Die Prinzen im Single-Portal (ihre Gene sind schuld)

Die Prinzen im Single-Portal (ihre Gene sind schuld)

Die Männer sind auf der Pirsch und ich schier am Verzweifeln. Sie probieren einfach alles, diese Männer, um uns Frauen im Portal bestmöglich zu umgarnen. Nachricht von Holger: „Du hast die schönsten Augen der Welt!“ Ohne hallo und ohne tschüss. Nur dieser eine Satz. Puh, wie einfallslos schleimig, denke ich mir und antworte nicht. Einen Tag später, Holger schreibt: „Warum antwortest du mir nicht????????“, und hängt acht Fragezeichen hinter den Satz. Acht!

Als ich die Nachricht lese, kaue ich gerade an einem Schokoriegel. Der bleibt mir wegen Holger und seinen vielen Fragezeichen glatt im Halse stecken. Außer unhöflich und schleimig ist er also auch noch penetrant. Nächster Morgen. Ich traue meinen Augen kaum: Acht neue Nachrichten seit gestern Abend. Davon fünf von Holger. Eyeyey! Dann will ich dem lieben Holger mal ein bisschen Nachhilfe geben:

„Sehr geehrter Interessent, aufgrund des außerordentlichen Umstands Ihrer Unverschämtheit und Penetranz erlaube ich mir Ihnen mitzuteilen, dass ich kein Interesse an Ihrem Kommunikations-Angebot habe. Mit besten Grüßen – die Frau mit den schönsten Augen der Welt, in die Sie niemals live schauen werden.“

Pirsch, Teil zwei

„Hey Süße“, beginnt Thomas seine Nachricht an mich. Na, das kann ich ja leiden wie Bauchweh! Auf seinem Profilfoto trägt er eine coole Lederjacke, eine ganz coole Sonnenbrille und ein noch cooleres Goldkettchen um den Hals. Dabei lächelt er mit sehr unecht aussehenden weißen Zähnen in die Kamera. Ein Macho? Bestimmt! Machos sind halt so. Da hast du als Frau nur eine Alternative: ignorieren, den Herrn. Ignorieren? Oh oh, gar nicht gut fürs Macho-Image, daher flattert bald schon eine weitere Message von Thomas ein: „Du blöde V…, du hältst dich wohl für was Besseres!“ Ähm, in dem Fall ja, lieber Thomas, denke ich mir und logge mich ganz schnell aus.

Pirsch, Teil drei

Potzblitz, was ist jetzt passiert? Nach einer Woche Thomas-Schock fühle ich mich stark genug, mal wieder reinzuschauen. 53 ungelesene Nachrichten! Ich scrolle vorsichtig die Bildergalerie der Absender durch. Die gute Nachricht: Thomas hat wohl aufgegeben. Keine weiteren Nachrichten von ihm. Dafür von Georg, stolze 68 Jahre alt, Bauchumfang geschätzte zwei Meter. Auch Tim will mich kennenlernen. Student, 18 Jahre, steht auf reife Frauen, wie er schreibt, hat aber leider kein Auto. Daher will er mich gleich zu sich nach Hause einladen. Wäre auch am unkompliziertesten, wie er findet.

Dreiundzwanzigmal „süße“ Nachrichten

Ansonsten keine weiteren Vorkommnisse. Außer ungefähr 10 x „schöne Augen“, 23 x das Wort „süß“ bzw. „Süße“ und 5 x gar werde ich als „Traumfrau“ bezeichnet. Das ist ja ein Ding, denke ich mir und überdenke mein Männerbild neu. Ja sorry, liebe Männer, aber es kriegt gerade arge Schieflage, dieses Bild. Ich überdenke alle Möglichkeiten einer Erklärung:

1 . Die Männer hier haben zu viel Rosamunde Pilcher-Filme geguckt

2. Der Notstand ist groß

3. Die Gene sind schuld

4. In diesem Portal sind nur Idioten unterwegs

5. Das ist in einem Single-Portal halt so

Die Prinzen im Single-Portal (ihre Gene sind schuld)

Rettung naht – Leseprobe aus meinem Buch „Amor, er + ich“:

Bei Rüdi ticken die Uhren anders, obwohl er auch ein Mann ist. Der sagte in diesem Portal erst mal kein Wort und hatte eine andere Taktik in petto: abwarten. Völlig Mann-untypisch also in Lauerhaltung und erwartete tatsächlich, dass ich ihn als Erste anschrieb. Meine Güte, musste ich nun wirklich selbst die Initiative ergreifen? Das sehen die Gene aber anders vor. Dass Rüdis „abwartendes“ Verhalten nicht ganz auf Freiwilligkeit beruhte, erfuhr ich erst später.

Der Rüdi konnte gar nicht schreiben. Also schreiben schon, aber eben dort in diesem Portal nicht! Da er einen so tollen Sonnenuntergang in seiner Bildergalerie eingestellt hatte, tat ich es halt. Wobei ich mir das trotz aller Sonnenuntergangs-Romantik dennoch zehn Minuten überlegen musste, da mich Rüdi auf seinem Profilbild mit astreiner Glatze anguckte. Himmelherrgott: eine Glatze! Eigentlich völliges Ausschlusskriterium meinerseits für jegliche Kontaktversuche.

Tja, auch wir Frauen haben so unsere Gene

Die meinen sagen zu Glatze eindeutig nein. Ich betone: Hier ging es schließlich darum, einen neuen Mann kennen zu lernen. Einen neuen! Wenn der alte (also bisherige) im Lauf des Zusammenlebens langsam zum Glatzkopf wird, dann ist das halt so und auch für mich total in Ordnung. Aber ich befand mich hier doch im Katalog der Bildchen. War ich denn völlig übergeschnappt und wählte dann freiwillig eine Glatze? Von vornherein eine Glatze? Ja, ich war übergeschnappt! Und schrieb: „Hallo du, gibt’s solche Sonnenuntergänge in Auhof?“ Ich hielt kurz inne und merkte, dass irgendwas nicht ganz stimmig war an meinem Geschreibsel. Nach zwei Minuten fiel der Groschen. Oh Uli, das kommt davon, wenn man Männer mit Glatze anschreibt, anstatt zu warten, dass Männer ohne Glatze ihre Rosamunde-Pilcher-Nachricht an mich verfassen.

Sonnenuntergänge, Ozeane und ich

Das Sonnenuntergangsbild zeigte im Vordergrund ziemlich viel Wasser. Sah aus wie am Meeresstrand. Auf Rüdis Profil stand als Ortsangabe jedoch „Auhof in Baden-Württemberg“. Mir schwante, dass es geografisch nahezu ausgeschlossen ist, dass sich in Baden-Württemberg plötzlich der Ozean öffnet. Ich wollte diese peinliche Zeile schon wieder löschen, als ich mir kurzerhand sagte: „Ach was, jetzt schreib das so zu Ende, ist doch eh ganz harmlos (wegen der Glatze)!“ Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte, denn genau das erwog Rüdi überhaupt, mir zu antworten. Ein anderer Text als dieser ozeanige und ich hätte vergeblich auf eine Reaktion gewartet. Der Rüdi ist halt schon sehr speziell – trotz Testosteron. Oder eben gerade deswegen? Ein Rundum- Angriff samt Kompliment in seine Richtung bewirkt da rein gar nichts. Da muss Frau schon Ozeane quer durch Europa verschieben!

Meine Nachricht lautete im Ganzen: „Hallo du, gibt’s solche Sonnenuntergänge in Auhof? Blöde Frage, gell? Denn wo auch immer Auhof liegt, ein Meer findet man da sicher nicht…“ Ich klicke auf Senden und weg ist das Ding. Einen großen Kopf machte ich mir da noch nicht über Begebenheiten wie „Könnte dieser Rüdi die große Liebe meines Lebens sein?“ oder ähnlich. Irgendwelche Regungen in mir von Träumen, Hoffen, Warten, Bangen fanden sich in diesen Minuten also recht wenig in meinem Herzchen, schließlich hatte „der da“ auf dem Bild eine Glatze.

Zeit totschlagen

Ich erklärte mir mein Aktivwerden so, dass Rüdi ja ganz sympathisch aussieht und ganz bestimmt kreativ ist. Kreativität erkannte ich jedenfalls auf den ersten Blick und im Profil las ich zudem das Wort „Fotograf“. Na, wenn das als Kreative, die ich eine bin, kein Grund zum Schreiben und Verlegen der Ozeane nach Auhof war. Außerdem langweilte ich mich schrecklich. Ein äußerst triftiger Grund, die Gene zu vertauschen und als Erste eine Nachricht zu senden. Ein bisschen Unterhaltung würde meinen langweiligen Mittwochabend allemal verschönen. Dass ich dafür glatzköpfige Männer missbrauchen wollte, fand ich weniger schlimm. Total harmlos. Total!

So harmlos, dass ich bereits zehn Tage später mit Sack und Pack bei Rüdi in dessen heimischem Revier aufschlagen sollte, um dort auf seinem Sofa zu sitzen. Am Ozean in Auhof. Diesen Ort gibt es so übrigens gar nicht, sondern ist nur eine öde Wetterstation. Das Single-Portal aber wollte den Wohnort „Crailsheim“ bei Eingabe partout nicht annehmen. Es zauberte bei jedem Versuch aus Crailsheim einfach diesen Auhof. Rüdi hatte also gar keine Chance, als sich Wohnort-mäßig in Richtung Wetterstation zu bewegen. Sonst wäre das glatt schief gegangen mit dem Single-Portal, dem Ortsschild und der Uli.

Wie das alles weitergeht, kannst du in meinem Buch lesen:

Die Prinzen im Single-Portal (ihre Gene sind schuld)

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