Ein Tag im Februar. Arschkalt. Direkt am Ortsschild.

Ein Tag im Februar. Arschkalt. Direkt am Ortsschild.

Das erste Rendezvous mit einem Mann ist immer spannend. Man weiß ja nie, wie der Abend enden wird: herzklopfend bezaubernd oder unfassbar ernüchternd. Besonders aufregend wird dieses Unterfangen, wenn es an einem ungewöhnlichen Ort stattfindet. Beispielsweise an einem Ortseingangsschild, so wie bei mir.

Leseprobe aus meinem Buch: Amor, er und ich

Nicht gerade idyllisch, aber verdammt praktisch! Das Ding steht schließlich mehrfach in jedem Ort herum. Wenn es einem also an Dating-Ideen mangelt, wäre so ein Ortsschild durchaus denkbar – kommt allerdings nur dann in Frage, wenn das männliche Gegenüber ein bisschen verrückt ist. Ein vorheriges Telefonat ist daher unbedingt ratsam, um die Lage diesbezüglich zu checken.

Wow, wie aufregend! Diese Stimme am anderen Ende der Leitung ist total entzückend. Wie man unschwer erkennen kann, mache ich gerade den wichtigen Telefon-Check. Der fällt ziemlich gut aus, der nächste Schritt in Form eines Treffens kann meinerseits also gerne folgen. Er fragt mich, wo wir uns treffen sollen. Das überfordert mich kurzzeitig und ich stammele Undefinierbares ins Telefon, um Zeit zu schinden. Ich bin aus der Übung. Das letzte Date liegt Lichtjahre zurück. Jede andere Frau hätte bei dieser Frage die einfachsten aller Antworten parat: beim Italiener, im Café oder Ähnliches. Ich komme leider nicht auf solche Lösungen, mir fällt spontan nur das Ortsschild ein. Wie gut, dass Rüdi genauso verrückt ist wie ich. So wird der Ortsschild-Treffpunkt irgendwie normal. Unser Telefonat an diesem schönen Donnerstagabend endet mit dem Vorhaben: Treffpunkt morgen 19 Uhr – Ortsschild beim Hallenbad meines Heimatortes.  Rüdi, die entzückende Stimme, legt dafür sagenhafte 120 Kilometer einfache Wegstrecke zurück. Alles nur wegen so einem Ortsschild. Vielleicht aber auch wegen mir.

Vier Liter Beruhigungskaffee

Nach vier Litern Beruhigungs-Kaffee und umfangreichem Schönheitsprogramm startet er in Richtung Ortsschild. Tja, da sitze ich nun: die Verrückte, kurz vor ihrem Ortsschild- Date. Ich sollte mir verdammt schnell eine gute Taktik überlegen, wie ich „diese eine Sache“ dem süßen Rüdi bloß beibringe. Am besten schonend. Oder lieber kreativ? Jedenfalls so, dass er das Ortsschild nicht gleich in panikartiger Flucht über den Haufen fährt. Aufgrund großen Zeitmangels habe ich wenig Spielraum hinsichtlich dieses Problems. Außerdem raubt mir die Klamottenfrage mindestens eine Stunde der verbleibend knappen Zeit. Wir Frauen haben einfach nichts anzuziehen! Jedenfalls nichts, das uns in dem Moment als passend erscheint.

Nach 3-maligem Umziehen gebe ich auf und belasse es bei Outfit Nummer drei. Damit bleiben mir gerade noch 25 Minuten für die verfluchte Taktik. Diese 25 Minuten wiederum verkürzen sich dank Rüdi unverhofft um weitere zehn Minuten. Der teilt mir um 18.50 Uhr per Handy mit, er sei nun eingetroffen und warte auf mich. Heiliger Strohsack. Die Erde bebt plötzlich so seltsam – mein Herz mit. Meine Finger zittern seit dieser Mitteilung bedenklich. Uli, ganz ruhig: einatmen, ausatmen. Meine Blase atmet auch ein bisschen. Es wäre also sehr klug, noch einmal die Toilette aufzusuchen. Wer weiß, wie lange ich da am Ortsschild ohne ausharren muss.

Vor lauter Fingerzittern bekomme ich kaum den Reißverschluss meiner Jeans zu.

Das kann ja heiter werden mit diesem Ortsschild-Date. Es geht los: Ich fahre aufgeregt Rüdi entgegen. Klappt ganz prima trotz dieser zittrigen Einschränkung. Aber was jucken mich schon ein paar zitternde Finger oder Hände, wo ich jetzt gleich dem Rüdi gegenüberstehen werde. Hoffentlich sieht der in real genauso süß aus wie auf den Bildern, denke ich mir insgeheim. Aber man weiß ja nie. Schon gar nicht bei einem Fotografen, dessen liebstes Spielzeug bekanntlich ein Bildbearbeitungsprogramm ist.

Kurz vor Abbiegen in Richtung Hallenbad fällt mir plötzlich wieder ein, dass ich immer noch keine Taktik zurechtgelegt habe. Dabei wird es wohl auch bleiben, denn meine Ampel schaltet in dieser Sekunde auf Grün. Ich biege rechts ab und sehe nach 100 Metern ein verdächtiges Auto mit Crailsheimer Kennzeichen am Parkplatz stehen. Und dann trifft mich der Blitz. Ach was, ein ganzes Blitzgewitter prasselt in 0,4 Sekunden auf mich ein.

First date -die große Liebe finden für eine glückliche Partnerschaft

Hallo, Amor!

Locker und cool lehnt er da am Auto und ich schwöre: Er ist in Natura sogar hundertmal süßer als auf den Fotos. Ich vergesse vor lauter Aufregung, meine zitternden Hände in die Manteltasche zu stecken. Ich vergesse, dass es affenkalt ist und ich vergesse, dass ich so ganz ohne Taktik demnächst ein großes Problem haben werde: dann nämlich, wenn mir diese Tatsache nach vorübergezogenem Blitzgewitter wieder einfällt.

Hallo Amor, grüß dich. Schön, dass du auch wieder da bist. Amor lächelt und packt gleich noch ein paar Pfeile aus, um sie in Richtung meines Herzens zu richten. Warum zum Henker, ist der Rüdi denn nur so verdammt ruhig? Ich Amor-geplagt dagegen kriege weder ein vernünftiges Wort über meine Lippen noch eine gelassene Geste zustande! Ach so, der tut nur so. In ihm drin sieht es ähnlich aus wie bei mir, doch vier Liter Kaffee tun eben ihr Werk. Bei ihm tun sie das in der Form, dass er nach außen tiefste Ruhe ausstrahlt, während innerlich mindestens schon genauso viele Pfeile in seinem Herzchen stecken und den Rüdi ganz konfus machen. Leider merke ich von der Aufregung dank Kaffee-Orgie nichts, was ihm eindeutige Vorteile beschert: sich beispielsweise köstlich über meine nicht versteckbare Aufregung zu amüsieren.

Was Amor sich noch Verrücktes hat einfallen lassen in der Zusammenführung seiner beiden Schäfchen, kannst du in meinem Buch lesen:

Ein Tag im Februar. Arschkalt. Direkt am Ortsschild.

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