Da saß ich nun. Mit Mitte Vierzig in einem knapp acht Quadratmeter großen Zimmer – gestrandet in einer WG bei meinem betagten Vater. Ehe kaputt, ich vor Herzschmerz kaum mehr bei Sinnen. Außerdem sehr krank, teilweise fast ein Pflegefall. Alles verloren, auch meine Existenz. Nur mit ein paar persönlichen Sachen und meinen Klamotten zog ich in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem gemeinsamen Zuhause meines damaligen Ehemanns aus. Notgedrungen. Gefühlt ging es dabei um mein Leben.

Papa war noch nie der fulminante Gefühlsdusler. Mich aufzunehmen, ja, okay, das sah er als seine Pflicht. Er zeigte mir allerdings jeden Tag, dass er mich dann doch gerne so rasch wie möglich wieder loswerden würde. Nichts lieber als das! Aber dieses blöde Schicksal hielt mich davon ab, denn ich war ihm ja (scheinbar) ausgeliefert.

 

Das Stündlein des Schicksals hat geschlagen

Gutes Stichwort also, denn darüber haben Coach Michael Hillmann // „Wieder auf Kurs“ und ich uns erst die Tage unterhalten. Er kennt das ebenso und nicht minder heftig. Mit einer der Gründe, warum er irgendwann Coach wurde. Dazu gleich mehr.

Jedenfalls fühlte ich mich in der Situation als astreines Opfer des Schicksals. Alle waren schuld: mein damaliger Ehemann, das Gesundheitssystem, mein Vater und überhaupt der Rest der Welt.

 

Apropos Gesundheitssystem: Da fiel ich leider komplett durchs Raster.

 

Man sah mir meine körperliche Not zwar deutlich an, doch keiner fand die Ursache. Von Eppstein Barr-Virus über Borreliose bis zur Vergiftung durch das häusliche Umfeld (Schimmel und andere giftige Substanzen) war so ziemlich alles im Gespräch. Doch ganz sicher konnten sie das jetzt auch nicht sagen. Da mein allgemeiner Blutbefund wieder mal super aussah, schob man mein Leid dann doch lieber auf die Psyche – war einfacher. Die glorreiche Folge-Idee der Herrschaften: Man wollte mich in die Geschlossene einweisen. Und auch wenn ich eigentlich kaum noch bei Kräften war, konnte ich das gerade noch verhindern.

Dazu dieser Herzschmerz. Schlimm!

Ich wusste bis dahin nicht, wie sehr so was weh tun kann. Daher ließ ich mich auf die Zurückeroberungsversuche meines Ex-Mannes ein. Auch wenn ich wusste, dass das keinen Sinn machte. So dauerte die Herzschmerz-Quälerei eben zwei Jahre länger. Wieder zu ihm ziehen? Nein, da blieb ich stark, denn das wäre sicher mein Totaluntergang gewesen. Auch wegen der noch immer ungeklärten Vergiftungssache.

Ich hatte damals extreme Ängste, und zwar vor so ziemlich allem: nie mehr gesund zu werden, nie mehr existenziell auf die Beine zu kommen, dass ich sterbe, dass ich nicht sterbe und wie ich verdammt noch mal den nächsten Einkauf durchstehen soll, wenn ich vor Schwäche nicht mal eine halbe Stunde aufrecht auf dem Sofa sitzen konnte.

 

 

 

Zurück zum Herzschmerz und zu Michael

Da auch seine Seele einen solchen Schmerz nie mehr erleben wollte, löste sie das Problem (zunächst) recht konsequent. Sie schickte ihm heftige Ängste ins Leben. Der Gedanke, evtl. wieder eine Partnerin verlieren zu können, war für ihn unerträglich – alleine sein jedoch mindestens genauso. Ein großer Zwiespalt, dem er eines Tages auf die Schliche kam.

„Das ist ja eine astreine Bindungsangst“, so seine Erkenntnis. Damit konnte er mit der Zeit das ewige innere Ping-Pong zwischen Distanz- und Verlustangst unterbrechen. Das gefiel dem Schicksal wohl außerordentlich gut, denn es reagierte in dem Fall erfreulicherweise positiv und schickte ihm seine Ehefrau ins Leben. Beide sind seitdem ein Herz und eine Seele.

In anderer Sache kam er dem logischen Aha relativ gleichzeitig auf die Spur. Es ging um seine berufliche Ausrichtung. Oder anders gesagt darum, dass seine Werte mit der Ausübung seines Berufes in einem System von Macht und Angst an ihre Grenzen stießen.

 

Kennst du auch? Kein Wunder! Die Hierarchien in den Unternehmen sind sehr oft von Angst geprägt. „Ich muss tun, was Chef will, auch wenn das gegen meine innere Überzeugung geht. Sonst bin ich weg vom Fenster.“

Ähnlich bei Michael, der auch noch mit der Prägung aufgewachsen ist, ja immer ein braver Junge zu sein. Vorgesetzten widersprechen? Ein Unding für ihn. Ihnen nicht zu widersprechen, löste indes einen heftigen inneren Konflikt aus. Ständig überlegte er in Gesprächen mit Vorgesetzten, was er nun sagen durfte, wie genau und was lieber nicht. Die permanente Angst im Nacken, etwas Falsches zu sagen und dadurch Konsequenzen befürchten zu müssen, machte ihn mit den Jahren krank.

Um die Sache abzukürzen: Als erwähntes Aha über ihn kam, was da eigentlich ablief, traf er eine Entscheidung und machte sich als Coach selbstständig. Ja, okay, das löste zunächst auch heftige Angst aus, befreite ihn aber gleichzeitig. Damit hatte er seine innere und äußere Freiheit wieder. Die Sache mit dem „braven Jungen“ ist seitdem Geschichte. Er setzt liebevoll Grenzen, jedoch immer wertschätzend.

 

 

Auch bei mir kündigte sich bei meinem damaligen „Schicksal“ eine positive Kehrtwendung an.

Bis zur Erleuchtung meinerseits sollte es allerdings noch fünf Jahre dauern. Warum auch immer, rollte sich die Sache bei mir von hinten auf. Erst purzelte ein neuer Mann in mein Leben. So unverhofft und plötzlich, dass ich damals (und auch noch heute) an ein Wunder glaubte. Dank ihm konnte ich der Acht-Quadratmeter-WG entkommen, mich von der Krankheit, die keinen Namen hatte, erholen. Außerdem meine Existenz, meinen Expertenstatus und meine Marke neu aufbauen. Dann erst war bei mir die Zeit reif für die wichtige Erkenntnis. Sie bedeutete Meilensteine an positiver Entwicklung – persönlich wie beruflich. Im Prinzip ging es um dieselben Themen wie bei Michael: das brave Mädchen sein zu müssen, gegen meine Überzeugungen zu leben, in meinem wahren Ich nicht gesehen und angenommen zu werden.

 

Das Schicksal – es trifft uns ganz unterschiedlich, wie man an Michaels und meiner Geschichte sehen kann. Eines gleicht sich jedoch häufig: Dass wir erst dadurch tiefer blicken können und erkennen: Hoppala, wir verbiegen uns, leugnen unsere Werte, wir haben Angst, den Partner, den Job, unsere Existenz zu verlieren, nicht geliebt und anerkannt zu werden. Also fügen wir uns. Michael und ich definieren Schicksal inzwischen so: Es ist immer das, was wir selbst draus machen – auch unter widrigsten Umständen.

 

Du möchtest der Welt auch deine Geschichte erzählen und Spuren hinterlassen? Ich schreibe sie auf. Maile mir und wir besprechen deine Wünsche und die Möglichkeiten: mail@ulrikeparthen.de

 

 

© Fotos: Michael Hillmann: Michael Hillmann // Ulrike Parthen und Uhr: Rüdiger Lutz

 

 

 

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