Der Algorithmus ist ein Schlawiner. Im Prinzip ist er ja schuld am Jagen und Sammeln, zumindest zum Teil. Auf LinkedIn beispielsweise brauchst du viele Kontakte, sonst ist dir der Algo leider wenig wohl gesonnen. Also werde ich eine Zeit lang auch zur Sammlerin, als ich mich mit LinkedIn anfreunde.

Hoppala, dreifachen Grund zur Freude. Nach einigen Wochen bin ich dadurch in der Gunst dieses Netzwerks deutlich gestiegen. Ich kriege nun auch jeden Tag Kontaktanfragen, was recht bequem ist, dann muss ich weniger stellen. Die Leute interessieren sich für mich natürlich genauso wenig, da sie das alles ja auch wegen dem Algo machen. So beruht es wenigstens auf Gegenseitigkeit, auch wenn viele das Gegenteil behaupten. Sorry, glaub ich kein Wort davon.

Die Folge: Meine Timeline ist prallvoll von Dingen, die mich nicht interessieren. Das beruht vermutlich erneut auf Gegenseitigkeit. Da darf man jetzt nicht so empfindlich sein.

Damit kommt recht schnell ein großes Problemchen auf: Laut Experten und wegen dem „ich trau mich das Wort kaum mehr auszusprechen“ soll ich bei den anderen ja unbedingt fleißig liken und kommentieren. Jetzt mach das mal, wenn die Inhalte so bahnbrechend uninteressant für dich sind wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt.

 

Von so einem Algorithmus lasse ich mir ungern was vorschreiben, also mache ich mich auf LinkedIn immer rarer.

Ab und an veröffentliche ich selbst zwar noch Inhalte, ehrlicherweise aber recht halbherzig.

Jeden Tag trudeln weiter kräftig Kontaktanfragen bei mir ein. Wie üblich auf LinkedIn die meisten ohne Text. Viele davon ignoriere ich inzwischen. Und bei denen, die ich bestätige, tanze ich gelegentlich sogar aus der Reihe, denn ich schreibe den User nach Bestätigen an. Hilfe, da schreibt eine?!? Das war beim Jagen und Sammeln so aber nicht vorgesehen.

Ich frage entweder, wie er/sie denn auf mich kommt. Darauf gehen recht lustige Antworten ein. Will ja niemand zugeben, um was es wirklich geht.

Oder ich frage, ob Storytelling für sein/ihr Unternehmen aktuell denn interessant sei, da er/sie mich kontakte habe. Au weia, damit bringe ich die User in echte Bedrängnis und das „Um den heißen Brei reden“ ist fast schon peinlich.

Da das alles überhaupt nicht zu meinen Werten passt, steige ich aus dem Wahn aus. Ich lösche gut 1.000 Kontakte und bin noch nicht ganz fertig damit. Damit falle ich erheblich in Algo-Ungnade, ist mir aber so was von egal.

Jedenfalls frage ich jetzt nur noch Menschen an, die mich wirklich interessieren – bei denen es eine sinnvolle Überschneidung gibt oder mich die Persönlichkeit an sich einfach neugierig macht. Und bei denen ich mich vor allem freue, wenn ich auf meiner Timeline Inhalte von ihnen vorfinde. So soll’s doch sein, oder nicht? Stichwort ehrliches Interesse und seinen Werten treu bleiben.

Meine Kernwerte sind übrigens Freiheit, Ehrlichkeit, Begeisterung, Humor – und jetzt weißt du auch, warum Social Media-Präsenz nach Richtlinien des Algorithmus für mich überhaupt nicht geht.

 

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