Es kommt wieder mal nix Gescheites im TV. Rüdi und ich landen daher bei einer Reportage im NDR. Die erzählt eine Geschichte von Vater und Tochter. Soweit noch harmlos. Jedenfalls haben die beiden ein gemeinsames (sehr teures!) Hobby. Sie fahren Drag Races. Dafür geben sie ihr ganzes Geld aus, montieren des Nachts irgendein Getriebe in ein getuntes Auto, damit ihnen das am nächsten Tag beim Drag Racing ein paar Milligramm Adrenalin mehr als üblich durch die Adern jagt.

Es geht also gar nicht um die schnellen Autos, sondern um dieses Adrenalin. Vater und Tochter berichten unabhängig voneinander ausschließlich von ihrem Hormon und wie toll sie die stoßweise Großausschüttung finden.

Der Aussage kann ich mich nicht anschließen. Zu viel Adrenalin, puh, ist echt blöd. Als Angstpatientin gelange ich völlig ohne Drag Races in ähnliche Zustände. Selbst nach Jahrzehnten an Praxis-Erfahrung mit so viel Adrenalin kann ich mir dabei kein Glücksgefühl abringen. Ich brauche dazu übrigens keinen Raketentreibstoff, zu dem ich gleich komme.

Dank der Reportage bin ich nun also Drag Races-Insider. Es gibt 400-PS-Autos. Die schaffen die 400 Meter Rennstrecke in 8 Sekunden. Die Supercracks unter den Drag Races Fahrzeugen können darüber nur müde grinsen. Bescheidene 10.000 PS schlummern in diesen Geschossen, die aussehen wie von einem anderen Stern. Diese Autos sind so schnell, dass man als Fahrer das Adrenalin-Vergnügen beim Rennen leider nur 4 Sekunden genießen kann. Ein ziemlich kurzes Vergnügen für so einen Aufwand, wie ich finde. Benzin ist viel zu lahm, um das in der Zeit zu schaffen. Dazu braucht es waschechten Raketentreibstoff. Rüdi schaut mich mit weit aufgerissenen Augen an und kann es nicht fassen.

„Wie blöd muss man sein?“, gibt er seinem Entsetzen über das raketenmäßige Hobby lautstark Ausdruck. Sofort holt er das iPad herbei für eine wichtige Auskunft. Das will er jetzt genau wissen. Ich ehrlich gesagt auch. „Wie viel kostet Raketentreibstoff“, so seine Frage an Google. Wir erhalten eine Auswahl an Suchergebnissen. Eines davon fesselt Rüdis Blick. Dann fällt ihm vor Lachen schier das iPad aus der Hand. Er reicht mir glucksend die Google-Ergebnisse rüber. Eines davon lautet in der Überschrift: Raketentreibstoff: Höllenfeuer aus Darmbakterien.

Die Unterhaltung zwischen ihm und mir, nachdem er seinen Lachflash einigermaßen im Griff hat, gebe ich in ihren Einzelheiten lieber nicht preis. Wir malen uns schon in allen Facetten aus, wie viel wertvollen Treibstoff wir da in welcher Technik zu zweit wohl produzieren könnten. Momentan wissen wir nur noch nicht so genau, wo wir uns zur Lieferung anmelden sollen.

 

Du möchtest auch eine persönliche Geschichte geschrieben haben? Maile wir und wir besprechen die Möglichkeiten: uli@ulrikeparthen.de 

 

 

 

 

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