Morgens am See. Hilfe, er ist nackt!

Morgens am See. Hilfe, er ist nackt!

Frühmorgens am See. Herr Fotograf, ich und ein paar Enten. Anfangs läuft alles prima, bis dieser Herr am anderen Steg auftaucht …

Leseprobe aus meinem eBook „Es ist nicht so, wie es aussieht“:

Grundsätzlich trage ich Brille. Ich sehe sonst nichts. Nur beim Shooten, da stört das Teil. Daher habe ich meine Brille dabei fast nie auf. Ist an diesem Tag sehr von Vorteil, damit ich mir diese nackte Tatsache nicht mit angucken muss.

Wir haben es wieder eilig und Rüdi ist schuld. Er hat vergessen den Wecker zu stellen. Meine innere Uhr rettet mich halbwegs. Die weckt mich um 5.10 Uhr am Sonntag früh. Blankes Entsetzen, denn es wird schon langsam hell. Heute wollten wir bei „langsam hell“ bereits zum Shooting am Starkholzbacher See sein. Das muss unbedingt passieren, bevor die Sonne ums Eck schielt. Und auch, weil ich kaum die ganzen Menschenmassen vom Steg schubsen kann, den ich als Rüdis Model kurzzeitig für mich allein brauche.

Ich wecke zuerst meinen Fotografen. Stürze dann ins Bad. Haare waschen ist nicht, keine Zeit. Einmal durchbürsten und mit Haarspray geschickt hinbäbben muss reichen. 5 Minuten für Katzenwäsche und 5 Minuten fürs Schminken. Rekordverdächtig. Es wird immer heller. Ich breche in Panik aus, da ich schon schlimmste See-Überfüllung befürchte. Während ich zwei Honigbrote verdrücke, packt Rüdi seinen Foto-Rucksack. Zwei Fotoapparate und fünf Objektive später wiegt das Ding um die 20 Kilo. Wir fahren los bei inzwischen „nahezu vollständig hell“.

Mir ist ein bissel schlecht vor lauter Kreislauf. Drückende Schwüle, Hektik und sehr früher Sonntagmorgen passen einfach nicht zusammen. Erleichtert stelle ich fest: Parkplatz beim See leer. Hurra! Um zum See zu gelangen, müssen wir ein Stück laufen. Rüdi stöhnt wegen seines schweren Rucksacks. Ich wegen der Hektik. Schnell zum See, Rüüüüüddi! Dort begrüßen uns ein paar Enten. Komische Gattung. Die sehen ganz anders aus als die, die ich sonst kenne. Denen fehlt rein optisch ein Stück vom Hinterleib und wirken daher wie abgeschnitten. Sie beobachten uns äußerst interessiert. Ich hätte so gern eine süße Ente mit auf dem Bild und versuche, die Viecher putt-putt anzulocken. Dann geht’s auch schon los.

Zuerst darf ich wieder Schaufensterbummel-mäßig über den Steg laufen. Hin und zurück. Mein heutiges Kleid bewirkt dabei das „Mädchen-Phänomen“. Geht so: Egal, wie alt eine Frau ist. Wenn sie eine bestimmte Art von Kleid trägt, entsteht dieses Phänomen. Man fasst sich das Kleid auf Höhe der Oberschenkel an, hält es ein Stück hoch und wippt wie ein Mädchen fasziniert die Hüften von links nach rechts. Weil der Stoff untenrum dann so schön hin- und herbaumelt. Mein Kleid heute wippt total toll. Liegt an dem hohen Beinausschnitt. Meinem Fotografen gefällt das, da er nun weniger Anweisungen geben muss.

Morgens am See. Hilfe, er ist nackt!

Gegen 6.30 Uhr betritt ein Herr die Showbühne

Er läuft zum anderen Steg, der ca. 50 Meter von dem unseren entfernt liegt. Aha, ein Frühschwimmer. Ich achte nicht mehr weiter auf ihn, da er ja nicht meinen Steg blockieren will, sondern sich seinen eigenen gesucht hat. Bis mir Rüdi komische Blicke zuwirft. Die erkenne ich auch ohne Brille. Dass der Herr zwei Minuten später völlig nackend auf dem Steg steht und ins Wasser hüpft, muss ich dank meiner Sehschwäche nicht mit angucken. Rüdi berichtet mir dieses Ereignis brühwarm. Wie jeder weiß, ist meine Phantasie mehr ausgeprägt als bei anderen Menschen. Kurzzeitig schwirren mit die dollsten Szenen im Kopf rum. Was da wohl alles im See schwimmt und sich vielleicht im schwimmenden Ding des Herrn verheddern könnte.

Just bei diesem Gedanken weist mein Fotograf mich an, mich hinzusetzen und meine Füße in den See zu tauchen. Perfektes Timing. Ich tue, was er sagt. Aber nur, weil der nackende Herr bereits gute 100 Meter weit von mir weggeschwommen ist.

Um 6.50 Uhr treten wir den Rückzug an

Zum einen, da die Sonne langsam über den Baumwipfeln erscheint. Sonne geht gar nicht, das produziert hässliche Schlagschatten im Gesicht. So was will keine keine Frau von sich angucken müssen. Mein Fotograf auf seinen Bildern erst recht nicht.

Der Herr hat den See inzwischen einmal umkreist und nähert sich meinem Standort gefährlich nah, als er in Richtung seines Ursprungsorts zurückschwimmt. Anstandshalber rufe ich schnell „Guten Morgen“ rüber und beeile mich dann sehr, hier wegzukommen. Habe wieder meine Brille auf der Nase, während Mister Nackedei nur noch 7 läppische Meter von seinem Steg, Handtuch und Höschen trennen. Rüdi, nix wie weg hier!

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