Wir suchen für ein Shooting sehr spezielle Schminkutensilien. Da ich keine Ahnung habe und Rüdi noch viel weniger, lassen wir uns beraten. Am Ende habe ich ein winziges Häuflein Zeugs an der Kasse liegen für knapp 80 Euro. Damit habe ich den ersten Schock hinter mir. Leider nicht den letzten.

Zu Hause probiere ich alles sofort aus. Ich sehe aus wie Graf Dracula. „Rüdi, dieser bekloppte Lidschatten lässt sich gar nicht verwischen“, rufe ich empört. Klebt bombenwischfest wie Edding auf meinen Augenlidern. Ein grausames Bild.

Panisch kippe ich meinen neu erstandenen Augen-Make-up-Entferner auf ein Wattepad und schicke mehrere Stoßgebete gen Himmel. Wer auch immer da im Himmel sitzt, bitte mache, dass das Zeug wieder von meinen Augen verschwindet. Juhu, es klappt! Könnte natürlich auch an dem Entferner liegen. Wohl einer der starken Sorte – brennt wie Feuer. Statt wie Dracula sehe ich nun halt aus wie nach einer Liebeskummer-verheulten Nacht: alles feuerrot rund um meine Augen.

Am nächsten Tag stehen wir im Drogerie-Discounter und wollen unser Vorhaben retten: das geplante Shooting am Wochenende. Mangelnde Kenntnisse auf dem Gebiet der Schminktechnik begleiten uns erneut. Daher reicht mir Rüdi freudig eine Palette Lidschatten rüber und denkt, er habe endlich das Rouge gefunden, das ich verzweifelt suche.

Wir verbringen fast eine Stunde in diesem Markt. Zur Kasse begleitet uns außer Erschöpfung auch neue Hoffnung und wunderbar viele Schminksachen.

Voller Euphorie gehen wir einen weiteren Tag später ans Werk. Rüdi baut selig das Wohnzimmer um. Klemmt dazu die schwarze Leinwand an unserem Gardinenseil fest. Sehr stabil, das Ding! Zusätzlich bastelt er rechts und links davon mit diversen Haken, Schnüren und Reißnägeln eine seitliche Befestigungsmöglichkeit für weitere Leinwand. Es wird sehr dunkel in unserem Wohnzimmer, obwohl es draußen taghell ist.

Von alledem kriege ich erst mal nix mit, da ich es jetzt bezüglich Schminken wuppen muss. Ich wünsche mir sehnlichst eine Schmink-Fachkraft herbei, die das viel besser kann als ich. Irgendwie schaffe ich es trotzdem und stelle am Ende fest: Juhu, kein Graf Dracula, der mich im Spiegel anschaut. Wenig verwunderlich, schließlich habe dieses Mal die Billigware aus dem Discounter benutzt statt das wenig brauchbare Firstclass-Angebot. Die spätere Verwandlung der farbigen Fotos in Schwarz-Weiß-Aufnahmen tun zusätzlich das ihre, das jetzt eine vortrefflich geschminkte Frau von den Bildern guckt.

Diese Geschichte lässt mir ein neues poetisches Kalendersprüchlein entlocken: „Nicht die perfekte Lösung ist das Ziel, sondern die, die am Ende die Lösung als perfekt erscheinen lässt.“

 

Du möchtest auch eine persönliche Geschichte geschrieben haben? Maile wir und wir besprechen die Möglichkeiten: uli@ulrikeparthen.de 

 

 

 

 

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