Ich beim Gesundheits-TÜV:  bei 258 hört der Spaß auf!

Ich beim Gesundheits-TÜV: bei 258 hört der Spaß auf!

1,5 Jahre Schwäbisch Hall und ich – wird dringend Zeit, hier neue Freundschaften zu schließen. Ich hab‘s wirklich versucht, aber mein auserkorener new friend findet mich seit gestern doof. Weil ich seine Diät nicht machen will.

Er und ich sehen uns zum zweiten Mal.

Onkel Doc will mir die Ergebnisse meines Rundum-TÜVs mitteilen. Hatte rein taktische Gründe, diesen zu veranlassen. Von einem Fachmann zu hören, dass ich innen drin picobello jugendlich fit bin, obwohl ich diese unbeliebte 50er-Schwelle überschritten habe, tut ziemlich gut. Wir sitzen in seinem Zimmer und er guckt sehr lange auf meine Blutwerte. „Wegen dem Cholesterin habe ich Sie ja schon vorgewarnt, ne?“

„Ja …“, betretenes Schweigen seinerseits.

Ich werde etwas unruhig. Schweigen von einem Arzt bedeutet selten Gutes.

„258“, kommentiert er weiter.

Ich denke die ganze Zeit, na und? Ok leicht erhöht, aber kein Drama. Das ist so, seit ich 15 bin und hat Stoffwechsel-genetische Gründe. Mein Spiegel, meine Blutbahnen, mein Herzchen und mich – niemand von uns störte das in den letzten 35 Jahren. „220 ist die Obergrenze!“, ermahnt er mich weiter. Als ob ich da jetzt schuld bin. Komm bitte zur Sache, denke ich mir, denn ich müsste mal aufs Örtchen.

„Vielleicht sollten wir es mit einer Diät probieren?!“

Ich schaue erst kurz an mir herunter. Danach schaue ich ihn an. „Eine Diät … ich!?! “ Mein entsetzter Blick und diese drei Worte sagen alles. Hey, ich bin eine von denen, die sich über 500 Gramm mehr auf der Waage freut wie Bolle. Kein bisschen gebe ich davon freiwillig her. Nicht mal für neue Freundschaften. Er versucht weiter sein Behandlungs-Glück mit der Frage, was ich denn so esse. „Gesund und fast kein Fleisch!“ antworte ich wahrheitsgemäß. Verdammt, irgendwas wird sich doch wohl bei dieser Patientin finden, das ich behandeln kann? So eventuell seine Gedanken. Da kann jetzt nur noch der Schluss-TÜV-Check helfen. Der findet direkt an mir statt.

Ich muss mich freimachen

Dann werde ich genauestens abgehört sowie abgetastet. Sogar alle meine Muttermale inspiziert er mit seiner fachärztlichen Lupe. Ich bin anscheinend so gesund, dass es kaum auszuhalten ist, zumindest theoretisch. Womöglich gibt er daher beim Abtasten meiner Bauchregion nun alles. Die quetscht er mir, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich kriege kaum noch Luft und habe Angst, ihn gleich mit meinem Frühstück zu beglücken. Wäre nicht von Vorteil für sein weißes Shirt.

Bei meiner Physiotherapeutin läuft das anders. Sie hat zur Behandlung auch öfter ihre Hände auf meinem Bauch. Aber so sanft, dass ich sie fast gar nicht spüre. Trotzdem fühlt sie alles in mir drin. Jede kleine Zelle und auch, ob die jetzt gerade am rechten Platz ist oder nicht. Die Physio-Dame ist klasse und Herr Doktor endlich fertig damit, mir meine (noch!) rundum gesunden Organe vollends zu zerquetschen.

Ich ziehe mich an und er sitzt wieder am Rechner. 5 Minuten vergehen, in denen er wortlos weitere tausend Daten eingibt. „Herr Doktor, wir sind durch, oder? Dann verabschiede ich mich von Ihnen, ich muss jetzt wirklich aufs Klo …“ Ganz schön viel Schreibkram für so wenig Befund.

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