Letztes Wochenende am See. Rüdi wollte zum Shooting dort unbedingt weißen Tüll mitnehmen. Wow, Tüll, meine Augen glänzen. Ich sehe schon die romantischsten Szenen vor meinen Augen und wie ich märchenhaft mit diesem Stoff abgelichtet werde. Doch Rüdi hat ganz anderes damit im Sinn. Zuerst will er den zehn Meter langen weißen Tüllstoff auf dem Steg ausbreiten. Danach wie zu Omas Zeiten einmal in der Mitte zusammenlegen. „Und jetzt dreh dich Uli!“. Hä was? „Du sollst dich drehen, damit ich den Tüll um dich wickeln kann.“

Nach drei Umdrehungen fühle ich mich wie im Alkoholrausch. „Rüdi, hör auf, mir wird schwindlig“, jammere ich. Rüdi jedoch ist so mit seinem Tüll beschäftigt, dass er meine Not kaum zur Kenntnis nimmt. Wie immer! Und das, wo ich mich bedrohlich nahe am Rande des Stegs aufhalte. Was, wenn ich vor lauter drehender Beschwipstheit in die Tiefen des Sees stürze? Er sieht die Sache pragmatisch: „Sind doch nur 40 Zentimeter Wassertiefe, da passiert nix!“ Wer weiß, meine Seepferdchen-Zeiten sind lange her. „Aber die Lungenentzündung! Rüdi, es ist saukalt. Ich darf nicht ins Wasser stürzen, ich krieg eine Lungenentzündung.“ Mein Jammern hilft ein bisschen, er lenkt endlich ein. Und zwar so, dass er nun im Kreis um mich herumläuft für die Zwangsjacken-Bestückung. Es dauert nicht lange, da torkelt auch er. Ich mache mir Sorgen um seinen teuren Fotoapparat, den er an einem Band um den Hals hängen hat. Der verträgt die herbstlichen Wassertemperaturen bestimmt nicht.

Vielleicht liegt es an unserem Rausch, ich weiß es nicht. Als die Sache mit dem Tüll jedenfalls geritzt ist und ich ziemlich wehrlos eingemummelt auf dem Steg herumstehe, werden wir albern. „Kannst du dich bitte mal auf den Steg legen?“, fragt mich mein Fotograf nach den ersten Probeaufnahmen im Stehen. Na, das probier mal, wenn du weder Arme noch Hände zur Verfügung hast. Das kriegst du mumifiziert alleine echt nicht hin. Und so leiht mir der Rüdi fix seine Arme und Hände, um in die gewünschte Position zu gelangen. Wenn’s drauf ankommt, ist auf ihn halt Verlass, denn natürlich half er mir nach Fertigung der Fotos auch wieder auf. Sonst würde ich noch immer hilflos dort auf diesem Steg herumliegen – dank des Tülls aber zumindest recht hübsch dabei aussehen.

 

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