Vielleicht kennst du diese eine Schublade in deiner Seele ja auch: Alles, was zu sehr schmerzt – einfach rein damit, feste zumachen und am besten nie wieder auf. Eine solchen Aufbewahrungsort hatte auch Sybille, den sie mit ziemlich genau 19 Jahren in Betrieb nahm. Und zwar zu dem Zeitpunkt, als ihr Lebensgefährte durch eine Sprengstoff-Tat ums Leben kam.

Keine bewusste Handlung von ihr, sondern knallharte Überlebensstrategie, mit der sie 20 Jahre lang einigermaßen klarkommt – bis in 2002 ihre Mutter viel zu jung an Leukämie verstirbt. In dem Moment fliegt ihr die Strategie um die Ohren und das „Ich guck da jetzt einfach nicht hin“ funktioniert nicht mehr.

Im Prinzip fängt das Dilemma aber schon viel früher an mit einer nicht enden wollenden Suche: nach dem richtigen Ort, dem richtigen Beruf und der Frage, wo eigentlich ihr Platz in dieser Welt ist. Gefunden hat sie ihn erst sehr viel später.

 

Die Lösung liegt in jedem selbst

 

Ein erster Versuch, mit den Traumata umzugehen: Sybille beginnt eine Psychotherapie und bricht diese nach wenigen Stunden wieder ab. Es dauert ihr einfach zu lange und sie kommt dabei nicht auf den Kern.

Der nächste Schritt: eine Entscheidung, die im Grunde gar nicht mehr abzuwenden ist. Es geht um ihre Kanzlei. Ständiger Druck und Aggressionen – dem kann Sybille nicht mehr standhalten und fühlt sich nach dem Ausstieg und Verkauf wie befreit. Sie vergisst dabei allerdings, dass sie den Rucksack mit der Aufschrift „meine Päckchen“ dennoch weiter mit sich herumschleppen wird.

Und was jetzt? Sie macht einen beruflichen Abstecher in den Bereich Regie. „Au ja, Geschichten erzählen, das ist mein Ding.“ Nach einer Ausbildung und ersten praktischen Erfahrungen stellt sie fest: „Was mache ich hier eigentlich den ganzen Tag? Endloses Warten statt Geschichten erzählen.“: Warten auf die nächste Einstellung, auf die besten Lichtverhältnisse, auf die nächste Szene. Warten, warten, warten. Also beendet sie ihre Film-Karriere, bevor sie so richtig begonnen hat.

 

Vier Pfoten weisen den Weg

„Ich adoptiere einen Tierschutzhund“, lautet danach ihr Lebensplan. Das Leben will es wohl so, dass sie hier gleich in die Hardcore-Variante rutscht – mit einem problematischen Wesen, das mit der Welt null klarkommt. „Das könnte glatt ich selbst sein“, denkt sie sich insgeheim. Experten würden das vermutlich Spiegel nennen, der ihr in Gestalt des Hundes täglich vors Gesicht gehalten wird. „Jetzt schau endlich hin“, lautet die Botschaft.

Die mittelschwere Katastrophe nimmt ihren Lauf, die da lautet: Gehe mal mit einem verhaltensauffälligen Hund mitten in Hamburg Gassi. Jackpot! Sybille löst das Problem zunächst durch Gassirunden morgens um 5 Uhr – inklusive Stoßgebet, es möge ihr bloß niemand begegnen.

Fortsetzung der Lösungsfindung: ein zweiter Hund muss her. Nun ist das Gassi- Problem gar nicht mehr lösbar.

Finale Lösung: Ich ziehe mit beiden Tieren aufs Land! Endlich ist Ruhe. Dabei entdeckt sie ganz nebenbei auch noch ihre Liebe zu der Arbeit mit Pferden und Menschen.

Den Problemhund abgeben? Das kommt für eine Frau, deren Lebensgeschichte von Verlusten geprägt ist, nicht in Frage. Zumal eine ihrer Charaktereigenschaften die ist, niemals aufzugeben.

 

Erkenne dich selbst, dann kannst du ankommen

Inzwischen hat Sybille die dick verriegelte Schublade weit geöffnet und der Trauer ihren Raum gegeben. Kein Kuschelkurs, und doch so wichtig für viele Prozesse, die damit erst in Gang kommen können. Bei ihr sind das so einige, beispielsweise zu erkennen, wie „hellfühlig“ sie ist. Die Energiesysteme anderer Lebewesen sind für sie immer spürbar – Fluch und Segen zugleich. Heute macht es ihr Leben reich, wie sie sagt.

Früher wollte sie sich partout davon abgrenzen, was nicht funktionierte. „Im Gegenteil. Um damit umgehen zu lernen, musste ich meinen Widerstand erst einmal aufgeben“, erklärt sie den Prozess. Heute lässt sie das simpel durch sich hindurchfließen, frei von allen Widerständen. Die Pferde und eine integrale Coaching-Ausbildung haben ihr hierbei viel geholfen. Heute lehrt sie, wie Coaches die Natur und Pferde nutzen können, um Andere und sich selbst in ihren Entwicklungsprozessen unterstützen zu können und entwickelt Unternehmen nachhaltig weiter. Parallel schafft sie sich Räume, die ihrer Seele guttun. Die Natur und Tiere sind ganz wichtige davon.

Auf diese Weise kann sie ihre praktisch erfahrene Lebensweisheit authentisch weitergeben, was übrigens Herzenssache für sie ist. So entstand in 2017 auch ihr Podcast „Mutmädchen“: kurze Geschichten, die ganz tief aus ihr hervorsprudeln, frei von der Seele weg gesprochen. Und das so berührend, dass sie nicht nur mich damit verzaubert.

„Verdienst du damit Geld?“, wurde sie schon oft gefragt? Nein! Möchte sie auch nicht. Es ist ihr gesprochenes Lebensgeschenk an andere. Wie aber kam es eigentlich zum Namen Mutmädchen? Das will ich abschließend natürlich noch wissen und vermute eine kreative Idee, die dazu irgendwann über sie hereinbrach. Nö, viel einfacher: Ihre Schwester nannte sie früher so, weil sie mutig voran immer genau das tat, wozu sie Lust hatte – und das macht sie auch heute noch so.

Zum Abschluss der Geschichte sollte noch eine spannende Frage  geklärt werden. Sie lautet: „Wer bin ich?“ 

Denn im Grunde geht es in Sybilles Historie genau darum. Die (inzwischen)  einfache Antwort: Sie ist immer genau das, was sie gerade macht. Egal, welche Rolle sie dabei einnimmt oder welche Tätigkeit sie ausübt.  „Es gibt so viel, was man in dieser Welt bewirken kann. Es braucht dafür nur ein bisschen Mut.“, beschreibt sie das selbst. Und da sie das selbst viel besser erklären kann, lasse auch du dich von ihrer unglaublichen Stimme und Weisheit verzaubern – höre gern rein in ihren Mutmädchen-Podcast. Klicke dazu auf das nachfolgende Bild:

 

 

Alle Fotos dieses Artikels: Sybille Heyms

 

 

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