Manuela ist hochsensitiv und gleichzeitig Rampensau. Sie liebt es Gedichte zu schreiben, aber auch knallhart Vertrieb zu machen. Und während sie früher noch dachte „Verdammt, in mir können doch keine zwei gegensätzlichen Herzen schlagen“, hat sie die Quintessenz daraus heute verstanden: Für die innere Balance und Gesundheit wollen alle Anteile in einem Menschen im Außen auch gelebt werden.

Wofür sie sich in der Vergangenheit schämte, ist im Grunde ihre größte Stärke. Denn wenn sie beispielsweise mit Kunden für eine würdevolle Führungskunst zugange ist, berührt sie die Seele der anderen sofort. Sie drückt das in ihren Worten so aus: „Man kann sich einfach nicht gegen mich wehren!“, und lacht dabei. Ich weiß genau, was sie meint! Bereits in den ersten Sekunden unseres Interviews erliege ich ihrem Bann …

 

Ein Kindergeburtstag vor 45 Jahren

Eltern wissen, was ein Kindergeburtstag bedeutet: Der Lärmpegel nonstop unausweichlich hoch, ein ständiges Herumgerenne, Gehüpfe und eine Menge Action. Und weil Kids genau das besonders toll finden, sitzen die Erwachsenen am Ende eines solches Ereignisses ermattet auf dem Sofa, während sich der Energielevel ihrer Sprösslinge immer noch auf knapp 100 Prozent hält.

Außer bei Manuela, da war das als Kind ganz anders. Diesen Stress und die Lautstärke fand sie doof. Daher saß sie bei Kindergeburtstagen meist am Rande des Geschehens auf einem Stuhl – mit einer Miene wie bei drei Monaten Dauerregen. Ihr einziger Gedanke: „Was mache ich hier eigentlich? Ich will da weg!“ Im Kindergarten eine ähnliche Situation. Die permanente Aufforderung an sie: „Manuela, nun komm doch und mach mit!“

Auf der anderen Seite konnte sie aber auch anders. Total aufdrehen und an vorderster Front als Indianerhäuptling an Fasching alle anderen Kids mit ihren imaginären Szenarien mitreißen. „Ich bin irgendwie anders!“, dachte sie sich oft und vermutete, dass sie eine Außerirdische sei. Das kommt ihr zwar auch heute noch manchmal so vor. Doch im Grunde sind wir in unserem Wesen ja alle gelegentlich ein klein wenig außerirdisch.

 

Anpassung und Rückzug

Sich selbst zu verlieren bei einer Sache oder sogar im ganzen Leben. Kennst du? Manuela auch! Und das rührt daher, da sich manche Wesenszüge oder innere Haltung in der Gesellschaft einfach nicht schicken. Man soll soundso sein, wird unausgesprochen gefordert, und sich entsprechend verhalten – beruflich oder privat. Da jedoch kein Mensch von Natur aus in die auferlegten allgemeinen Normen zu pressen ist, hilft nur eines: Anpassung! Als kurzzeitige Strategie mag man damit vielleicht klarkommen. Langfristig macht das allerdings unglücklich und krank.

Manuela passte sich grundsätzlich an. Schon damals als knapp Siebenjährige, als ihre Stiefschwester geboren wurde und ihre Mutter ihr die Tatsache verkaufte, dass sie sich selbst nicht gleichzeitig um das Geschwisterchen und den Haushalt nebst Einkauf kümmern könne. Also übernahm eben Manuela die Hausfrauenrolle – so gut sie konnte.

Oder auch später im Job. Besonders erinnert sie sich da an eine Phase Mitte zwanzig, als ihre Rampensau-Züge positiv für Furore sorgten. Wow, Manuela blühte auf und erreichte viel. Das brachte sie auf der Karriereleiter ziemlich schnell nach oben. Bis eine Vorgesetzte auf die Idee kam, sie noch für andere Belange im Unternehmen einzusetzen. Dabei blieb ihre sensitive Seite völlig auf der Strecke. Der Flow verebbte und alle wunderten sich, warum die einstigen Highlevel-Ergebnisse ausblieben. Sie begriff erneut schmerzlich: „Verdammt, ich bin anders als meine Kolleginnen und Kollegen!“

 

„Sowohl … als auch“ statt „Entweder … oder“

Der berühmte Drahtseilakt zwischen innen und außen, zwischen Beruf und Privatleben. Damit er alltäglich gelingt, verbiegen wir uns recht oft. Das spürt Manuela ganz extrem, wenn sie in Unternehmen gerufen wird. Mitarbeiter sollen wie am Schnürchen funktionieren – für den Menschen dahinter interessiert sich selten jemand. Manchmal aus Hilflosigkeit, manchmal leider auch aus reiner Gewinnmaximierung.

Und da kommt Manuela mit ihrem Ansatz des würdevollen Führens ins Spiel. Teils beäugt man sie zu Anfang argwöhnisch, wenn ein Team dazu „verdonnert“ wurde, beispielweise an einem Kommunikations-Coaching bei ihr teilzunehmen.

Die Gedanken der meist gestandenen Männer sind offensichtlich: „Welche Story vom Pferd will uns dieses Großstadt-Püppi wohl erzählen?!“ Bei Coaching-Start sitzen die Teilnehmer mit entsprechend versteinerter Miene da. Am Ende tobt der Bär, alle lachen und signalisieren pure Dankbarkeit: „Endlich jemand, der sich für uns persönlich interessiert hat, anstatt uns erklären zu wollen, wie wir unsere Arbeit zu machen haben!“

Genau darum geht es Manuela – ihr eigenes Leben betreffend, aber auch im unternehmerischen Kontext. Menschen wollen gesehen werden. In allem, was sie ausmacht. Echtes Interesse und eben kein „Entweder … oder“, denn ein „Sowohl … als auch“ bringt allen doch sehr viel mehr: dem Einzelnen selbst, dem Unternehmen und letztlich auch der Gesellschaft.

Genau hinschauen hilft!

Hast du schon mal genauer hingeschaut? Hinter die Fassade eines Menschen geblickt? Am spannendsten ist es übrigens, wenn du dich das zunächst bei dir selbst traust. Und das klingt einfacher, als es ist. Weil: Es könnten dir dabei ein paar Emotionen begegnen, die wir alle gern weit von uns wegschieben, da sie mitunter einige konsequente Entscheidungen im Alltag erfordern.

Manuela erging das ähnlich. Im Rahmen ihrer Ausbildungen zum Coach schon mit Selbsterfahrung vertraut, fing sie dann vor gut zehn Jahren noch mal genauer, ihr Inneres zu inspizieren – also dem „Anderssein“ auf die Spur zu kommen und damit auch ihrer Anpassungsstrategie, die im Außen zwar bestens funktionierte, in Seele und Körper jedoch deutliche Spuren hinterlassen hatte:

 

„Ja, ich liebe diese knallharte Business-Welt. Wenn ich meinen Herzensjob allerdings weiter ausüben will, muss ich mich dazu selbstständig machen!“

 

Und da war sie endlich wieder: „Hallo, Fräulein Rampensau. Schön, dass es dich auch noch gibt.“ Angst? Hatte sie im Moment der Entscheidung keine, sondern handelte gemäß dem Motto „einfach mal machen“. Und schon blühte ihr Inneres deutlich auf. Die Trennung von ihrem damaligen Mann wenige Monate später bedeutete dann zwar eine erneute knallharte Lebensprobe. Doch irgendwie schaffte sie es – alleine mit zwei kleinen Kindern und ihrem neu gegründeten Unternehmen, wenn auch mit ein paar schmerzhaften Blessuren.

Am Ende unseres Interviews bringt sie unser aller simple Sehnsucht mit folgenden Worten auf den Punkt:

 

„Wir wollen doch alle glücklich sein!“

 

Gelingen wird uns das laut Manuela dadurch, dass wir hartnäckig bei unserer inneren Ausrichtung bleiben, bei Zweifeln also nicht umfallen und uns erneut verbiegen. Sie selbst lässt inzwischen allen ihren inneren Anteilen (und seien sie noch so gegensätzlich) freien Lauf. Außerdem geht sie regelmäßig Dingen nach, die ihr Freude bereiten: draußen zu sein in der Natur beispielsweise, die Stille und Verbundenheit mit Mutter Erde fühlen. Eine ebensolche tiefe Verbundenheit fühlt sie beim Schreiben. Sie zapft dabei irgendeine unbekannte Quelle an, und das was raus will, findet dabei seinen Ausgang: in Form von Gedichten oder kurzen Geschichten.

Ihrem „Anderssein“ entsprechend liebt sie natürlich auch alles, was nicht mainstream ist – ganz besonders im Bereich der Kunst: von verrücktem Tanztheater bis zu höchst kreativen Installationen. Vor allem aber mag sie Menschen, und das fühlst du als ihr Gegenüber auch sofort.

 

 

 

Du möchtest deine Lebensgeschichte auch geschrieben haben? Maile mir und wir besprechen deine Wünsche und die Möglichkeiten: mail@ulrikeparthen.de

 

Alle Fotos dieses Artikels: ©Manuela Dobrileit

 

 

 

Abonniere meinen Newsletter und bleibe damit immer auf dem Laufenden: