Rainer liebt das Kochen und seine Frau Rosi. Beides im Übrigen schon recht lange. Er ist inaktiver Sternekoch und aktiver Maggi-Gegner. Überhaupt findet er, dass industrielle Genussgüter unseren Gaumen völlig verkorksen – unseren Körper leider mit. „Natürliche Lebensmittel okay, aber es soll ja auch schmecken!“, argumentiert dabei so mancher. Als Antwort serviert Rainer einfach seine Kochkünste, mit denen er „lecker“ und „gesund“ vorzüglich miteinander verbindet.

Im Prinzip ist unser Körper ein schlaues Supergenie. Er zeigt uns ernährungstechnisch immer exakt, was er braucht. Dieser natürliche Mechanismus funktioniert allerdings immer weniger. Warum das so ist, erfährst du in diesem Artikel. Ein leckeres Rezept wartet natürlich auch noch auf dich.

 

Das Maggi-Trauma

Ständig an Mamas Rockzipfel zu hängen, klingt irgendwie nicht so gut. Im Falle von Rainer kriegt diese Formulierung jedoch einen neuen Sinn. Er hing bildlich gesehen ständig dran, wenn seine Mutter und Oma in der Küche standen. Die Küche war sein Lieblingsort, denn dort wurde gekocht: leckere Hausmannskost mit Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten.

Rainer wollte alles darüber wissen und das ging eben nur, wenn er den beiden Frauen nicht mehr von der Seite wich.

Thema Brühe kochen: Wie lecker! Zwei volle Tage köcheln Knochen und Co. vor sich hin. Rainer läuft schon das Wasser im Munde zusammen. Teller raus, Tisch gedeckt für die Familie, Suppentopf in die Mitte. Und dann kommt eines Tages sein Vater mit einer riesigen Maggi-Flasche daher und kippt das Zeug in die tolle Suppe!

Das Trauma nimmt somit seinen Lauf und bekommt sogleich neue Nahrung in anderer Form. Die leckere Milch vom Bauernhof nebenan? „Sorry, Rainer, die gibt’s nicht mehr. Wir nehmen ab sofort Tütenmilch aus dem Supermarkt.“ Und weil es dort inzwischen auch günstig Obstkonserven jeglicher Art zu kaufen gab, wurden die gleich mitgehortet. Warum noch mühevoll weiter Obst selbst einkochen?

Okay, die Konserve schmeckt im Vergleich dazu dürftig, macht aber immerhin keine Arbeit. Deckel auf und das Öbstchen verschnabbulieren. Einfacher geht’s nicht. Für Rainer kein wirklich handfestes Argument pro Konserve, denn natürlicher Geschmack geht für ihn über alles – schon damals, als er noch ein Knirps war.

 

Von unseren Geschmacksnerven und einem natürlichen Körpergefühl

Im Prinzip ist es recht einfach. Unser Körper weiß über hochkomplizierte Abläufe selbst am besten Bescheid. Fehlen ihm z.B. Vitamine, zeigt er uns das durch unstillbaren Appetit auf Obst oder Gemüse. Und wenn er grundsätzlich Nachschub an irgendwas äußert, haben wir schlicht Hunger. Ist er mit unseren Gaben so weit zufrieden, spüren wir wiederum deutliches Sättigungsgefühl.

Wenn man jedoch schon als Kind an die berühmten Schnitten aus dem Kühlschrank oder ans „Iss deinen Teller gefälligst leer“ gewöhnt wird, ruft der Körper recht schnell „SOS“. Er gerät total durcheinander und reagiert auf unser konfuses Verhalten ebenso konfus.

Ein Apfel wird dann als lasch anstatt als köstlich süß empfunden, weil die Geschmacksnerven vom vielen Zucker schon ganz irre sind. Und falls du mal wieder erleben willst, wie wunderbar eine simple Gurke schmeckt, hilft nur eines: Weg von dem Industriezeug und zurück zur naturbelassenen, ursprünglichen Ernährung.

Klingt erst mal schlimm, ist in der Praxis aber viel einfacher, als du glaubst. Ich (Uli / Autorin des Artikels) selbst kann das als ehemaliger Zuckerjunkey bestätigen. Vor einem Jahr sagte ich den Zuckermonstern nach Jahrzehnten täglichen Konsums adieu. Okay, die ersten paar Tage recht fiese Entzugserscheinungen. Mein Stoffwechsel drehte kurz am Rad, und das war nicht schön. Seitdem aber: herrlich!

 

Kompromisslos konsequent

Milch in Tüten? Dann trink ich lieber gar keine mehr! Rainer war schon immer kompromisslos konsequent. Wenn er von etwas überzeugt ist, zieht er das durch. Das verursacht seinem Steuerberater bei so mancher geschäftlichen Entscheidung leichte Stirnfalten, doch Rainer sieht das pragmatisch:

Geld ist nicht alles. Dann verdiene ich halt ein paar Euro weniger dran. Viel wichtiger sind liebe Menschen um mich herum, gegenseitige Wertschätzung und Respekt.

Seine Rosi ist einer dieser Menschen. Beide sind schon seit Teenagertagen ein Paar – haben zwei erwachsene Kinder und vier zauberhafte Enkel. Die letzten zehn Jahre sind sie in ihrer Liebe noch näher zusammengerückt, denn ihren 46. Geburtstag verbringt Rosi im Krankenhaus. Sie liegt nach einem Schlaganfall im Koma.

 

Mir doch egal!

Stichwort kompromisslos konsequent. Da ist es Rainer auch grundsätzlich egal, was andere denken. Rosi soll überall dabei sein. Und so ist sie im Sternelokal damals immer mit dabei – sitzt im Rollstuhl unter den Gästen, während Rainer liebevoll ihr Essen klein schnippelt und Gabel für Gabel zu Munde reicht.

Stufen? Verdammt, überall Stufen in dieser Welt. Ist ihnen vor Rosis Erkrankung nicht wirklich aufgefallen. Also schaffen sich die beiden mit einem kleinen Hotel direkt neben dem Restaurant ihre eigene rollstuhlgerechte Welt – für sich und ihre Gäste. Dazu noch eine Kochschule (die Genussschule) eröffnet und dem Sterne-Restaurant dafür adieu gesagt.

Rainer ist inzwischen happy mit sich, dem Leben und seinem Wirken, das sieht man ihm an. Und ab 2021 geht ein weiterer Traum in Erfüllung: Er übernimmt wieder sein ehemaliges Sterne-Restaurant und funktioniert es in Richtung bodenständig, noch regionaler und natürlicher um. Dazu ein kleines Ladengeschäft mit regionalen Produkten.

Auch wenn ich das alles selbst noch nicht live sehen konnte, fühle ich ein Kribbeln im Inneren. Ich tauche auch so schon komplett ab in Rainers und Rosis kleines Paradies für alle Sinne in Heinsberg-Randerath. Ari ist mir hier einen deutlichen Schritt voraus. Sie durfte Rainers Kochkünste, seine Leidenschaft für regional-natürliche Produkte und das Paradies schon mehrfach erleben: beispielsweise bei einem TV-Dreh und auch privat.

 

Respektvoller Umgang mit Lebensmitteln

Woher kommt das Lebensmittel, das da gerade auf meinem Teller liegt? Rainer findet es wichtig, hier einen guten Bezug zu haben. Er würde daher auch nie auf die Idee kommen, sich für den Grillabend mit Freunden sorglos mit einer Überdosis Billig-Fleisch aus dem Supermarkt einzudecken, um am Ende 5 übrig gebliebene Steaks achtlos in den Müll zu werfen.

Sein Vorschlag: Den Fleischkonsum einfach reduzieren und achtsamer damit umgehen. Wir essen sowieso viel zu viel Fleisch – das veranlasst unseren Körper und die Umwelt nicht gerade dazu, Jubelschreie auszustoßen.

Da ich im Matheunterricht früher eine Eins war, fällt mir als Schreiberin des Ganzen zudem noch das hier auf: Viel und billig ergibt in der Summe dasselbe wie weniger und dafür etwas teurer. Oder anders gesagt: „Weniger und etwas teurer“ kostet genauso viel wie „viel und billig“.

 

Zum praktischen Teil – Koch-Inspiration for you: natürlich, regional, lecker

Natürlich entlasse ich Rainer nicht aus diesem Interview, ohne ihm vorher noch ein Schmaggofatz-Rezept zu entlocken: Linsencurry mit Kartoffelpuffer. Klicke einfach auf das Foto und du erfährst die Einzelheiten.

 

 

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Alle Fotos dieses Beitrags: © Rainer Hensen

 

 

 

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