Als Mutter der Braut sind zwei Dinge Fakt, wenn du deine Tochter bei der Hochzeit in den Hafen der Ehe geleitest: Haufenweise Tränen und eine Überraschungsgeschichte – zuletzt Genanntes jedenfalls dann, wenn die Mutter der schreibenden Zunft angehört. Ohne eigene Story kommen Tochter und Schwiegersohn da nicht aus der Nummer raus.

Daher ist schon Monate vor dem Termin im Juni 2018 eine geheime Kommandosache im Gange, denn die Braut darf’s nicht wissen, der Bräutigam natürlich auch nicht: Ich telefoniere heimlich mit sämtlicher Verwandtschaft und Freunden, um mir den nötigen Input in Form von Anekdoten erzählen zu lassen. Gemeinsam mit meinen eigenen bekannten Anekdoten ergibt das im besagten Fall nachfolgende Überraschungsgeschichte. Beide bekommen diese bei der Feier nicht nur überreicht, sondern von mir höchstpersönlich vorgelesen (Taschentücher, bitte!):

 

Er liest sich seine Bestellung noch mal ganz genau durch. Keinesfalls will er riskieren, dass etwas Falsches geliefert wird:

 

„Eine Tonne Herzklopfen, bitte. Wenn möglich, schnell.“

 

Okay, alles richtig formuliert, also ab damit zu Amor. Der führt den Auftrag prompt aus und packt als kleine Dreingabe gleich noch eine Überdosis Pink mit ein.

 

Mit pinken Angelegenheiten kann Thomas so gar nix anfangen. Das gab es früher in Leipzig nicht. Auch keine Bananen, daher war er als kleiner Steppke ja auch so aufgeregt, als überraschenderweise doch mal diese krummen gelben Dinger auf dem Tisch lagen. Ähnlich erging es ihm, als er im Sommer 2015 sein Schlafzimmer betrat. Ne, keine Bananen, dafür schöne rosa Bettwäsche. Susi ist schlau. So sind wir Frauen. Daher gewöhnte sie Thomas häppchenweise an ihre Lieblingsfarbe. Rosa ist die Vorstufe dazu. „Wie jetzt?“, fragt Thomas wie gewohnt. Das will er nun schon genau wissen. Wie immer. Selbst glasklare Tatsachen müssen für ihn grundsätzlich abschließend neu geklärt werden. Zu 100 %! Seine Freunde können davon ein Lied singen. Susi ebenso, dabei ist es in diesem Fall ja furchtbar einfach:

 

Pink ist Pink und Rosa irgendwie auch.

 

Zurück zum Anfang. Als die gewünschte Lieferung Herzklopfen bei Thomas eintraf: Insider behaupten, dass Thomas die gar nicht hätte bei Amor aufgeben müssen. Sein Herz klopfte monatelang schon wie verrückt. So lange gehörte Susi bereits derselben Clique an – leider auch dem falschen Mann, wobei diese Bezeichnung massiv übertrieben ist. Susi war also mit diesem Teenager-Burschen in der Clique zusammen. Thomas nahm diese Tatsache erst mal gelassen. Pah, das ist doch keine Konkurrenz für einen gestandenen Mann wie ihn. Und so kam, was kommen musste: Bald schon hatte es sich ausgeliebt bei den beiden Teenagern, bei denen sich die Sache mit dem Herzklopfen in etwa so schnell ändert wie das Wetter. Das Schicksal war also nicht mehr aufzuhalten. Allen Widrigkeiten zum Trotz, denn so mancher beäugte die neue Verbindung des 16-jährigen Kükens mit dem 28-jährigen Mann äußerst kritisch.

„Der ist so süß“, hörte die Mutti des Kükens seinerzeit ständig.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Süß ist gar kein Ausdruck, daher muss Susi ihrem Thomas auch ständig am Kinn rumknubbeln. Er verdreht dabei genervt die Augen. Je mehr, desto intensiver geht die Knubbelei weiter. Man nennt dies auch Necken … oder halt Liebe. Susi neckt besonders gern. Eine Art Wettstreit zwischen den beiden gemäß dem Motto: Wer hat den längeren Atem?

 

Dieser Wettstreit führt sich in anderer Weise auch im häuslichen Umfeld fort. Dort wetteifern sie um den spärlichen Platz ihres kleinen Liebesnestes. Susis Millionen von Schmink-Utensilien und Deko-Kram oder Thomas‘ Comic-Sammlung – wer kriegt den letzten Zentimeter?

 

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass bei derlei Aktionen meistens wir Frauen gewinnen. Deswegen ist ja auch die Bettwäsche inzwischen rosa. Eine Sensation, wenn man bedenkt, dass Thomas alles im Leben stets im Griff haben will. Kann er mit Susi an seiner Seite echt vergessen. Er probiert’s trotzdem immer wieder. Beispielsweise mit seiner heiß geliebten Freeway Cola.

Die muss es sein und keine andere. Bezüglich dieses furchtbaren Getränks zeigt sich Susi großzügig. So lange sie weiter neues Schminkzeug in die Wohnung schleppen darf. Für Männer kaum zu verstehen. Dabei machen wir uns Frauen für wen hübsch? Für euch natürlich! Mit einer der Gründe, warum Susi schon ein ¾ Jahr vor Hochzeitstermin den gesamten youtube-Kanal nach Schminktipps durchforstete. Wie schminkt man sich zur Trauung, damit der Zukünftige in Ohnmacht fällt vor Entzückung? Sie probierte alles, kaufte alles, machte alles nach. Auch wenn feststand, dass sie für diesen Termin eine Profi-Schminkteuse ans Werk lassen will. Sicher ist sicher. Außerdem ein wunderbarer Beweggrund, noch mehr Schmink-Artikel zu erwerben.

Damit wäre der passende Zeitpunkt gekommen, uns Susis Haaren zuzuwenden.

Die sind ihr heilig. Daher kriegen die auch ständig eine neue Farbe und einmal sogar eine in die Hose gegangene Dauerwelle. Susi findet so was trotzdem immer wieder toll, ihre Haare weniger. Die reagieren mit Groß-Protest und zeigen sich widerspenstig. Also doch wieder ein paar Zentimeter schweren Herzens davon hergeben, auch wenn ihr Traum eine lange, wallende Mähne ist. Für uns Außenstehende ist sicher:

 

Susis aktuelle Haarfarbe oder Frisur ist niemals aktuell. Morgen schon sieht sie mit großer Wahrscheinlichkeit wieder anders aus.

 

Apropos aktuell: Der brandaktuelle Status bezüglich Freizeitgestaltung im Hause Müller lautet: Action (Susi) trifft Gemütlichkeit (Thomas). Passt eigentlich gar nicht zusammen. Irgendwie schaffen es die beiden trotzdem mit Bravour, diese Vorlieben miteinander zu verbinden. Er lässt sein Herzblatt liebend gerne auf einem ihrer Marathons herumrennen. Er zeigt sich dabei eher für den ruhigeren Teil verantwortlich. Beispielsweise seine Liebste als Zuschauer kurz vor dem Ziel anzufeuern. Oder ihr mit dem Drahtesel hinterherzufahren, wenn sie mal wieder die „Salami“ auf vier Beinen ausführt. Eigentlich heißt diese Salami Calypso und ist Susis verrücktes Pflegepferd. Neuerdings sprechen wir hier aber nur noch von der Salami. Dem frechen Stiefpapa Manfred sei Dank.

Vor lauter Wurst bin ich nun ganz vom Thema abgekommen. Daher schnell zurückgeschwenkt zu den ehrgeizigen sportlichen Plänen unseres Brautpaares. Oh ja, auch Thomas hat solche Ambitionen. Nur halt ein bissel anders.

 

Sein sportliches Ziel: Seine Augen so lange auf den Fernseher gerichtet zu halten, bis auch die letzte Serie zu Ende ist.

 

Da seine Lieblings-Serien und Filme dank Bluray-Dauerwiederholungs-Taste niemals enden werden, zeigt er bemerkenswerte Ausdauer. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, wird es Susi hinsichtlich dessen zu bunt. Sie tut dann das, was jede kluge Frau beherrschen sollte: Sie verpasst ihm einen gehörigen A-Tritt. Der verhilft ihm wiederum zu neuen spannenden Abenteuern. Draußen in der Welt, ganz weit weg von Serien und Co. Meistens mit irgendwelchen Tieren. Die haben beide fast doller lieb als alles andere.

Wo Tiere sind, sind auch Susi und Thomas anzutreffen. So sicher wie das Amen in der Kirche.

Dafür ist ihnen keine Mühe zu groß, kein Weg zu weit: eine Wanderung mit Huskys oder gemeinsam mit Elefanten in Thailand plantschen gehen. Der tausendste Streichelzoo bzw. noch ein Wildgehege oder im Notfall halt auch der Finn, der gern mal übers Wochenende ausgeliehen wird. Aber Achtung: Tierliebe kann richtig gefährlich werden. Zum einen für Thomas Nerven, der jeden Tag auf irgendeinem Facebook-Ferkelchen-Video von Susi markiert wird. Jeden Tag, ausnahmslos! Zum anderen kann es aber auch dann brenzlig werden, wenn man eben „nur“ Mensch und kein Nachttier des Waldes ist. So wie letzten Dezember in Leizpig.

Klar, dass auch hier Tiere erneut eine Rolle spielen sollen. Ohne können sie einfach nicht. Daher muss es ein Wildgehege richten. Dort läuft noch alles gefahrlos glatt. Das Problem zeigt sich eher auf dem Heimweg. Der führt zu Fuß mitten durch einen Wald. Leider ist es schon dunkel, was die Orientierung deutlich erschwert. Es sei denn, man ist eine Eule oder ein Fuchs. Als Mensch wird’s eher schwierig. Und so irren die zwei ziemlich lange durch diesen Leipziger Wald. Dass sie den Ausgang gefunden haben, darüber sind wir alle sehr happy, sonst hätten wir glatt diese wunderbare Hochzeitsfeier verpasst.

Wobei ich, als Mutti der Braut, deutlich schimpfen muss: Thomas, Thomas! Dir hätte ich schon ein wenig mehr Kompetenz hinsichtlich Wald zugetraut. Schließlich verfügst du über ausreichend Erfahrung. Du weißt schon … damals mit Edgar des Nachts nach dem Kino. Mit einem Sixpack bewaffnet zu Fuß von der Stadt ins Heimatdorf gelangen zu wollen. Oh je … Führt zur Hälfte durch dunkelsten Wald. Seinerzeit hat euch bei eurer 6-Stunden-Tour das Sixpack neue Kräfte verliehen. Im Dresdner Wald mit Susi wiederum war es schlichtweg Liebe. Deswegen ging’s dort ja auch schneller. Damit bin ich beim nächsten interessanten Stichwort angekommen: „schnell“

Schnelligkeit ist relativ: Die einen finden eine Schnecke schnell, die anderen eher ein Gepard.

Warum sich also mit irgendeiner Zeitmessung herumschlagen, die sowieso total individuell ist. Susi und Thomas haben indes ihre ganz eigene Zeitmessung, die lautet: „So schnell werden wir niemals pünktlich sein!“ Ist 17 Uhr ausgemacht, rechne ich vor 17.30 Uhr nicht mit ihnen. Wobei dabei schon die nächste große Herausforderung lauert, wenn man Schwiegermutti ist und einen nahezu immer ausgehungerten Schwiegersohn als Gast erwartet. Mache ich das Essen pünktlich fertig, ist es kalt, bis sie kommen. Plane ich eine Stunde Verspätung ein und sie sind doch schneller hier, bricht der Notstand aus, weil Thomas Blutzucker bereits dringenden Handlungsbedarf sieht. Als Notfall-Maßnahme stehen daher meistens Kekse oder Ähnliches auf dem Tisch. Wobei die laut Thomas keine geeignete Medizin darstellen bei derlei Zuständen. Fleisch muss es sein. Bestenfalls mit selbst gemachten Spätzle und Soße. Und das bitte in ausreichender Menge!

Bei anderen Menschen sieht er medizinische Sachen weitaus lockerer als bei seinem eigenen Blutzuckerpegel.

 

„Steh halt wieder auf, du bekommst den Freistoß“,

 

so sein Kommentar zu Mike, als der beim gemeinsamen Fußballspiel mit gebrochenem Bein darniederlag. Der Charme unter Männern halt, was will man machen. Zumindest in einer Sache zeigen sich Susi und Thomas gleich, ähm, charmant. Ich zumindest finde diese Form von Charme äußerst charmant (und lustig). Beide sind ein bissel schusselig, manche würden auch ‚verpeilt’ dazu sagen. Aus sicheren Quellen wurde mir diese Sachlage umfangreich bestätigt, vor allem von Oma Else …

Beim alljährlichen Leipzig-Besuchs-Trip hat sie stets ein waches Auge auf die beiden. Gut so, wie man an folgender Begebenheit erkennen kann. Denn an diesem einen Tag wagt sie es doch: Sie lässt das Paar einige Stunden alleine in der heimischen Wohnung zurück – mit einer Unmenge frisch gebackener Blinsen. Kann also nicht viel passieren, denkt sich Oma Else. Außer, dass sie nach Rückkehr leider mit knurrendem Magen ins Bett muss. Hä, wo sind die ganzen Blinsen hin, denkt sie sich verwundert und fragt mal bei Thomas nach?

 

„Ach, du wolltest auch welche? Haben übrigens gut geschmeckt!“

 

Und so schusseln sich die beiden durch den Alltag und liefern damit regelmäßig Lacher für Freunde und Familie. Eine Untergattung der Schusseligkeit findet sich alleinig bei Susi wieder. Dafür gibt es keinen Namen, muss man erlebt haben. Man kann sie wunderbar veräppeln, denn sie glaubt einfach alles. So wie in 2016, als ich ihr von dieser besonderen Rasse an Schafen berichtete. Es seien ‚Hangschafe’. Die haben links kürzere Beine als rechts, damit sie am Hang besser stehen können. Problem ist nur: Die dürfen sich nie, wirklich niemals umdrehen, sonst fallen sie um. Sie hat alles geglaubt. Bis auf‘s letzte Worte!

Langsam gelangt auch diese Story zu ihren letzten Worten. In einem sind wir uns abschließend alle einig: Ihr beiden seid ein wundervolles Paar. Ergänzt euch prima, habt ähnlich Lebensziele und euch ganz doll lieb. Das spürt und sieht man. Kaum je erlebt man euch ernsthaft im Streit oder in Missstimmung. Ihr lebt Harmonie und seid schlichtweg Harmonie. Ihr respektiert euch, mit allen Stärken und Schwächen. Macht weiter so – ein Leben lang. Dazu wollen wir euch alle noch ganz persönliche Worte und Wünsche mit auf den Weg geben.

 

Anmerkung der Autorin: Alle Namen wurden aus persönlichen Gründen anonymisiert

 

 

Du möchtest Anekdoten deiner eigenen Lovestory auch in einer Geschichte in den Händen halten? Für dich selbst, für deine(n) Liebste(n) oder als Überraschung? Maile mir und wir besprechen deine Wünsche und die Möglichkeiten: mail@ulrikeparthen.de

 

 

 

Abonniere meinen Newsletter: