon los. Ich konnte dabei meiner Intuition Hallöchen sagen und alles der Reihe nach angucken, was in dem Augenblick wichtig war. Ich konnte zudem negative Gedanken und Gefühle auflösen, Klarheit in Alltagsfragen bekommen, Ziele manifestieren.

Ich lachte und weinte. Meistens vor Glück, da ich so viele schöne Sachen mit mir selbst erlebte, mich neu kennenlernte – ohne dass es sich schwer anfühlte. Mit sich im Reinen sein durch intuitives Schreiben. Das war und ist mein Weg. Vielleicht ja auch deiner?

 

Jedermensch kann dergestalt intuitiv schreiben. Es braucht keine Vorkenntnisse und es braucht auch keinen Roman. Einfache Geschichten tun es auch. Wild herumspinnen und volle Kanne rein ins Land der Fantasie, ohne Grenzen im Kopf, ohne Tabus – wie damals als Kind. Klingt doch verlockend, oder? Zwei Beispielgeschichten findest du hier.