Schon bei der Vorbereitung auf unser Interview habe ich Gänsehaut. Ich sitze da und schüttele mehrmals mit dem Kopf. „Kann ich jetzt nicht glauben!“, murmle ich vor mich hin. Das geht auch anderen Menschen so, wenn sie von Stephanies Geschichte erfahren. Ihr Mut ist riesig – größer als unser Sonnensystem, wobei sie das selbst gar nicht so sieht „Ich bin doch nur meinem Instinkt gefolgt“, kommentiert sie lächelnd, als wir von ihrer Erkrankung, der Fastenkur und Jamu sprechen.

‚Nur‘ ist gut. Dass muss man sich erst mal trauen, wenn man die Diagnose ‚MS – heftige Verlaufsform‘ erhalten hat. Danach innerhalb von einer Woche im Rollstuhl gelandet ist und hochdosiert monatelang mit Cortison ins komplette Aus geschossen wird. „Da fühlst du dich wie unter Drogen, stehst neben dir. Mir ging es von diesem Gift extrem schlecht“, erzählt sie weiter. Das glaube ich ihr aufs Wort – auch wenn das in diesem Moment schwer vorstellbar ist.

 

Sie strahlt heller als die Sonne und wirkt mit ihren 58 Jahren wie eine 30-Jährige

Von ihr geht etwas aus, das ansteckend ist. Ich bin während des Interviews davon auch ein bisschen high – nebenwirkungsfrei und in rein natürlicher Form, allein durch ihre Anwesenheit.

Sie wirkt so unwahrscheinlich vollkommen, ganz bei sich angekommen. Jamu, das Heilkräuter-Getränk aus Bali ist daran nicht ganz unschuldig.

„Stephanie, erzähl doch mal, wie fühlt sich das genau an?“ Es lässt mir keine Ruhe. Schließlich soll ich etwas recht Unbeschreibliches so in Worte fassen, dass du es beim Lesen auch fühlen kannst. Das ist zwar nahezu unmöglich, aber ich gebe mein Bestes.

 

Der Turbo in dir, der dich bei dir selbst ‚einchecken‘ lässt

Ich bin in meinem Leben nur zweimal geflogen, das ist einfach nicht mein Ding. Und dann noch dieses Gewusel am Flughafen. Du stehst dann da am Schalter, meist in einer langen Schlange. Endlich bist du dran und checkst ein. Vier Stunden später steigst du aus dem Flieger und denkst: „Hä, was mache ich denn in Portugal?“, denn eigentlich wolltest du nach Schweden.

Ähnlich ist das auch mit deinem Lebens-Checkin. Irgendwo landest du zwar immer, oft aber nicht da, wo du wirklich hingehörst: ganz bei dir selbst. Stephanie musste dazu erst mal nach Bali fliegen. Dort findet sie endlich diesen Stecker, der sie wie mit Zauberhand an eine ihr bisher fremde Quelle anschließt. Sie sagt, das sei wie eine Art Turbo. Wumm, und du bist in 3 Sekunden am Ziel.

Bis es so weit kommen kann, liegen jedoch noch ein paar Lebens-Hindernisse im Weg herum. Von denen will ich dir unbedingt auch erzählen, bevor wir uns Bali, zwei Gänsehaut-Begegnungen und Jamu nähern. Jamu ist ein 1400 Jahre altes Zaubergetränk und Lehre, die Stephanie dort kennen lernen durfte. Damit ändert sich ihr Leben erneut schlagartig.

 

Warum wir lernen sollten, wieder auf unseren Instinkt zu hören

Rückblick in die schlimmste Zeit in Stephanies Leben. Im Prinzip läuft alles bilderbuchmäßig. Einen Ehemann, ein Haus, zwei Söhne – der jüngste gerade 6 Monate alt. Dann die Schockdiagnose Multiple Sklerose. Stephanie macht danach tapfer alles mit, was man ihr medizinisch anordnet. Sie versucht, ihre drastische Gewichtszunahme so gelassen wie möglich zu nehmen (ihren schlechten Körperzustand auch).

Über Wasser halten sie dabei: tägliche Meditationen und viele Besuche in Bücherei und Buchhandlung. Sie verschlingt alles an Infos, die sie kriegen kann. Dann verpasst sie ihrem Neurologen den Schock seines Lebens. Und nicht nur ihm!

„Mit Cortison ist jetzt Schluss. Ich faste 40 Tage lang!“

Ihre Familie reagiert leicht panisch „Stephanie, du kannst doch nicht einfach …?!“ Und wie sie das kann! Ganz schön mutig, könnte man denken. Nicht für sie, denn sie folgt einfach nur ihrem Instinkt. Der lügt nie und kennt immer den richtigen Weg. Und der endet niemals in einer Sackgasse, sondern an einem schönen Ort. Hören wir dagegen nicht auf ihn, verlaufen wir uns dermaßen. Ein Irrgarten ist nichts dagegen.

 

Stephanies rasante Genesung in Kurzform:

  1. Cortison abgesetzt, Entzündungshemmer ebenso.
  2. 40 Tage lang gefastet mit Wasser, Kräutertee und frisch gekochter Brühe.
  3. Danach Ernährung umgestellt: kein Fleisch, keine tierischen Produkte.
  4. Unterstützend Akupunktur, Kräutermischungen, Tuina-Massagen
  5. Mehrmals auf Dr. Rüdiger Dahlke getroffen und durch seine Ratschläge bestärkt worden.
  6. Eine Ayurveda-Ausbildung durchlaufen sowie eine tiefe innere Entwicklung.

 

Ihr Neurologe staunt ob ihrer Genesung Bauklötze, ihre Familie ist erleichtert und Stephanie sowieso. Endlich wieder Energie, die Cortisonbedingten Kilos purzeln und kaum Anzeichen der MS. So könnte es weitergehen, denkt sie sich. Geht es auch erst mal – mit einem freudigen Überraschungs-Zwischenstopp in 1995, als ihre Tochter geboren wird.

 

2017 ein heftiger Rückfall – bis Stephanie von Jamu erfährt und sich ihr Leben damit völlig auf den Kopf stellt

 

Wie es manchmal so ist im Leben, verläuft nicht immer alles nach Plan. Schwierige Lebensumstände bedingen, dass sich ein Rückfall ankündigt. Also konzentriert sich Stephanie ganz auf sich und versucht, das so gut es geht abzufangen – ohne Cortison! Dann ruft Eva an, ihre beste Freundin, die gerade auf Bali ist.

„Stephanie, hier trinken alle Jamu. Das ist ein Zaubergetränk“, erzählt sie aufgeregt. Stephanie kann ihr zunächst nicht folgen. „Ich versuche mal, etwas für dich einzufädeln“, erklärt sie weiter. Denn an das Originalrezept zu kommen, ist gar nicht so einfach. Traditionell wird das ausschließlich von Mutter zu Tochter weitergegeben. Doch Eva erreicht das schier Unmögliche und hält kurze Zeit später den Zettel mit der Rezeptur in den Händen.

„Stephanie, du musst aber nach Bali kommen und die Lehre des Jamu von Grund auf lernen – sobald es dir besser geht. Das musste ich der weisen Balinesin versprechen.“ Drei Tage später braut sich Stephanie bereits den Trunk, der aus Blüten, Kräutern und Wurzeln besteht.

 

Schlagartige Besserung durch Jamu

 

Und dann geht alles recht schnell. Stephanie kann täglich dabei zuschauen, wie sich ihr Körper mit neuer Energie vollsaugt. Sie fühlt sich besser und besser, trinkt dazu in der Anfangszeit einen ganzen Liter Jamu pro Tag. „Irgendwas Erstaunliches ist hier im Gange“, denkt sie sich. Dass es außer ihrer Genesung viel mehr ist – da muss sie knapp zwei Jahre später erst mal um die halbe Welt reisen, bis es endlich „Aha“ bei ihr macht.

Sie löst ihr Versprechen ein und reist nach Bali. Jetzt sind auf Bali ja nicht an jeder Straßenecke Hinweisschilder angebracht „Hier geht’s zu der Balinesin, die dir Jamu lehrt“. Wie also soll Stephanie die Dame bloß ausfindig machen?

Wie gut, dass es das Internet gibt. Nach stundenlanger Recherche entdeckt Stephanie ein entsprechendes Video aus Bali. Danach hält sie die viel versprechende Info in den Händen, dass die Dame Miss Jamu genannt wird – mehr aber auch nicht. Also besser mal einen Screenshot machen, damit sie sie auf Bali erkennt, wenn sie ihr auf der Straße irgendwo über den Weg laufen sollte.

 

Jamu – nicht einfach irgendein Getränk, sondern Lebenseinstellung und innere Haltung

Stephanie fühlt sich wie im inneren Rausch, als sie auf Bali ankommt. Natürlich will sie als Erstes was? Original Balinesischen Jamu probieren – und nebenbei diese Balinesin aus dem Youtube-Video finden. Also läuft sie den ganzen Tag umher, immer das Screenshot-Foto im Anschlag. Dame leider nirgends in Sicht.

Es wird Abend, Stephanie ist müde und will schon aufgeben, da entdeckt sie diesen kleinen Laden. Fünf Minuten später hält sie ihre ersten beiden Flaschen Jamu in den Händen. Ein unbeschreibliches Gefühl – auch wenn sie zu Hause in den letzten Monaten schon etlichen eigenen Jamu gebraut hatte.

Stolz wie ein kleines Mädchen überquert sie die Straße. Da kommt eine Frau in Tracht auf sie zu und sagt: „Oh Jamu? I am Miss Jamu!“ Vor Schreck fallen Stephanie beinahe die Flaschen aus der Hand, als sie erkennt: Das ist doch die Balinesin, die ich suche.

Eingangs erwähnter Turbo ist damit angedockt und beamt Stephanie in die Tiefen ihrer Seele. Checkin somit für alle Zeiten vollzogen. Das sollte jedoch lange nicht alles sein. Eine Audienz bei einem Balinesischen Geistlichen räumt auch die letzten Zweifel aus:

Stell dir vor, du sitzt auf Bali bei einer Palmblattlesung eines Brahmanen. Das mag dir jetzt vielleicht sehr exotisch vorkommen – die Gänsehaut von Stephanie dabei und meine, als sie es mir erzählt, beweist jedoch eindrücklich, wie wow das gewesen sein muss. Denn dieser Brahmane berichtet ihr von Begebenheiten, die er gar nicht wissen konnte. Beispielsweise, dass sie mit 28 schwer krank war.

Er endet sein Reading mit den Worten: „You are Miss Jamu from Europe“, und ergänzt diesen Satz damit, dass sie dafür auserkoren sei, sich selbst und andere mit Kräutern zu heilen. In diesem Moment hat das nun auch Stephanie begriffen. Nach Rückkehr braut sie Jamu nach traditioneller Rezeptur mit Zutaten direkt aus Bali nicht mehr nur für sich selbst, Familie oder Freunde, sondern für alle, die dem Zauber und der Wirkkraft dieses Getränks auch erliegen wollen.

 

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Fotonachweise – Stephanie Arnold und Jamu: ©Stephanie Arnold

 

 

 

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