© Titelfoto: Rüdiger Lutz

 

Selbstcoaching macht Spaß und Menschen stark!

Wenn mal wieder der alltägliche Wahnsinn ausbricht, man die Welt nicht mehr versteht und sich selbst am wenigsten, braucht es Antworten, Ideen, neue Blickwinkel. An Selbstcoaching denken da die wenigsten. Man fragt eher den Partner, die Freundin, Kollegen, geht zum Arzt oder Coach. Je nach Schweregrad des Problems. Das ist auch gut so, denn Austausch und Inspiration von außen sind wichtig!

 

Mit Selbstcoaching bzw. Selbstfindung lassen sich viele Herausforderungen allerdings gut selbst lösen.

 

Das stärkt die Autonomie und auch das Selbstwertgefühl. Für mich jedenfalls ist es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass ich für mich selbst ein kompetenter Coach sein kann. Dass ich dabei jeden Tag in meiner Persönlichkeit wachse, manchmal sogar über mich hinaus. Und wenn meine Intuition mir in manchen Situationen flüstert, es sei ein zusätzlicher Blickwinkel von außen nötig, hole ich ihn mir. Das empfinde ich als eine sinnvolle Verbindung von Selbstcoaching und Coaching extern.

 

Selbstcoaching Definition:

Du erwirbst die nötigen Fähigkeiten, um dich selbst weiterzuentwickeln und an der Verbesserung deiner Lebenssituation zu arbeiten. Eine gute Anbindung zu deiner Intuition zu haben, ist dabei sehr hilfreich.

 

 

Gesundheitsfördernde Selbstkommunikation

Gedanken sind elektrische Impulse. Sie lösen Umschaltungen im Gehirn aus – elektrische und chemische. Schießt dem Gehirn also ein Gedanke quer durchs Gebälk, weiß es „Ah, Einsatz!“ und wird aktiv. Im Körper werden umgehend eine Reihe von chemischen Substanzen freigesetzt. Das Nervensystem wird ebenso davon in Kenntnis gesetzt, dass es nun bitte aktiv werden möge. Es weiß, was es dann zu tun hat.

Welche Gedanken indes sich wann genau obenrum breitmachen, bestimmt das Unterbewusstsein. Es schöpft dabei aus einer großen Quelle an Erfahrungen und Wissen. Gedanken kommen und gehen. Immer! Nichts zu denken, ist nahezu unmöglich. Hochgerechnet auf einen Tag – also 24 Stunden – bestimmen wir also zu 2/3, was wir denken. 18 Stunden lang Programmierungszeit für förderliche oder auch hinderliche Gedanken. Grübeln oder nicht grübeln.

 

Von den 30.000 bis 60.000 Gedanken pro Tag, mit dem das Gehirn umgehen darf, sind schmale 3 Prozent positiv und aufbauend. Erschreckend wenig! Immerhin 72 Prozent sind neutral. Flüchtig und unbedeutend huschen sie durch unsere Gedankenwelt. Und 25 Prozent gehören der negativen Zunft an.

 

Klingt nach offensichtlicher Unausgewogenheit zwischen positiv und negativ. In Krisenzeiten verrutscht das Verhältnis weiter zu unseren Ungunsten. Da können sich dann schon auch 75 Prozent negatives Gedankengut ins Hirn schummeln. Je intensiver wir etwas denken, desto vertrauter wird es. Was vertraut ist, von dem sind wir irgendwann überzeugt. Ob es wirklich stimmt oder nicht.

Je nachdem, wie diese Überzeugen aussehen, sprechen und handeln wir. Welcome Glaubenssatz, der unser Leben in die eine oder andere Richtung lenken wird. Damit wird zwar klar, dass eine Menge negativer Gedanken unbewusst entstehen, nicht beeinflussbar und für den Überlebensmodus wichtig sind. Jedoch lassen sich immer noch eine Menge negative Gedanken entscheidend positiv beeinflussen. Daher ist gesundheitsfördernde Selbstkommunikation so wichtig!

 

 

Selbstcoaching

© Yvonne Kaiser – “Kern-Kraft-Werke” auf Leinwand

 

#Beispiel: gesundheitsfördernde Selbstkommunikation – kreatives Coaching:

Ich hatte einen Arzttermin. Das ist aufgrund einer Traumatisierung für mich immer schwierig. Die traumatisierten Anteile in mir drehten entsprechend schon vor dem Termin durch, da sie allergrößte Gefahr witterten, was in der Realität natürlich Quatsch ist. Die Selbstkommunikation nahm rasend schnell ihren Lauf, die so irre war, dass ich nur noch den Kopf schütteln konnte. Begleitet von diversen Gefühlen und einem Chaos da oben, das dem Zustand ‚Wahn-Sinn‘ nahe war.

Also machte ich spontanes Coaching. Rein intuitiv vollzogen. Ich stieg ein in eine lustige Selbstkommunikation – wie damals als Kind. Kinder sprechen häufig laut mit sich selbst.

Das tat ich an dem Morgen auch – wie folgt:

„Euch zeig ich’s“, lautete die Kampfansage an das durchdrehende Gedankengut. Zwischen Haare kämmen und Lidstrich auftragen startete ich mein spontanes Comedyprogramm. Laut sprechend, direkt vor dem Spiegel, mit entsprechenden Grimassen, inklusive lauten Lachens.

Okay, anfangs noch künstlich erzeugt, denn zum Lachen ist einem in SOS-Großalarmzustand nicht. Mein Hirn zeigte sich irritiert, da es nach wie vor nach den betreffenden Erinnerungen und Ängsten kramte. Die liegen in meiner Erinnerungs-Schublade ganz oben, sind also unmittelbar greifbar.

Das Comedyprogramm brachte diese Abläufe ins Stocken. Es war deutlich spürbar, wie mein Hirn zu ruckeln anfing. Das wiederum fand ich sehr lustig und ich musste laut lachen. Dem Umstand geschuldet, dieses Mal ungezwungen und vollkommen echt.

Die Comedy hatte mein Hirn nachhaltig beeindruckt. Die Angst wurde deutlich weniger. Ich konnte also zum Arzttermin aufbrechen. Gleiches kann auch das intuitive Schreiben bewirken – eines der simpelsten Tools, die es gibt. Jede*r kann intuitiv schreiben. Es steckt als eigene Ressource in uns.

 

“Für das Gehirn ist es sehr viel einfacher, in den Funktionszustand “Flow” zu kommen, als zu versuchen, den Hirnfunktionszustand ‘Stress’ zu vermeiden. Etwas machen also, anstatt etwas zu lassen.” (Volker Mauck, Arzt + Therapeut)

 

Bei Flow geht’s uns gut. Diesen kannst du erreichen durch:

 

  1. Kreativität
  2. Humor
  3. Irritation

 

Negative Gedanken und damit diffuse Ängste vermeiden zu wollen oder rein gedanklich sich in positiv umprogrammieren zu wollen, ist daher schwierig. Du bleibst dabei im Verstand stecken.  „Wo bleibe ich?“, ruft dann der Körper, der ja auch mitspielen will. Es braucht ebenso eine Aktion. Raus aus dem Kopf, rein ins Tun. Laut sprechen, lachen oder intuitives Schreiben ist aktives Tun und kann verzerrte, unangepasste Bewertungen, Fantasien, Interpretationen nicht nur unterbrechen, sondern fühlbar umkehren. Das zeigt, dass Emotionen so ziemlich das Wichtigste sind beim Wunsch nach Veränderung.

 

Selbstcoaching

© Yvonne Kaiser – “Kern-Kraft-Werke” auf Leinwand

 

#Beispiel: Selbstcoaching Übungen – intuitives Schreiben:

  1. Schreibe einen Liebesbrief an dich selbst. Stil? Kannst du dir selbst aussuchen. Kitschig, superkitschig, lustig, in Gedichtform oder anders. Nicht darüber nachdenken, einfach drauflos.
  2. Schreibe eine Story of your life in Form einer lustigen Kurzgeschichte. Beame dich dazu in die Zukunft. Nicht 1 Jahr, nicht 2 Jahre, sondern 100 Jahre! Das wird dein Hirn irritieren und Irritation bedeutet Flow. Spinne dir eine Story zusammen, wie es dir beliebt. Gern auch an den Haaren herbeigezogen. Du musst dich dabei mit rein gar nichts an die Wahrheit halten, sondern kannst dich austoben in jegliche Richtung.
  3. Schreibe einen absurden Beschwerdebrief an irgendeine Sache in deinem Leben, die dich nervt. Beispielsweise an dein Laptop, das den Geist aufgegeben hat. Oder an den Rasenmäher, den leeren Kühlschrank, whatever. Übertreibe maßlos, haue auf die Pauke. Du darfst dabei auch fluchen, wenn du möchtest.
  4. Schreibe Unsinnpoesie in Form von Limericks oder Schüttelreimen. Heinz Erhard war Meister darin, daher stammt das nachfolgende Beispiel auch von ihm:

 

Wenn die Opern dich umbrausen

mit Getön,

dann genieße auch die Pausen:

Sie sind schön.

 

FAZIT:

Wir sind immer die, als die wir uns selbst sehen oder erinnern. Bleibt für jede*n die entscheidende Frage zu klären, wer wir wiederum werden möchten. Und das lässt sich intuitiv schreibend wunderbar kreieren.