Hindernislauf, 6. Klasse. Startschuss, ich renne los zum ersten Hindernis: ein Sprungkasten, geht mir ungefähr bis zur Brust. Ich bleibe mit dem rechten Fuß hängen, plumpse auf der gegenüberliegenden Seite herunter wie ein nasser Sack und breche mir dabei zwei Rippen, autsch! Und das schon am ersten Hindernis! Gute Texte schreiben kommt mir manchmal ähnlich vor, wenn ich die Tipps dazu im Netz anschaue:

Keine Negativwörter, kein Konjunktiv, aktive statt passive Formulierungen, Einleitung soundso, Überschrift soundsoundso usw.

Zwei gebrochene Rippen sind hier das Mindeste, was man sich bei all diesen Regel-Hindernissen einfängt. Über so viele kannst du gar nicht unfallfrei gleichzeitig springen, nicht mal als Superprofi-Sportler. Daher pfeife ich als Profi-Schreiberin auf unnötige Hindernisse und laufe ziemlich geradlinig durch meine Texte. Und das hat seinen Grund. Wenn du magst, begleite mich dabei. 

Montagabend. Statt gute Texte schreiben ist Hausarbeit angesagt.
Heute darf ich dabei Zuschauer sein, mein Mann Rüdi bringt sich in Position.

Er schleppt das Bügelbrett ins Wohnzimmer und baut das Ding direkt neben dem Sofa auf. Praktisch für mich, so kann ich nebenbei ein bisschen mit ihm quatschen.

Rüdis Bügeltechnik ist, nennen wir es mal, „äußerst kreativ“. Dabei ist er hoch konzentriert, vor allem, wenn meine Blusen an der Reihe sind. So viele Sachen auf einmal, die er dabei beachten muss. Nebenbei erzähle ich ihm von Nachbarin Sabine und gehe fließend zum nächsten Thema über: dass ich dringend neue Schuhe brauche.

Keine Antwort.
„Rüdiiiiii?!“

„Verdammt!“, ruft er stattdessen. Bei einem Blick aufs Bügelbrett erkenne ich den Grund seines Ausrufes: Meine Bluse ziert eine tiefe Falte von oben links quer über die ganze Brust bis zur rechten Achsel.

Rüdi kann sich eben nicht auf tausend Dinge konzentrieren, wenn er im Bügel-Flow ist. Und so geht es vielen Menschen. Sich zu viel auf einmal zu widmen, endet selten in einem Superergebnis. Wenn ich gute Texte schreiben will, naja, was soll ich sagen.

Ungezwungen kreativ im Flow sein mit einem sechsseitigen Regelwerk im Hintergrund? Das will für mich nicht so recht zusammenpassen.

Gute Texte schreiben nach komplizierten Regeln? Klingt kompliziert!
Voilà: meine Alternative, die Spaß macht und funktioniert

Gute Texte schreiben ohne Regeln

© Jose Aragones by unsplash

 

Mal ganz zum Anfang gespult, und der liegt bei mir lange zurück. Ich drücke die virtuelle Schulbank. Ja, ich will Werbetexterin werden und gute Texte schreiben lernen. Also ab in die Texterschule und mich darin ausbilden lassen.

Wie aufregend!

Ich zu der Zeit: blutiger Laie, null Ahnung vom Werbetexten, Marketing und Werbung – dafür sehr viel Phantasie und eine in die Wiege gelegte Schreibbegabung. Ist ja auch was!

Dann geht’s los. Lektion für Lektion, Übungsaufgabe für Übungsaufgabe, schwitz! Gute Texte schreiben hatte ich mir weniger kompliziert vorgestellt. So viele To does und No-Gos auf einmal, das überfordert mich.

Ich sitze an Übungsaufgabe 5:
Gute Texte schreiben für einen Autokonzern. Erfinde einen Slogan, heißt es in der Aufgabe.

Meine Kreativität wird jedoch ausgebremst. Woran liegt’s? An der angezogenen (Regel-)Handbremse natürlich. Passierte mir neulich auch im Auto. Bin keinen Meter vorwärtsgekommen und die rote Warnleuchte blinkte wie verrückt.

Zurück zu Übungsaufgabe 5.

Da ich immer schon eine fleißige Schülerin war, will ich immer alles richtig machen. Gute Texte schreiben. Wie geht das noch mal? Ich lese erneut meine inzwischen gefühlt hundert Werbetext-Prinzipien durch, die ich gelernt habe. Was darf ich auf keinen Fall, was muss ich unbedingt? Ufff!

Meine Abschlussarbeit meistere ich dennoch mit Bravour. Psst, kleines Geheimnis: Ich beachte die Regeln nur am Rande, jedoch nie im Detail, und gehe eher intuitiv vor. Mit Erfolg!

 

Wann ist ein guter Text gut? Wenn er deiner ist.
Gute Texte schreiben heißt für mich daher: Lass laufen!

Gute Texte schreiben geht anders

© Rüdiger Lutz

 

Früher rannte ich dem runden Ding hinterher und wollte es unbedingt ins Eckige schießen. Meine große Liebe als Teenager? Fußball! Ich spielte im Verein – als Rechtsaußen und Torjägerin der Mannschaft: dribbelstark, gewieft, wendig.

Wir sind zum Auswärtsspiel unterwegs. Tags zuvor regnete es. Als ich den Platz sehe, reibe ich meine Augen? Was ist das? Moor, Schlammwüste, Acker? Ach so, das ist unser Spielfeld. Ich bin skeptisch, und das zurecht.

Dribbeln? Kannste vergessen. Der Ball bleibt im Morast stecken. Alle sind resigniert. Unser Mittelfeld versagt komplett und ich damit auch. Tore an diesem Sonntag: kein einziges. Dafür eine von 22 Mädchen umgepflügte Moorlandschaft. Genauso sehen wir danach auch alle aus.

Gute Texte schreiben – damit allein ist es nicht getan, wenn du Ziele erreichen willst.

Alle anderen Randbedingungen müssen ebenso stimmen und der Rest der Mannschaft sollte dir gut zuspielen. Dann, ja dann, landest du Tore. Oder um es in Businesssprache auszudrücken: Wirst du Erfolg haben.

Und dann wäre ja noch die Frage zu klären, wann ein Text eigentlich gut ist?

Wenn du fieberhaft versuchst, ja alle Regeln haarklein anzuwenden? Dabei aber so verkrampfst, dass dein Text zwar „Gute Texte schreiben-regeltechnisch“ super daherkommt, aber nicht mehr deiner ist? Emotionen, deine persönliche Note, Werte, deine Haltung und Meinung sind dabei auf der Strecke geblieben. Irgendwo im Regelschlamm des Gute-Texte-Schreibens

Gute Texte schreiben ist wie in Pfützen springen

Ich war früher das reinste Entdecker-Kind. Ich wollte alles ausprobieren und testen. Damit bin ich nicht allein. Kennst du von früher bestimmt auch. Beispiel: Ich komme als Vierjährige an einer Pfütze vorbei. Was mache ich? Das gleiche wie du im selben Alter:

Ich vergesse alles andere um sich herum und teste aus, wie tief die Pfütze wohl sein mag. Ich stelle mich mittenrein ins Nass – mit beiden Füßen gleichzeitig und gluckse fasziniert, was umgehend in freudig quietschendes Lachen umschlägt! Danach probiere ich aus, wie sehr es spritzt, wenn ich vorsichtig mit einem Fuß hineintrete, und wie es wiederum mehr spritzt mit beiden Füßen volle Karacho hinein hüpfend. Ich habe einen Heiden-Spaß und mir ist völlig schnuppe, dass ich dabei nasse Socken kriege.

Nun stehst du als Erwachsener an der Pfütze und überdenkst die Sache. Packst deine Gesetzmäßigkeiten und Methoden aus, die es in Sachen ‚Pfützen erkunden‘ gibt. Dazu hast du zuvor im Internet recherchiert, vielleicht sogar diverse Ratgeber dazu runtergeladen. Deine Unvoreingenommenheit wird damit im Keim erstickt. Die Situation endet entsprechend verkopft – wahrscheinlich in etwa so:

„Aha, diese Pfütze ist entstanden, da es gestern 5 Liter pro Quadratmeter geregnet hat. In Korrelation mit der kleinen Mulde in der Straße und dem enorm trockenen Boden war es dem Wasser unmöglich, an dieser Stelle abschließend vollständig abzufließen, wodurch heute eine Pfütze entstanden ist. Um keine nassen Füße zu bekommen, die einen Schnupfen nach sich ziehen könnten, sollte ich die Pfütze besser meiden und einen Weg um die Pfütze herum einschlagen.“

Zu einem Ergebnis kommst du in beiden Fällen, wenngleich die sehr unterschiedlich ausfallen. Man kann jetzt nicht behaupten, dass eines davon „falsch“ wäre. Wichtig finde ich nur zu wissen: Du hast immer eine Wahl.

 

Von der Pfütze zurück zum Thema gute Texte schreiben. Bin erst kürzlich selbst wieder drauf reingefallen. Verflixt!

© Rüdiger Lutz

 

Stichwort Blog-SEO. Hier fehlen mir noch ein paar wenige Detailinformationen, die ich gerne wissen möchte. Also bilde ich mich weiter. Der Kurs dazu: ausnahmsweise mal supi. Gute Texte schreiben für den Blog, ja das wird darin auch gleich gelehrt – gab‘s nur so in dieser Kombi.

Ich überspringe die Lektionen ‚Gute Texte schreiben für deinen Blog‘ elegant.

Mein Unterbewusstsein scheint diese Inhalte trotzdem inhaliert zu haben. „Gute Texte schreiben für erfolgreiches SEO geht soundso“, lese ich, obwohl ich das im Prinzip gar nicht bewusst lesen will. Wieder ein paar Regeln, als würde mich dieses Thema verfolgen.

Dennoch lasse ich mich verleiten, und das als ausgebuffter Profi und alter Hase des Textens. Nur ein bisschen und nur ganz kurz. Das reichte jedoch, um mein Inneres in Rebellion zu versetzen. Mein implantierter Seismograph meldet sich. Er funktioniert immer, selbst bei minimalen Abweichungen vom eigenen Weg: Es ist mein Körper. Ich kriege dann Kopfschmerzen oder Ähnliches als kleine Hallo-Aufwachen-Erinnerung.

 

„Gute Texte schreiben für den Blog? Momentchen, Frau Uli, was machst du da gerade? Ganz sicher nicht dein Ding!“, so die interne Kommunikation zwischen Hirn, Herz und Körper. Stimmt!

 

Ich wollt’s mal wieder total richtig machen in meiner Weiterbildung. Kleine Schwäche meinerseits. Anstatt mir lediglich die wichtigen Dinge herauszupicken und mit meiner Herangehensweise zu verbinden, stülpe ich mir die Herangehensweise des Herausgebers über.

Gute Texte schreiben – dazu hat er teils eine ganz andere Philosophie als ich. Weder seins noch meins ist falsch. ‚Gut‘ im Sinne von ‚gute Texte schreiben‘ ist hier eher eine Sache der jeweils eigenen Überzeugung. Kann man ähnlich schlecht messen wie schlechtes Wetter. Was ist schlecht? Wie viel Grad darf es da haben? Kann Regen nicht auch schön sein oder gehört der schon in die Kategorie schlecht?

Wer bestimmt also, was gute Texte sind? Keine Regel der Welt, sondern einzig deine Kunden (und du!). Soll nicht heißen, dass Textertipps grundsätzlich sinnlos sind. Soll aber auch nicht heißen, sich völlig in diesen Tipps festzubeißen und sie als Heiligen Gral zu sehen.

Meine Definition in puncto gute Texte schreiben:

Für mich braucht es dabei immer eine Dosis Persönlichkeit. Mich müssen die Person(en) dahinter begeistern. Ihre Werte, vielleicht auch ihre Lebensgeschichte oder aber ihre Idee. Vor allem aber ihr Warum – und das bitte leicht zu lesen, unterhaltsam, gern mit Lockerheit und Augenzwinkern. So macht das Leben Spaß und das Lesen von Texten auch.

Und wie mache ich das als Profi?

Klar, ich kenne fast alle Methoden und Regeln dazu, theoretisch wie praktisch. Meine Kreativität kommt jedoch nur dann so richtig ins Fliegen, wenn ich völlig frei bin im Kopf – ohne Handbremse. Mit 100 % Hingabe im Moment des Schreibens wird das Ergebnis genial. Bei Regeln im Hinterkopf eher mittelmäßig.

 

Du möchtest deine Lebensgeschichte oder andere Story lieber gleich von mir schreiben lassen? Einen Termin zur kostenfreien Beratung kannst du hier anfordern: mail@ulrikeparthen.de

 

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