Älterer Patient im Rollstuhl, hilflos. Wird beim Arzt einfach rausgeschmissen!

Älterer Patient im Rollstuhl, hilflos. Wird beim Arzt einfach rausgeschmissen!

Meine Güte, er soll sich mal nicht so anstellen. Irgendwann wird schon wer kommen und ihn aufgabeln. Wir haben jetzt Feierabend, den wir doch nicht auf einen ollen Patienten wie Rudolf opfern wollen … Also nix wie rausgeschmissen den hilflosen alten Mann.

Er: Rudolf, Patient, stolze 85, gebrechlich, kann nicht mehr laufen. Ist ohne fremde Hilfe also relativ hilflos.

Die Freizeitliebenden: eine urologische Arztpraxis im Schwabenland.

Toll, was das deutsche Gesundheitssystem alles zu bieten hat. Sogar einen gesponserten Chauffeur-Service mit dem Tatütata. In besagtem Fall fährt der Krankenwagen aber still und leise, ist ja kein Notfall. Nur dieser olle Rudolf, der irgendwie von A nach B kommen soll.

Er wohnt im 1. Stock und braucht eine dringende Untersuchung beim Urologen. Herrschaftszeiten, muss das sein? Immer die Umstände mit diesen komplizierten Patienten. Die Krankenkasse spendiert netterweise die Fahrt im Tatütata. Weil die Sanitäter dermaßen gut ausgestattet sind, dass sie selbst einen gehunfähigen alten Mann vom 1. Stock die Treppe runterkriegen. Ihn dank Tatütata problemlos zum Arzt befördern können und dort auch wieder die vielen Treppen in die Arztpraxis hochkriegen.

„Tschüss, wir sind dann weg!“ … hört man sie sagen, als sie ihn abgeliefert haben. Sie sind sehr im Stress. So viele hilflose Menschen brauchen gleichzeitig ihre Hilfe.

Rudolf wird untersucht und ist keine halbe Stunde später fertig. Man setzt ihn ins Wartezimmer. Man ruft den Chauffeur-Service für den Rücktransport. So weit, so gut und keine besonderen Vorkommnisse. Wenn da nicht dieser Feierabend wäre.

Patienten im Gesundheitsystem

Nach zwei Stunden sitzt er immer noch doof (hilflos) im Wartezimmer herum.

Kein Tatütata weit und breit und keine Ahnung, wann es erscheinen wird. Oder besser gesagt, ob überhaupt noch heute. „Wir haben jetzt Feierabend und müssen die Praxis schließen“, teilt man ihm mit. Aha, und jetzt? „Wir setzen Sie daher vor die Tür auf die schöne Bank hier!“ Da man als alter, kranker, gehunfähiger Patient so herrlich wehrlos ist, gibt es kaum Widerstände zu befürchten. Und da sitzt er nun. Einsam und allein, ohne sich auch nur einen Millimeter von der Stelle bewegen zu können. So richtig gut fühlt sich Rudolf nicht, er ist ja schließlich krank. Leider niemand in der Nähe, den man um Hilfe bitten könnte.

Weitere drei Stunden vergehen. Rudolf hat Hunger und noch mehr Durst. Zufällig kommt eine junge Frau des Weges. Dieser Zufall bringt die nötige Rettungsaktion in Gange. Na endlich! Ist nur die Frage, wie sie ihn da jetzt vom Fleck wegbekommen soll. Zwei starke Männer müssen es richten. Die eilen nach einem SOS-Telefonanruf der Enkelin schnellstens zur Hilfe. Der eine rechts, der andere links. Hau ruck, sie haken Rudolf unter und schleppen ihn die Treppen hinab. Bugsieren ihn notdürftig in den eigenen PKW. Not macht erfinderisch.

Zu Hause angekommen, dasselbe Spiel. Unterhaken und schleppen. Nur, dass es treppaufwärts für alle Beteiligten wesentlich anstrengender ist. Stöhnen, schwitzen, juhu geschafft!

Danke, liebe Arztpraxis und danke, liebes Gesundheitssystem für die ausgesprochen fürsorgliche Betreuung.  

Epilog:

Nein, nicht erfunden, tatsächlich so passiert. Zur Anonymisierung habe ich lediglich den Namen verfremdet.

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