Wenn du dringend einen Arzt brauchst. Der aber keine große Lust auf Helfen hat.

Wenn du dringend einen Arzt brauchst. Der aber keine große Lust auf Helfen hat.

Hashimoto? Ui, hört sich gefährlich an. Was is‘n das? Ach so, nur diese läppische Autoimmun-Erkrankung. Daher kann Susi auf einen Arzttermin beim Spezialisten ja hoffentlich 2 Jahre warten. Damit die Wartezeit nicht gar zu lang ist, stellen derweil ein paar andere Ärzte lustige Sachen mit ihr an. Weil sie offensichtlich keine wirkliche Lust auf adäquates Helfen haben.

Arzt No. 1:

„Nimm das Schilddrüsenmedikament hier, täglich bitte. Und komme alle drei Monate zum Check deiner Schilddrüsenwerte.“ Aha, daher weht der Wind! Er will sie natürlich auf keinen Fall wegen ein und demselben Problem zweimal im Quartal hier sehen. Denn ab dem zweiten Mal muss er dafür gratis arbeiten. Besser also, sich solche chronisch kranken Patienten einigermaßen vom Hals zu halten. Total unwirtschaftlich.

Drei Monate später: „Verdammt, deine Werte gefallen mir gar nicht. Hast du das Medikament auch wirklich regelmäßig genommen?“ Naja, das kennt man ja. Will man von der eigenen Unfähigkeit ablenken, ist Angriff zur Verteidigung immer gut.

Ein Jahr vergeht. Mit der täglichen Einnahme des Medikaments, das nicht hilft und einigermaßen Ratlosigkeit bei Susi. Egal, sie soll es trotzdem weiternehmen. Doch sie lässt sich von diesem Hashimoto den Spaß am Leben nicht nehmen und läuft sogar Marathons. Dafür trainiert sie mehrmals die Woche regelmäßig. Trotz sehr niedrigem Blutdruck, der die Folge des ganzen Dilemmas ist.

Plötzlich doofer Druck im rechten Ohr. Ganz fies.

Sie geht zu HNO No. 1. Kleiner Spaßvogel, der Gute: „Der Druck im Ohr kommt vom niedrigen Blutdruck. Treiben Sie am besten etwas Sport.“ Audienz beendet. Obwohl die 10 Minuten noch gar nicht um sind.

Gesundheit und Wohlbefinden. Gar nicht so einfach mit Hashimoto

HNO No. 2 hat eine viel clevere Idee:

„Nehmen Sie regelmäßig das Nasenspray hier“, und reicht ihr ein Rezept rüber. Regelmäßig? Susi erschrickt. Jeder weiß, dass man Nasenspray nie länger als ein paar Tage anwenden soll. Macht die Schleimhäute kaputt und sogar abhängig. „Wenn das nicht hilft, lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt Tabletten gegen niedrigen Blutdruck verschreiben.“

Vielleicht ist Hashimoto ja auch viel zu gefährlich für HNOs. Oder zu fremd. Ihre Welt sind Nasennebenhöhlen, Ohren und Co. Daher bleiben sie auch strikt bei ihrem Fachgebiet, basta! Warum sich mit solchen komplizierten Dingen rumschlagen, eine vernünftige Lösung in Gang bringen, wenn man die Ohrdruck-Geplagte auch anders in 10 Minuten wieder loskriegen kann. Nasenspray muss reichen. Und Sport halt!

Die Patientin soll gefälligst Verständnis haben. Schließlich kriegen die Doktoren ja auch nur 10 Minuten von Seiten der Krankenkasse dafür entlohnt. Hashimoto, davon chronisch entzündete Schilddrüse, davon niedriger Blutdruck, davon Ohrprobleme, puh. Das kann man in der Zeit wirklich nicht verlangen.

Susi ist schlau. Muss man in diesem Gesundheitssystem auch sein. Daher kommt sie auf die wunderbare Idee, dass die Lösung wohl einzig an der Ursache zu finden ist.

Sommer 2018: Sie ruft beim Endikronologen an.

Der kennt sich prima aus mit diesem Hashimoto und wie man die Schilddrüse, ihren Blutdruck und auch ihr Ohr wieder in Balance bekommt.

„Einen Termin?“

Die Stimme am anderen Ende klingt leicht genervt. „Tschuldigung, ich kann nix dafür. Der Hashimoto ist schuld“, stammelt Susi. „Ja, einen Termin, bitte.“

„Wir haben erst wieder in 2020 was frei!“

Falscher Film? Versteckte Kamera? Kleiner Joke?

Leider nicht. Daher läuft Susi nun halt weiter mit Ohrdruck durch die Gegend, mit niedrigem Blutdruck und mit miesen Schilddrüsenwerten, die niemand vernünftig einstellen kann. Naja, man darf nicht meckern. Irgendwann in 2020 wird ja alles (hoffentlich) gut.

Epilog:

Nein, nicht erfunden, tatsächlich so passiert. Ich habe lediglich den Namen anonymisiert.

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