SOS - Wo ist hier bitte die Notaufnahme?

SOS – Wo ist hier bitte die Notaufnahme?

Irgendwelche Aufzüge rauf, Gänge runter, dort wieder mit anderen Aufzügen rauf oder runter. Wir verlaufen uns mehrfach. Rüdi flucht, ich heule. Sorry, das muss jetzt einfach sein. Und das war noch lang nicht alles …

Kleines Problemchen: Aua am Fuß. Klingt erst mal nicht ganz so dramatisch, daher nehm ich das anfangs kaum ernst.

Samstagnacht: Ich kann nicht schlafen vor Schmerzen. Knöchel dicke angeschwollen.

Sonntagnacht: Immer noch Schmerzen, kann erneut nicht schlafen geschweige denn laufen. Und ich habe keine Ahnung, warum. Weder irgendwo gestoßen noch umgeknickt.

 „Wir fahren in die Notaufnahme!“, bestimmt Rüdi kurzerhand, und das will was heißen. Da ich viel zu belämmert bin vor Schlafentzug und Schmerzen, schnappe ich wie in Trance meine Handtasche.

Dann kommen schon neue Probleme auf mich zu: Wie passe ich mit dem Knöchel in den Schuh und wie gelange ich ins Auto? Irgendwie schaffe ich beides.

Kurz vor Mitternacht, wir stehen vor der Schranke des Krankenhauses. Rüdi klingelt. „Hallo, ich hab hier einen Notfall!“, so seine Worte. Wir warten, dass sich die Schranke öffnet, doch den Gefallen tut sie uns nicht.

„Fahren Sie bitte ins Parkhaus, wir haben hier oben keine Parkplätze für Notfälle!“

Rüdi guckt entsetzt zu mir und ich noch viel entsetzter zu ihm zurück.

Rüdi fährt also ins Parkhaus, das ungefähr eine Million Kilometer vom Eingang entfernt liegt. In meiner Verfassung schier unerreichbar. Das ist dem Krankenhaus aber so was von schnurz.

Nach einem Humpelmarathon kommen wir am Eingang an. Keine einzige Sitzgelegenheit dort. Ich kann nicht mehr vor lauter Notfall, außerdem ist mir übel, mein Kreislauf sackt langsam weg.

Die Dame an der Info interessiert das wenig. Sie drückt dem Rüdi eine Wegbeschreibung zur Notaufnahme in die Hand, während ich am Eingang an der Wand lehne und schier aus den Latschen kippe.

Oben in Station sowieso gäbe es Rollstühle. Rüdi guckt sie fragend an. Das ist jetzt nicht ihr Ernst? Da kommt zufällig ein Pfleger daher, der so nett ist, das Rollstühlchen herbeizuschaffen, auch wenn das sehr lange dauert.

Und dann finde des Nachts mal alleine diese blöde Notaufnahme!

Rüdi versucht den Plan zu verstehen. Rüdi ist Weltmeister im Pläne verstehen, doch der hier ist echt verwirrend. Irgendwelche Aufzüge rauf, Gänge runter, dort wieder mit anderen Aufzügen rauf oder runter. Wir verlaufen uns mehrfach. Rüdi flucht, ich heule. Sorry, das muss jetzt einfach sein.

Juhu, nach 20 Minuten Irrwegen kommt der Notfall völlig erschöpft an der Notaufnahme an. Die Schwester wird pampig. Tschuldigung, dass ich ein Notfall bin. Ich müsste bitte mal aufs Klo. Rüdi inspiziert die Notaufnahme, um das Klo zu finden und kriegt deswegen gleich die nächste Rüge ab. Tschuldigung, dass dieser Notfall auch noch aufs Örtchen muss.

Ein Arzt gibt uns die Ehre, der zur Abwechslung sehr freundlich ist. Er guckt sich die Sache kurz an und tippt sofort auf Rheuma. Ich falle fast in Ohnmacht vor Schreck. Nebenbei erzähle ich ihm zum zweiten Mal die Story von diesem Waldspaziergang. Der Weg war ziemlich uneben und holprig. Vielleicht da was überreizt, ohne es zu merken? „Kann gar nicht sein!“, ist er felsenfest überzeugt.

„Es gibt exakt zwei Möglichkeiten für Ihr Problem: Rheuma oder Sehnenentzündung. Letztes haben nur Sportler. Also haben Sie wohl Rheuma.“

Wir sollen zum Röntgen, das woanders stattfindet. Und natürlich müssen wir die Röntgenabteilung auch wieder alleine finden.

„Die Röntgenbilder sehen super aus. Ist daher sicher Rheuma, gehen Sie morgen zum Hausarzt, der alles Weitere einleiten wird!“ Ich im Schockzustand.

Damit bin ich entlassen. Mit sehr viel Rheuma-Sorgen und einem Knöchel, der jetzt noch mehr weh tut als vorher. Der Notaufnahme sei Dank.  

Zwei Uhr nachts, wir finden den Ausgang nicht mehr und laufen sechsmal im Kreis.

Der Aufzug indes ist so eng, dass der Rüdi und ich im Rollstuhl gemeinsam darin kaum Platz finden. Aua, ich stoße mit dem Fuß vorne an der Fahrstuhlwand an – auch noch mit dem verletzten.

Rüdi flucht inzwischen sehr laut. Hört aber ja niemand, da keine Sau hier unterwegs ist, um einem Notfall wie mir zu helfen. Irgendwann finden wir den Ausgang in dieser Nacht noch und treten den Heimweg an. Womit ich schon elegant zu meinem Rheuma überleiten kann: Ich habe keines, sondern eine fette Sehnenentzündung. Und die braucht nur eines: sehr viel Ruhe, einen Stützverband und Traumeel-Salbe.

Nach fünf Tagen springe ich schon wieder wie ein junges Reh durch die Gegend. Komplett schmerzfrei und mit der Erfahrung, dass die hiesige Notaufnahme eine vollkommene Fehlkonstruktion ist.

Liebe Verantwortlichen: Vielleicht das mal so planen, dass man Notfall die Chance hat, überhaupt dorthin zu gelangen. Danke! Und ein paar Stühle und Rollis am Eingang wären nicht schlecht.

1 Kommentar zu „SOS – Wo ist hier bitte die Notaufnahme?“

  1. Immer wieder höre ich solch gruseligen Dinge aus Krankenhäusern. Warum? Ist es, weil die Patienten als störend empfunden werden oder weil unser Gesundheitssystem nicht mehr auf Kranke ausgerichtet ist, sondern auf Gewinnmaximierung. Verstehe einer die Welt.

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