„Meine Lebensgeschichte erzählen bzw. schreiben? Ich bin doch kein Promi und wen interessiert das schon?!“ Och, ganz viele: Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner beispielsweise und übrigens auch mich.

Menschen hinterlassen wann genau Spuren? Allein durch ihre Biografie, ihre Haltung, ihr Wirken – inklusive aller Wendepunkte, Tiefpunkte, Höhepunkte. Sie sind Vorbilder und Mutmacher, wirken nahbar und sympathisch. Doch das nützt ja alles nichts, wenn die Welt nicht davon erfährt. Also raus damit – erzähle uns deine Geschichte.

Da mich das selbst total fasziniert, schreibe ich solche Geschichten. Wenn die Menschen dann bis zur letzten Zeile gefesselt sind, freue ich mich wie Bolle. Oder wie das 3 Leserinnen in ihren Worten kommentierten: „Diese Geschichte hält mich im Bann!“ – „Eine wirklich berührende Story“ – „Megatoll, wunderbarer Inhalt, wunderbar verfasst!“ Lass uns die weiteren 3 Gründe anschauen, was deine Geschichte noch so wertvoll macht.

 

#Grund 1: Sympathie hoch drei

Es gibt sympathische Helden und Angeber. Sympathisch sind sie dann, wenn sie ehrlich sind, Schwächen, Ecken, Kanten haben und den Mut, darüber zu sprechen.

 

Angeber-Beispiel (Megakurz-Version):

„Ich verdiene sechsstellig monatlich und zeige dir, wie du das auch schaffst.“ Vielleicht ist der Mensch an sich ja total nett. Wirkt mit dieser „Auf die Pauke-hau“-Aussage aber eher semi-sympathisch.

 

Sympathie-Beispiel Sternekoch Rainer Hensen:

Rainer liebt das Kochen und seine Frau Rosi. Beides im Übrigen schon recht lange. Er ist inaktiver Sternekoch und aktiver Maggi-Gegner. Überhaupt findet er, dass industrielle Genussgüter unseren Gaumen völlig verkorksen – unseren Körper leider mit. „Natürliche Lebensmittel okay, aber es soll ja auch schmecken!“, argumentiert dabei so mancher. Als Antwort serviert Rainer einfach seine Kochkünste, mit denen er „lecker“ und „gesund“ vorzüglich miteinander verbindet.

Seine Biografie erklärt seine Haltung, gibt Einblicke in seine Persönlichkeit und da er mir alles haarklein erzählt hat, konnte ich daraus eine Geschichte formen.

 

 

 

 

#Grund 2: zum inspirierenden Vorbild werden

Ich sitze da und schüttele mehrmals mit dem Kopf. „Kann ich jetzt nicht glauben!“, denke ich mir mehrfach. Das geht auch anderen Menschen so, wenn sie von Stephanie Arnolds Geschichte erfahren. Ihr Mut ist riesig – größer als unser Sonnensystem, wobei sie das selbst gar nicht so sieht „Ich bin doch nur meinem Instinkt gefolgt“, kommentiert sie lächelnd, als wir vom Ausbruch ihrer Erkrankung vor 30 Jahren, der Fastenkur und Jamu sprechen.

‚Nur‘ ist gut. Dass muss man sich erst mal trauen, wenn man die Diagnose ‚MS – heftige Verlaufsform‘ erhalten hat. Danach innerhalb von einer Woche im Rollstuhl gelandet ist und hochdosiert monatelang mit Cortison ins komplette Aus geschossen wird. In dem Moment diese Entscheidung zu treffen: Wow, sag ich nur. Denn Stephanie setzte das Cortison ab und fastete 40 Tage lang. Damit verpasste sie ihrem Neurologen den Schock seines Lebens – und nicht nur ihm. Ihr Lebensweg macht sie zum Vorbild für viele andere. Auch über Stephanie durfte ich eine Geschichte schreiben.

 

 

#Grund 3: unverwechselbar du

Heike Niemeier ist Sexberaterin, und das kam selbst für sie überraschend. Da musste sie erst einen Wadenbeinbruch erleiden, eine erfolgreiche Veranstaltungsagentur ad acta legen und 58 Jahre alt werden, um zu diesem Beruf zu gelangen. Und das ist gut so, denn Sex macht sowieso mehr Spaß als Preisdumping und Respektlosigkeit in der Veranstaltungsbranche, wo sie viele Jahre davor sehr erfolgreich tätig war.

Klartext ist für sie zweite Muttersprache und die verwendet sie besonders gern, wenn es um das Thema Sex geht.

Als sie mit Ende fünfzig gründete, war sie von Anfang an bestens gebucht. Warum? Weil sie eben nicht „irgendeine“ Sexberaterin ist, sondern begründet durch ihren Lebensweg und ihr „unverwechselbares Heike-Sein“ Menschen magisch anzieht. Ihre Geschichte ist köstlich amüsant und ich freue mich, dass ich sie schreiben durfte.

 

 

Meine eigene Geschichte? Auch nicht ohne …

Ich war 12 und schon damals ein sensibles Wesen. Keine gute Kombi, wenn du als Rechtsaußen in einem Mädchenfußballverein für Tore sorgen sollst.

Drei Jahre später. Mir war dauernd übel. Mit einer, der ständig schlecht ist, können Teenies recht wenig anfangen. Bald hatte ich deswegen überall einen Spitznamen weg „Weh-Weh-Uli“.

Überfülltes Stadtfest, ich mittendrin. Plötzlich überkam mich eine heftige Übelkeitswelle. Ich in heller Panik, dass ich mich vor allen Leuten übergeben muss. In Todesangst flüchtete ich vom Stadtfest nach Hause. Seit diesem Tag an begleiten mich die Angst, Übelkeit und tausend andere teils sehr heftige Symptome.

 

Reiß dich zusammen!

„Blutwerte ok und auch sonst alles. Bestimmt eine Laune der Pubertät“, kommentierte der Arzt meinen Zustand.

Schlecht war mir immer noch. Inzwischen jeden Tag. Ich mied daher alles in der Welt draußen, was nicht unbedingt nötig war. Einige Jahre später stellte mich die Sache vor ein großes Problem: die Ausbildung.

Irgendwie schummelte ich mich trotz Ängste und Übelkeit so durch. Am Ende der Ausbildung sollte ich ein halbes Jahr zur Berufsschule nach Stuttgart. Schon das Wort „Stuttgart“ löste Panik aus. Ich schaffte es, zwei, drei Male dorthin. Dann nie wieder.

 

Einsame Kämpferin

Wenn du mit so einem Problem ganz alleine dastehst, entwickelst du sehr schnell geniale Strategien. Anders kannst du einen solchen Wahnsinn gar nicht überstehen. Daher bin ich heute Meisterin der flexiblen Strategien und im rasend schnellen Aushecken von Plan B, C, oder D. Ich finde für fast alles eine kreative Lösung.

Auch mit meinem Ausbilder handelte ich damals eine solche aus, die bis in die Kreise des Regierungspräsidiums reichte: Ich durfte den Lernstoff zu Hause büffeln. „Das schaffen Sie so vermutlich eh nicht, aber probieren können wir es ja!“.

Ich schloss meine Ausbildung als eine der besten ab und durfte die Prüfung per Sondergenehmigung sogar in einem separaten Raum absolvieren anstatt mit allen anderen zusammen – meiner Willens- und Überzeugungskraft sei Dank.

 

 

Arbeitsunfähig krank mit gerade mal 21 Jahren

Da saß ich nun mit meinem tollen Abschluss, der mir wenig brachte, denn inzwischen war ich 100 % arbeitsunfähig. Eine deprimierende Aussicht und da mich immer noch niemand ernst nahm, verfrachtete man mich kurzerhand in eine Psychoklinik. Dort haute ich auf Trommeln herum, malte Bilder und saß mit anderen Patienten in einem Raum, um mir deren Leidensgeschichte anzuhören.

Mein Mitpatient vom Zimmer gegenüber beging Selbstmord und einer der benachbarten Station drehte durch. Im Wahn zettelte er eine Messerstecherei an. Praktischerweise direkt vor meiner Zimmertür, die man von innen nicht abschließen konnte. Auf dem Flur alles voller Blut und ich in Todesangst, dass ich vielleicht die nächste sein könnte, auf die er mit dem Messer losgeht.

Nach langen drei Monaten kehrte ich kränker zurück, völlig traumatisiert und mit gebrochenem Willen. Einen eigenen durfte ich dort nämlich nicht haben. „Du willst ja gar nicht gesund werden“, sagte man mir dann. Einen Satz, den ich bei weiteren insgesamt 6 Klinikaufenthalten und hunderter ambulanter Behandlungsversuche noch oft hören sollte. Von schulmedizinischem Ansatz bis Wunderheiler habe ich dabei so ziemlich alles mitgenommen.

 

Die Berufung ruft

Das berufliche Problem war damit immer noch nicht gelöst. Was tun? Eines Tages kam ein Freund mit einem Satz Korrekturfahnen daher: „Uli, die müsste noch jemand Korrekturlesen. Du hockst doch eh daheim herum und hast Zeit, oder?“

Also fuchste ich mich in Grammatik, Rechtschreibung und die Korrekturzeichen nach Duden ein und nannte mich fortan freiberufliche Korrektorin. Im Verlauf wurde ich gar Werbelektorin und mit Mitte dreißig Werbetexterin. Parallel veröffentlichte ich meine ersten Bücher und bekam dafür einiges an Presse.

Heute bin ich trotz dieser Erfahrungen und Einschränkungen gestandene Unternehmerin, einfühlsame Zuhörerin mit Bomben-Intuition sowie Herzens-Schreiberin mit inzwischen 9 veröffentlichten Büchern und an die 2000 verfassten Texten + Storys.

Nicht auszudenken, wie es ohne die Erkrankung damals weitergegangen wäre. Ich würde wohl noch heute als Verwaltungsbeamtin im mittleren Dienst in irgendwelchen staubigen Amtsstuben sitzen.  Passt zu mir, meiner Freiheitsliebe und Kreativität so gut als würde man einen Kanarienvogel in ein Iglu am Nordpol verschleppen.

 

Happyend?

Sagen wir so – nach knapp 35 Jahren Krankheits-Odyssee beschloss ich irgendwann: keine Behandlung mehr, keine Ärzte und auch keine Wunderheiler. Ich werde die Lösung in mir selbst finden. Noch stecke ich inmitten dieses spannenden Vorhabens. Ein 100 %iges Happyend kann ich daher noch nicht verkünden, dafür einen Quantensprung an persönlicher Weiterentwicklung.

 

 

Du möchtest der Welt auch deine Geschichte erzählen und Spuren hinterlassen? Ich schreibe sie auf. Maile mir und wir besprechen deine Wünsche und die Möglichkeiten: mail@ulrikeparthen.de

 

 

Fotonachweise: Ulrike Parthen: Rüdiger Lutz // Rainer Hensen: privat // Stephanie Arnold: privat // Heike Niemeier: Stefan Zeitz

 

 

 

Abonniere meinen Newsletter und bleibe damit immer auf dem Laufenden: