© Titelfoto: Rüdiger Lutz

Gutes Autorencoaching bedeutet für mich: Autoren in den Flow zu bringen!

Vor dem Autorencoaching erst mal ein kurzer Rückblick zum Hindernislauf, 6. Klasse. Startschuss, ich renne los zum ersten Hindernis: ein Sprungkasten, geht mir ungefähr bis zur Brust. Ich bleibe mit dem rechten Fuß hängen, plumpse auf der gegenüberliegenden Seite herunter wie ein nasser Sack und breche mir dabei zwei Rippen, autsch! Und das schon am ersten Hindernis!

So manches Autorencoaching kommt mir genauso vor: Wie ein Hindernislauf! Allein zur Art des Plottens gibt es Dutzende Methoden und Theorien. Weiter geht’s damit, wie Dramaturgien und Spannungsbögen geschaffen werden. Dann natürlich die Frage: In der dritten Person oder Ich-Form schreiben? Und wie war das noch mal mit Ausformen der Charaktere?

Zwei gebrochene Rippen sind das Mindeste, was man sich bei diesen Theorie-Methoden-Hindernissen einfängt. Kein Wunder, dass dabei die gefürchteten Schreibblockaden um die Ecke schauen und freundlich hallöchen sagen. Mein Hirn würde da auch streiken.

 

Was, wenn es alle diese Theorien gar nicht braucht und es viel einfacher geht?

Autorencoaching

© Rüdiger Lutz

 

Es braucht sie tatsächlich nicht. Und dafür gibt es den praktischen Beweis: mich! Ich schreibe alle Romane – eigene und in Funktion als Ghostwriterin – ohne Theorie-Marathon. Wenn man so will, sogar einfach drauflos. Man könnte nun natürlich auf die Idee kommen, dass ich ein Ausnahmetalent bin, was die Sache erklärt. Es funktioniert aber genauso bei anderen schreibfreudigen Menschen. Auch denen, die nie zuvor etwas praktisch mit dem Roman- oder Buchschreiben am Hut hatten.

 

Praxisbeispiel Autorencoaching, Teil 1:

Über zwei Dutzend Menschen, die es mir nach meinem Autorencoaching nachtaten. Keine Theorien, keinerlei Vorbereitung, sondern vollkommen im Schreibflow und mit einem Mordsspaß dabei. Womit wir schon beim entscheidenden Stichwort wären: Flow!

 

Intuitives Schreiben lässt Flow entstehen. Und Flow bedeutet wiederum, ein völliges sich hingeben, alles um sich herum vergessen und endet nicht selten in einem faszinierenden Schreibrausch.

 

Damit wäre das zweite wichtige Stichwort gefallen: intuitives Schreiben! Beim intuitiven Schreiben eines Romans brauchst du nahezu keine Vorbereitung oder theoretischen Learnings.

  • also kein Plotten
  • kein Festlegen aller Romanfiguren
  • kein Formen deren Charaktere
  • keine Kapitelplanung
  • nichts!

 

Alles das entwickelt sich im intuitiven Prozess von ganz allein, vollautomatisch! 60 Manuskriptseiten in einer Woche sind da keine Seltenheit. Ohne, dass ich dabei 8 Stunden pro Tag in die Tasten hauen muss.

Ich fokussiere mich zu Beginn lediglich auf die allererste Szene. Nur auf diese eine! Ich denke nicht darüber hinaus. Dann schreibe ich “drauflos”, rein intuitiv. Während des Schreibens ergibt sich jede weitere Szene.

 

  • die Handlungsstränge ebenso
  • der Charakter der Romanfiguren ebenso
  • der Spannungsbogen ebenso
  • die Dramaturgie ebenso
  • der Umfang und das Ende
  • alles!

 

Das Wichtigste für jeden Autor ist nicht irgendeine Theorie, sondern dass er in den Flow kommt. Gutes Autorencoaching hat daher vorrangig eine Aufgabe: Den Autoren Techniken zu zeigen, die Flow entstehen lassen. Der Rest ist reine Formsache.

 

Jedermensch kann auf diese Weise intuitiv schreiben. Es funktioniert sogar dermaßen unverschämt einfach, dass ich mich manchmal wundere, warum immer noch so viele höchstkomplizierte Schreibmethoden im Umlauf sind.

 

Praxisbeispiel Autorencoaching, Teil 2:

Autorencoaching

© Rüdiger Lutz

 

Im Herbst 2021 hatte ich mal wieder eine lustige Idee …

Acht Menschen nahmen erstmalig an meinem Workshop intuitives Schreiben teil. Dabei ging es noch nicht um einen Roman, sondern lediglich die Technik des intuitiven Schreibens. Schon bald stellte ich fest: “Da geht doch noch viel mehr bei den Jungs und Mädels.” Also schlug ich ihnen vor: “Lasst uns gemeinsam einen Roman schreiben.”

Ein wagemutiges Unterfangen, da außer mir keine*r je zuvor ein Buch und schon gar keinen Roman geschrieben hatte. “Keine Ahnung, wie das gehen soll, aber ich machs!”, lautete die einhellige Antwort aller. Damit nahm das Projekt und ein Autorencoaching der besonderen Art Fahrt auf, und zwar so:

Ich legte mit den ersten Seiten vor. Klar war zu dem Zeitpunkt nur eines: Romanfigur Lean sollte – aus welchen Gründen auch immer – gelegentlich in eine Frauenrolle schlüpfen. Das war’s! Den Rest ersponn jede*r Staffelläufer*in vollkommen intuitiv. Genau so, wie wir das im Workshop geübt hatten.

Und so übergab jede*r nach einigen Seiten seinen Staffelstab an den Nächsten/die Nächste. Am Ende dieses verrückten Projekts standen wir stolz vor dem Ergebnis und dachten uns insgeheim: “Was für ein geiler Scheiß!”

Inzwischen hat bereits die zweite Staffelauf-Romanschreib-Gruppe ihren Roman fast vollendet. Ähnlicher Verlauf: Es klappt wie am Schnürchen und ist aufgrund des Teamflows ein Autorencoaching mit Gruppengaudi-Charakter. Flow + Spaß!

 

Das Ergebnis zeigt: Intuitives Schreiben kann Berge versetzen und macht aus Laien Romanschreiber – ohne erschlagende Theorien. Klappt übrigens auch, wenn diese Menschen ihre Biographie schreiben als heiteren Roman – allein, ohne Schreibgruppe.

 

Autorencoaching Abschlusstipp:

Bevor du an deinen Roman gehst, schreibe zunächst eine völlig absurde Kurzgeschichte. Alles ist erlaubt. Kommaregeln und anderes ist wiederum schnurz. Je absurder und verrückter, desto besser. Das lockt dein Gehirn aus seinen gewohnten Denkprozessen. Die setzen uns meist sehr viele Grenzen im Sinne von “Das darf ich nicht”, “Das kann ich so nicht bringen” usw. Hier kannst du dir zwei Beispielgeschichten anschauen.

 

Mach dich frei von sämtlichen Regeln oder Verboten, schreibe intuitiv. Intuitiv bedeutet: Loslassen, dir alles erlauben, dich treiben lassen. Du kannst fluchen, dichten, Schwachsinn schreiben, kriminell werden oder auch erotisch.

 

Stelle dir selbst den Freibrief dafür aus, was du dich sonst nicht trauen würdest!

 

Fehler korrigieren oder Sätze feintunen kannst du in einem zweiten Arbeitsschritt immer noch. Dann, wenn du aus deinem Schreibrausch wieder aufgetaucht bist. Ich würde daher jedem Romanneuling raten: Erst das intuitive Schreiben üben und verinnerlichen. Dann ran an den Flow und an deinen Roman. Der muss auch nicht bis ins letzte Detail perfekt sein. Suche dir dann lieber einen guten Autorencoach oder Lektor, der/die abschließend den Feinschliff übernimmt. Schreiben lernst du ausschließlich vom Schreiben. Ganz praktisch. Mit jedem neuen Schreiben verbesserst du dich automatisch.

Viel Spaß dabei!