Frauenproblem untenrum: Nix für schwache Nerven!

Frauenproblem untenrum: Nix für schwache Nerven!

Wenn du als Frau mit deinem Problemchen ganz alleine dastehst, weil die Ärzte, ich muss es so sagen, hier auf ganzer Linie versagen. Nicht einer, sondern Dutzende 20 Jahre lang.

„Frauenproblem untenrum“, flüstere ich verschämt. „Wie bitte?“, fragt die Empfangsdame bei Herrn Doktor. Das Dingens ist ja, dass dieses Dingens-Problem ein bisschen peinlich ist. „Frauenproblem untenrum. Macht doll aua und juckt“, wiederhole ich etwas lauter. Die Patientin rechts neben mir schaut mich an, als habe ich Krätze und weicht erschrocken einen Schritt zur Seite. Das ist momentan mein kleinstes Problem.

Das größte wartet im Wartezimmer auf mich: der Stuhl! Ich kann nicht sitzen wegen dem Aua. Nach einer Stunde bin ich dran. „Frau Uli, bitte“, ertönt es aus dem Lautsprecher. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich mit Dingens-Problemchen hier nicht ganz so willkommen bin. Kein Wunder, schon das 3. Mal in diesem Quartal deswegen zugegen.

Endlich darf ich mich auf den unbequemsten aller Stühle schwingen und zeige Herrn Doktor die schonungslose Realität. „Sieht übel aus!“, kommentiert er den Anblick stirnrunzelnd. Das motiviert mich enorm. Ich soll antibiotische Salbe auftragen und Zäpfchen einführen wegen böser bakterieller Vaginose plus Pilz. Fühlt sich übrigens genauso schlimm an, wie es sich anhört.

Dingens ist sauer und Untenrum Dauergast

Vaginose-Behandlung fertig. Ein Tag lang Grund zur Freude. Danach: grmpf. Anti-Pilz-Behandlung fertig. Zwei Tage Grund zur Freude. Danach: grmpf.

So geht das nonstop. Mein Dingens ist jetzt richtig sauer und bietet mir jedes Malheur an, das es auf der Welt zu geben scheint. Praktischerweise alle gleichzeitig! Nur, wegen dieser Frauenärzte, die ja meistens Männer sind und keine praktische Erfahrung haben, wie das bei einer Frau untenrum funktioniert. Jedenfalls nicht in diesem Zusammenhang. Sonst wäre es gar nicht so weit gekommen mit meinem Dingens.

20 years ago. Ich sag nur: Männer!

Ich als junge Frau zum ersten Mal davon befallen. Haha, lachhaft langweilig für Doc und reine Zeitverschwendung für ihn. Schnell Anti-Pilz-Gedöns aufschreiben und noch schneller wieder loswerden diese unlukrative Patientin. 6 Monate später, nächstes Untenrum sagt freundlich hallo und ich wiederum „Hallöchen, hier bin ich“ zu meinem Frauenarzt. Er guckt mich vorwurfsvoll an: „Das Medikament gibt‘s rezeptfrei. Bitte nie nicht niemals deswegen wiederkommen. Bei Juck-Gedöns einfach in die Apotheke gehen, Medi holen und selbst behandeln.“

Ich folge seinem Befehl arglos und schließe mit meiner Apotheke neue Freundschaft. Bin in den darauffolgenden 20 Jahren ca. 101 Mal dort zugegen. „Medi für Frauenproblem untenrum, bitte!“ Männliche Mitkunden fallen dabei fast in Ohnmacht. „Igitt, sag doch nicht so was!“, so vermutlich einhellig die Gedanken. Das Entsetzen ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Ich sag mal so: Lieber „Igitt-Entsetzen“ als „Ich rutsch dingelingmäßig überall drüber. Auch bei untenrum.“ Tja, so was gibt’s auch, wie ich in einem Forum lesen muss.

Nix Dingeling? Sieht er gar nicht ein!

Ein Forum für vaginale Frauenprobleme. Eine Leidensgenossin schreibt: „Mein Freund ist sauer wegen untenrum. Dingeling muss ausfallen. Er besteht aber auf Dingeling, also habe ich Zähne zusammengebissen. Oh Gott, tat das weh.“ Ich weiß nicht, wen ich in dem Fall jetzt für doofer halten soll: ihn oder sie.

Das Grauen hat einen Namen

Google bietet ziemlich viele Schlaumeier-Tipps für alles, was Frau zum Thema interessieren könnte. Oh je, ein Betroffenen-Forum lacht mich an. Soll ich? Ich wage einen scheuen Blick hinein in das Grauen: „Eine ganze Knoblauchzehe“, erspähe ich als ersten Tipp. Essen oder was? Ach was, mittenrein damit ins Zentrum des Dingens.

Dagegen liest sich die nicht enden wollende Liste anderer Heilungsversuche langweilig: Milchsäure, Milchsäurebakterien, homöopathische Tinkturen, Cremes, Salben, Zäpfchen, Colloidales Silber, Joghurt. Ui, mir wird schwindlig. Die meisten hier haben in purer Verzweiflung haarklein jedes Mittelchen davon schon ausprobiert – ohne Erfolg. Wen wundert’s.

Tabuthema Frauenleiden - Gesundheit und Heilung

Chaos in der Flora und Fauna

Genau genommen ist Dingens ja so etwas wie eine Art Flora und Fauna. Vielerlei unterschiedliche Spezies leben dort friedlich mit- und nebeneinander – bis das böse Anti-Pilz-Mittel oder Antiobiotika daherkommen. Plötzlich rennen alle wie wild durcheinander, es herrscht quasi Flora-und-Fauna-Krieg. Die einen verhauen die anderen, die Halbstarken vermehren sich explosionsartig, die Schüchternen verlassen indes das Schlachtfeld. Und schon ist das Chaos perfekt. Dann stürmt plötzlich der Knoblauch daher und dieses und jene andere Hilfspaket „SOS“, schreit das Dingens am Rande des Totalkollapses.

Nix tun, Nervenstärke und eine Portion gesunder Menschenverstand

Ich denke scharf nach. Hm, wenn es mir scheiße geht, habe ich auch keine Lust auf Action. Ich will einfach nur meine Ruhe und leg mich ins Bett. „Juhu, sie hat‘s endlich kapiert“, so der Ruf von unten. Der innere Kritiker quakt dazwischen: „Geht gar nicht, Großgefahr, du musst dies und jenes veranstalten!“ Himmelherrgott, kannst du nicht mal die Klappe halten?

Ich kratze mein letztes Reservepaket starker Nerven zusammen und tue, wonach Dingens verlangt: keine Heilungsversuche mit keinem Medikament mehr, sondern einfach pure Erholung gönnen – und natürlich strikt die gängigen “Hygiene”maßnahmen einhalten, die in dem Fall unerlässlich sind. Dazu simple tägliche Pflege mit dem natürlichsten Mittel der Welt: Kokosöl. Einen Mini-Hauch davon aufgetragen und Dingens freut sich wie Bolle. Innerer Kritiker gibt sich in der Sache endgültig geschlagen und versucht klammheimlich an anderer Stelle neue Stänkereien anzuzetteln.

Happyend – ohne Ärzte und Forentipps

Wenn die Lösung zu einfach ist, kommt mal wieder keiner drauf. Außer ich halt. Kein Wunder, es geht ja auch um mein Dingens. Was dem wiederum gut tut, weiß ich also um einiges besser als ein Herr Doktor, der an der Stelle nachweislich ein ganz anderes Dingens baumeln hat.


2 Kommentare zu „Frauenproblem untenrum: Nix für schwache Nerven!“

  1. Verdammt offen und doch auch unterhaltsam. Immer wieder spannend, wie du gesundheitliche Probleme meisterst. Mit einer Portion Humor ist vieles leichter zu ertragen.

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