Freewriting: Die easy going Anleitung (mit Überraschungs-Effekt!)

Freewriting als hilfreicher Alltagsbegleiter

Du möchtest wissen:

Was ist Freewriting?
Wie funktioniert’s?

Vor allem aber: Wie kannst du es anwenden im Alltag, damit es dich mental gesünder, freier, glücklicher macht?

Dann bist du hier genauso goldrichtig wie das Tüpfelchen auf dem i.

In diesem Artikel zeige ich dir:

Was ist es, was ist es nicht? Wie kannst du es für dich passend free abwandeln? Und wieso wirst du beim Freewriting garantiert keine Schreibblockade haben?

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was ist Freewriting?
  2. Wie wirkt Freewriting?
  3. Freewriting Regeln – gibt’s da überhaupt welche?
  4. Freewriting Beispiele
  5. Fazit

For free: Probier’s doch einfach mal aus!

Mit 6 heiteren intuitiven Schreibübungen für den Alltag. Dabei lernst du auch gleich kennen, in welcher Weise ich die Methode mit dem wichtigen Element Humor ergänzt habe.

1. Was ist Freewriting?

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Einfach mal was ohne Sinn und Verstand machen. Drauflos! Herumspinnen wie ein Kind.

Das ist, als würdest du einen Wasserhahn aufdrehen und die Worte strömen wie Wasser. Keine Grenzen, keine Urteile, nur reine, unverfälschte Kreativität.

Freewriting ist also eine Technik, die Kreativität entfesselt und gleichzeitig die Fesseln der Perfektion sprengt.

Es darf komisches Zeug dabei rauskommen, lustige Zeilen, es darf poetisch werden, fantastisch oder einfach nur Kauderwelsch. Du lässt dein inneres Sprechen. Über deine Finger fließt es nach außen.

Du gibst deinem Inneren damit das Go, auf nix achten zu müssen. Es zählt nicht das perfekte Ergebnis, sondern der freie Prozess.

2. Wie wirkt Freewriting?

Dazu eine kurze Geschichte von mir. Die beschreibt’s ziemlich gut:

Es ist zum Verrücktwerden. Da habe ich mich einwandfrei getraut, dem Valentin die Meinung zu sagen. Was im Übrigen dringend nötig war. Sogar am Telefon! Das mache ich nicht so gern ganz direkt wie eben. Dafür ist meine Haut zu wenig dick. Ganz im Gegenteil ist die bestimmt von der Mimose abstammend.

„Stell dir vor, was der Valentin gemacht hat“, schreib ich gleich mal dem Rüdi.

Als mein Angetrauter muss er’s als Erster erfahren, damit die vielen Gedanken aus mir rauskönnen, bevor sie Karussell fahren. Da er aber auf Arbeit ist, kann’s dauern, bis er reagiert.

Nach 367 Gedankenschleifen bin ich immer noch nicht fertig, mich in die Sache reinzusteigern. Plötzlich trudelt eine Chatnachricht von Valentin ein, dass er künftig kein Kumpel mehr von mir sein will. Die Mimose ist hiermit eingegangen. Ich glotz mein Handy an und lese die Zeilen immer wieder.

Es wird schon dunkel, als ich meine Tränen trockne. Die wollten einfach nicht aufhören zu fließen. Trotz Rüdis Trost am Abend.

Tags drauf am frühen Morgen schaue ich aus wie ein Alien im Jetleg: total fremd auf diesem Planeten. Mein Körper und ich wollten des Nachts so gern schlafen. Mein Gehirn lieber über die Sache nachsinnieren.

„Der Valentin ist mein seelischer Ruin“, erkläre ich dem Rüdi.

„Mach dir doch über den keinen Kopf. Der war sowieso ein Depp“, krieg ich zur Antwort.

Stimmt schon, aber wo’s mir an Freunden eklatant mangelt, nehme ich notgedrungen auch solche.

„Du hast Recht. Auf den ist geschissen!“, sage ich und bin entschlossen, ihn endgültig aus meinem Kopf zu verbannen. Ich hock mich umgehend an den Rechner und mach Freewriting.

Es hilft unter anderem, um

  • mit Valentins-Enttäuschungen und anderen negativen Erlebnissen besser klarzukommen
  • Grübeln zu stoppen
  • an dein Unterbewusstsein heranzukommen
  • mental zu entspannen und gleichzeitig
  • das Gehirn zu stimulieren
  • deinen Schreibfluss fördern
  • frische Schreibimpulse bekommen

DIE WEITEREN WIRKUNGS-VARIANTEN HIER NOCH MAL IM DETAIL:

  1. Es gibt Antworten auf Lebensfragen, für die der Verstand keinen passenden Rat zur Verfügung hat. Und manchmal bekommst du gar Antworten auf Fragen, die du gar nicht gestellt hast.
  2. Du aktivierst damit eine sehr gesunde Form der Selbstkommunikation.
  3. Jeder, der intuitiv (im Flow) schreibt, befindet sich in der Monade. Produziert unbewusst und nur mit sich selbst etwas, dass er vorher noch nicht von sich wusste. Und kann das hinterher auch noch lesen. Viel besser als ein Selbstgespräch.
  4. Du lernst dich besser kennen, deine blinden Flecke, deine Gedanken- und Verhaltensmuster.
  5. Es stärkt Selbstbewusstsein, Selbstwert und Selbstliebe.
  6. Freewriting kann zudem
    – beruhigen
    – aber auch aktivieren
    – Glücksgefühle auslösen
    – angstgesteuerte Widerstände überwinden lassen
    – motivieren
    – psychische und psychosomatische Beschwerden lindern oder sogar verschwinden lassen.
  7. Es macht dich kreativer – für gute Ideen und Lösungen im Business und Alltag.

3. Freewriting Regeln - gibt's da überhaupt welche?

Das ist, als würde eine Mutter ihrem Kind erlauben, es dürfe sich im Eiswagen, der bimmelnd durch die Straße fährt, ein Eis aussuchen. Und sich dann an die Wagentheke hinstellt und sagt: „Eine Kugel Schoko, bitte!“

Deine Intuition bestimmt die Regeln. Mach es so, wie es sich in dem Augenblick stimmig anfühlt!

  • Per Hand schreiben oder am Rechner?
  • Fünf Minuten schreiben oder den ganzen Abend
  • Einzelner Wörter schreiben, nicht zusammenhängende Sätze oder romanhaft?

Regeln beim freien intuitiven Schreiben sind für mich ein Widerspruch in sich. Genauso wie trockenes Wasser. Das gibt’s auch nicht. Ich interpretiere Freewriting daher sehr viel freier und halte mich nicht an die Regeln, wie sie einst vom Erfinder empfohlen wurden.

4. Freewriting Beispiele

Weil’s für mich dahingehend keine Regeln gibt, gibt’s von mir quasi auch keine Anleitung. Außer die, dich hinzusetzen und zu schreiben. Spür einfach in dich rein, wonach dir ist, was kommt. Und egal, wie’s kommt, ist es dann richtig.

Der einstige Erfinder des Freewritings dagegen hat die  Methode einst so definiert: Setze dich mit Stift und Block für eine vorab bestimmte Zeit hin und notiere alles, was dir im Kopf schwirrt. Ohne den Stift dabei abzusetzen.

Mein persönlicher Favorit in meiner frei interpretierten Version des Freewriting ist das intuitive Schreiben mit den Elementen Humor und Fantasie. Hier findest du die Antwort, warum Humor und Fantasie für mich so gut funktionieren: >> Intuitives Schreiben mit 1 magischen Zutat (die den Unterschied macht!)

Mit meinen Beispielen kollidiere ich daher mit den eigentlichen Vorgaben des Freewritings. Entscheide  einfach selbst, ob du die Beispiele als Inspiration für eine etwas freiere Gestaltung so nutzen möchtest. Oder es lieber so praktizieren, wie vom Erfinder vorgesehen.

1. Freewriting einzelner Wörter:
  • Oberkutscherfahrer
  • Selfmadeglas
  • Hinterzinkenvorderlader

sind mir grade free intuitiv eingefallen.

2. Freewriting als Elfchen:

Wortlosigkeit
Tanzende Leere
Schmerzen im Herzen
Spüre Fesseln am Hals
Sprungbrett

3. Freewriting einzelner Sätze, ohne Zusammenhang:
  • Es müsste größer sein.
  • Mit drei ist man noch frei.
  • Immer nur Tadel!
  • Blätterrauschen am Ende des Tunnels.
4. Freewriting mit vorheriger Fragestellung:
  • Wenn dich grade Kopfschmerzen plagen, könntest du fragen: Was willst du mir sagen, Kopf?
  • Wenn dich ein Mensch (wie mich Valentin) „enttäuscht“ hat, könntest du dich fragen: Warum sollte ich diese Erfahrung machen?
  • Wenn du gut in den Tag starten willst, könntest du dich fragen: Wie möchte ich mich heute fühlen?
5. Freewriting-Umstyling einer negativen Erfahrung:

Schreib sie freestyle um, wie’s dir gefällt. Eine Beispielgeschichte findest du HIER.

6. Freewriting-PingPong ohne Themenbezug

Such dir jemand, der auch Bock auf ein kreatives Abenteuer hat. Gemeinsam schreibt ihr fortlaufend, dennoch abwechselnd eine verrückte Geschichte. Jeder ein paar Zeilen! Und pingpongt euch das pro Mini-Kapitel hin und her. So knüpft jede*r an das Vorherige an. Das ist Freewriting pur!

Eine Beispielgeschichte findest du HIER

7. Autobiografisches Freewriting:

Du schreibst einen bestimmten Lebensabschnitt romanhaft nieder. Verbindest darin komplett frei reale Elemente mit frei erfundenen. Aufgrund des intuitiven Vorgehens und des intensiven Freewritings ist jedermensch in der Lage, dergestalt zu schreiben.

Nachfolgendes Beispiel wurde von mir feingetunt, da es als Kurzroman veröffentlicht wurde. Also nicht verzagen und dran denken: Es muss bei dir nicht superperfekt werden wie dieses Beispiel. Das war Astrid’s Version in der Basisversion auch (noch) nicht. Es  zählt hier genauso wie bei allen Varianten der Freewriting-Prozess.

Die Leseprobe von Astrids Kurzroman findest du HIER

5. Zum Fazit noch mal eine kurze, wenn man so will, Freewriting-Geschichte aus meinem Leben. Freestyle intuitiv verfasst natürlich, was sonst:

Ich bin mal wieder in so ner psychosomatischen Klinik. Wir alle sitzen im Stuhlkreis. Beatrix fängt zu weinen an und klagt ihr Leid. Das macht sie ausgesprochen gern. So geht das reihum. Jeder von uns darf – so viel er will – klagen und weinen.

Nach 60 Minuten muss ich mal aufs Klo.

„Uli!“, pfeift mich Dr. Müllerschön an, als ich vom Pieseln zurückkomm.

Habe ich etwas falsch gemacht? Schneller Blick auf den Hosenladen. Nee, alles in Ordnung. Außerdem war ich höchstens drei Minuten weg.

„Was bezwecken Sie mit Ihrem ständigen Toilettengang?“

Hä? Dämlicher kann man nicht fragen. Ist er studierter Arzt oder ich?

„Ich musste aufs Klo“, antworte ich.

„Jeder erwachsene Mensch kann länger als 90 Minuten anhalten. Also, welche Beweggründe haben Sie tatsächlich?“

Darüber muss ich nachdenken. Mein Gehirn ist perplex und demzufolge sprachlos. Das ist einer der wenigen Momente, in dem wir einvernehmlich zum selben Schluss kommen: Der Müllerschön ist ein Arschloch.

„Und? Ich warte auf eine Antwort!“

Zweiundzwanzig Augenpaare starren mich an, die den Ausgang dieses spannenden Thrillers kaum abwarten können.

„Nun gut, Uli, wenn Sie nicht antworten wollen, haben Sie zukünftig zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie bleiben die 90 Minuten hier, ohne auf Toilette zu gehen, oder Sie ziehen eine Windel an. Andernfalls sehen wir uns gezwungen, Sie wegen Boykotts der Behandlung vorzeitig zu entlassen.“

„Sagte der gerade Windel anziehen?“, will mein Gehirn von mir wissen.

„Ich glaube, ja!“, gebe ich zurück.

„Das machen wir nicht!“, legt es spontan fest.

„Nee, ganz bestimmt nicht!“, stimme ich zu.

„Lass uns gehen!“, schlägt es vor.

Wir tun’s! Eine Stunde später verlasse ich die Klinik.

40 Jahre Fehlbehandlungen. 40 Jahre Horror.

Ich verarbeite das mit dem heiteren intuitiven Schreiben (Freewriting). Das gelingt mir ganz gut. Und du kannst das auch. Es wird deinen Alltag bereichern und dich innerlich wachsen lassen. Einen Mords-Spaß macht’s obendrein.

Die wichtigesten FAQ zum Thema:
Woher kommt das Freewriting?

Diese Methode wurde einst von Ken Macrorie in den 1960er Jahren entwickelt. Und zwar dergestalt, mit Stift und Papier innerhalb einer bestimmten Zeit alles aufzuschreiben, ohne den Stift abzusetzen.

Wie du gelesen hast, praktiziere ich es noch wesentlich freier.

Für alle, die frische Ideen brauchen und frei schreiben müssen. Autoren, Studenten, Selbstständige, Teams usw.

Ich selbst sehe Freewriting im Sinne des intuitiven Schreibens sehr stark auch als simple Selbsthilfe. Um Ängste oder Stress abzubauen, selbstbewusster zu werden, negative Erlebnisse oder Konflikte zu verarbeiten, wenige zu grübeln usw.

Wikipedia beantwortet diese Frage so: „… die Gedanken bzw. der Bewusstseinsstrom des Schreibenden zu Papier gebracht werden, ohne sie zu reflektieren, zu bewerten oder nach geeigneten Formulierungen zu suchen …“

Es funktioniert genau gleich!