Schreibmeditation funktioniert sogar bei Meditationshärtefällen wie mir.

Mein Hirn und ich sind inzwischen Schreibmeditation Fans. Wenn du den Artikel gelesen und es selbst ausprobiert hast, wird es dir bestimmt genauso gehen. Mir fällt es sehr viel leichter, damit Ausgleich obenrum zu schaffen. Das mag mitunter daran liegen, dass meine Schaltzentrale zu den ADHS- und Hochbegabten-Gehirnen zählt. Die in einen Oohm-Zustand zu bekommen, ist eine Herausforderung für sich. Ich bin Jahrzehnte daran gescheitert.

Viele Meditationen mussten dran glauben. Mit Musik, ohne Musik, mit Mantras, ohne und auch ohne alles. Also nur ich und mein Gehirn. Und wirklich alles davon ging schief. Bis ich die Schreibmeditation entdeckte.

An einem gesundheitlichen Tiefpunkt erfand ich – rein zufällig – intuitives Schreiben à la Uli. Intuitives Schreiben per se ist ja nichts Neues. Tagebuch, Journaling, Morningpages zählt alles darunter. Das reichte meinem Gehirn aber nicht. Es fand das alles zu langweilig. Wo dagegen Humor und fantasievolle Purzelbäume draufsteht, ist es sofort mit dabei. Ich hatte also endlich etwas gefunden, mit dem ich es lenken konnte, anstatt ihm gefühlt ausgeliefert zu sein.

Erst sehr viel später begriff ich, dass diese Form des Schreibens pure Schreibmeditation ist. Auch wenn das erst mal komisch klingt. Schließe mache ich dabei aktiv etwas mit meinem Gehirn. Und sollte Meditation nicht das Gegenteil sein?

 

Wusstest du, dass es zwei unterschiedliche Funktionszustände deines Gehirns gibt?

Schreibmeditation

 

Das sind: Flow und Stress! Stress vermeiden zu wollen, ist für das Gehirn allerdings sehr anstrengend. Natürlich gibt es auch da Naturtalente, die die Gelassenheit gepachtet haben. Ich habe ein solches beneidenswertes Talent zu Hause auf meinem Sofa sitzen: mein Mann. Der braucht weder eine herkömmliche Meditation noch eine Schreibmeditation, da er fast immer tiefenentspannt ist. Wenn er bewusst aktiv nichts denken will, denkt er nichts. Und wenn er müde ist, schläft er innerhalb von einer Sekunde ein, während mir noch ungefähr eine Million Gedanken quer durchs Gehirn jagen.

 

“Fokussiere dich statt auf Stressvermeidung lieber auf das Gegenteil: den Flow! Denn dein Gehirn ist viel besser darin, etwas zu machen als etwas nicht zu machen.” (Volker Mauck, Arzt + Therapeut)

 

Bedeutet für dich: Mache so oft wie möglich Dinge, die dein Gehirn in den Flow bringen – durch Irritation, Kreativität oder Humor. Das intuitive Schreiben im Sinne der Schreibmeditation zählt auch dazu. Ich fühle mich selten so flowig entspannt wie beim Schreiben von lustig verrückten Geschichten. Oder von Romanen. Dergestalt intuitiv zu schreiben heißt:

 

  • Es gibt keine Regeln
  • Es gibt keine Grenzen
  • Alles darf sein
  • Je verrückter, desto besser

#1 Beispiel Schreibmeditation in Form einer verrückten Geschichte:

Schon mal eine Zitrone, einen Schlüsselbund und ein Kartenspiel zu Hauptfiguren einer Kurzgeschichte gemacht? Probier’s aus! Bei Menschen, die die Schreibmeditation à la Uli zum ersten Mal versuchen, ist teils noch sehr der Verstand mit an Bord. Wir wollen aber ja anderes erreichen. Die Absurdität hebelt die bewertende Haltung sofort aus. Dein Gehirn kann dann gar nicht anders, als sich völlig kreativ-verrückt fallen zu lassen. Im Prinzip machst du dabei dasselbe wie damals als Kind: Du fliegst mit deinem Gehirn zusammen davon ins Land der Fantasie. Hier kannst du eine Beispielgeschichte von Volker Mauck lesen.

 

#2 Beispiel Schreibmeditation zu zweit:

Mit Volker und Meditationscoach Tina Rapp locke ich mein Gehirn gerade besonders einfach in einen Flowzustand. Und die beiden ihres ebenso in dieser Mini Schreibgruppe. Denn die positiven Emotionen dabei wirken gegenseitig hochansteckend. Unsere Gehirne vernetzen sich dabei automatisch. Obwohl das Schreiben zeitversetzt stattfindet, ist es Schreibmediation pur.

Aus einer fixen Idee heraus legten wir eines Tages damit los. Ohne vorher zu wissen, was wir genau schreiben. Klar war uns nur, dass er den Part eines leicht verschrobenen Therapeuten schreibend übernehmen soll. Ich den seiner Patienten. Im Er-Sie-Modus. Tina kam im Verlauf ganz spontan hinzu mit der Figur der Mareike. Beim Rest gaben wir uns rein intuitiv dem Prozess hin. Hier kannst du vier Kapitel dieses lustigen Ping-Pongs lesen.

Das kannst du mit deinem Partner, einem Freund/einer Freundin, deinen Kindern nachspielen. Du musst dazu ja nicht gleich einen Roman schreiben wie wir. Kreiert einfach eine lustige Kurzgeschichte zusammen. Erst du ein paar Zeilen, dann übernimmt dein*e Schreibpartner*in, dann wieder du usw. Ihr spielt Schreib-Ping-Pong. Das könnt ihr so lange machen, wie ihr wollt. Volker, Tina und ich können kaum mehr damit aufhören, so flowig meditativ ist es. Irgendwann müssen wir wohl, denn in 2023 soll das Ganze als Buch erscheinen.

#3 Beispiel Schreibmeditation in Form von sanfter Lyrik und Prosa:

Manchen Menschen liegt die sanfte Schreibweise mehr als die humoristische. Sie haben einen intuitiven Zugang zu diesem Genre. Probiere dich aus, wohin es dein Herz zieht. Lyrik und Prosa haben im therapeutischen Kontext ihren festen Platz gefunden. In den USA sehr viel mehr als hierzulande. Und dreht man die Uhr der Geschichte um einige Jahrhunderte zurück, stellt man fest: Sprache und Schrift haben eine lange Tradition in der Heilkunst. Magische Formeln, Sing-Sang, Trostsprüche, Psalmen, Loblieder sind – wenn man so will – die Vorgänger dessen. Die mythologische Poetik spricht dem Dichten gar ekstatische Heilkunst und magische Kräfte zu. Wer weiß, welche positive Überraschung du also erlebst, wenn du das für dich einmal ausprobierst.

 

Wie wirkt das intuitive Schreiben noch?

Es fungiert als bravouröser Dolmetscher zwischen Herz und Hirn. Das war ein umgangssprachliches Bild. Fachlich korrekt ausgedrückt unterstützt das intuitive Schreiben das Zusammenspiel von Betriebssystem 1 und 2 in unserem Kopf, was gleichbedeutend damit ist. Streng genommen ist die Klassifizierung in diese beiden Systeme aber auch nur eine Metapher und existiert gar nicht real.

Da die Sache mit unserem Gehirn jedoch viel zu kompliziert ist, um es zu begreifen, bedienen sich sogar Experten solcher metaphorischen Hilfsmittel. Die der beiden Systeme stammt von Daniel Kahnemann und weil das dermaßen spannend wie umfangreich ist, hat er darüber einen Beststeller namens „Schnelles Denken, langsames Denken“ geschrieben.

 

Am besten geht es uns Menschen also dann, wenn die Hirnsysteme vorzüglich miteinander kommunizieren. Dass das nicht immer einfach ist, zeigt ja schon die Kommunikation zwischen Mann und Frau. Er spricht von Birnen, sie versteht Äpfel. So ähnlich läuft das da oben auch ab.

Irgendwann vergessen wir inmitten der Verständigungsprobleme, was wir eigentlich mal vom Leben wollten, was uns guttut und wohin die weitere Reise gehen soll. Schlechte Karten fürs Herz, das auch gern ein paar Vorschläge dazu machen würde. Die Signale jedoch bleiben irgendwo in den Synapsen zwischen No. 1 und 2 hängen. Stau auf der Datenautobahn.

 

Das intuitive Schreiben ist ergo sehr viel mehr als ‘nur’ eine bloße Schreibmeditation. Es ist heilsam, sorgt für Wohlbefinden und bringt nebenbei Klarheit und Antworten im Alltag.