„Rüdi, hilfst du mir, Guzle zu backen?“ – „Ja klar gern, ich ess sie dann!“

So viel zum Plan einer Frau, mit einem Mann Plätzchen zu backen. Ich gehe es also alleine an. Und das ohne jegliches Backtalent. Manchmal bin ich mutig und überschreite meine Grenzen gnadenlos. Ich versuche mich dafür zunächst an die Begebenheiten meiner Jung-Mutti-Zeiten zu erinnern. Damals ist es mir mehrmalig gelungen, so viel weiß ich noch. Da diese ewig zurückliegen, möchten sich die weiteren Details dahingehend einfach nicht einstellen. Also muss der Wille heute allein dazu reichen und das soeben aus dem Internet gedruckte Plätzchenrezept.

Alles klappt prima.

Der Teig kriegt perfekte Konsistenz. Nun soll er eine Stunde im Kühlschrank ausruhen. Ich bin auch schon ganz erschöpft und erwäge dasselbe. Natürlich auf dem Sofa statt bei 6 Grad zwischen Eissalat, Schweinefilet und meinem Teig. Bis mir plötzlich einfällt: Unser im Gegensatz zu anderen Haushalten spärlich ausgestatteter Küchenbereich beinhaltet keine Ausstecher-Förmchen. Mist!

„Rüdi, was kann ich stattdessen nehmen?“, rufe ich meinen Gatten zu Hilfe und erläutere ihm das Problem. Somit kommt er wesentlich früher zu seinem geplanten Guzle-Einsatz als gedacht. Dazu stöbert er in der Küche herum, in der er sich ansonsten nur im Bereich der Kaffeemaschine und in der Nähe des Brotkorbs auskennt. Und im Kühlschrank natürlich, der ihm heute sehr fremd vorkommt mit dem runden „Ball“ oben rechts.

Er kramt in einer Küchenschublade herum und entdeckt dabei einen Tortenheber. Ich bin sehr gespannt, wie er damit die Lösung herbeiführen will. Er meint, vielleicht mit der Spitze einfach Kreise aus dem Teig ritzen? Ich, nahe der Verzweiflung, entdecke in derselben Schublade plötzlich ein Stück Blech. Das gibt’s doch nicht, ein Ausstecher-Förmchen. Wie sich das hierher verirrt hat, möchte ich mal wissen. Mein Herz klopft vor Glück, was Rüdi mit einem Satz zunichte macht.

„So geht das nicht!“
„Hä, wieso denn?“, will ich wissen.
„Weil es kein Stern ist.“

Aha, sehr interessant, wenn man bedenkt, dass Rüdi ähnlich wie ich der Weihnachts-Boykotteur schlechthin ist. Keine Geschenke, keine Deko, keinen Tannenbaum. Guzle finde ich persönlich, gehören nicht dazu, das sind ja quasi nur Kekse, die man immer essen kann. Und ich habe jetzt eben zufällig Appetit darauf.

Rüdi nimmt das Blech-Ding in seine handwerkererfahrenen Hände. Auch wenn man ihm das sonst beim Fotografieren nicht ansieht: Darin verbergen sich unheimliche Kräfte. Momentan äußert sich das Talent an der Verformung des Blechteils. Sein Ergebnis soll ein Stern sein. Ich erkenne nichts, außer, dass man damit jetzt rein gar nichts mehr ausstechen kann. Voller Elan biegt er weiter daran herum, bis das Blechteil auseinanderbricht.

Er lacht. Ich schiebe ihn aus der Küche.

Danach krame ich selbst weiter in den Schubladen und komme durch frauliche Taktik zum Ziel. Wie immer die bessere Alternative, wenn man überhaupt zum Ziel kommen will. Einen Mann um Hilfe zu bitten, wird für eine Frau daher überflüssig.

Voilà, mein neues Ausstecher-Förmchen: der Plastik-Messlöffel für Kaffeepulver. Musst du echt mal probieren, klappt einwandfrei. Der nächste Kaffee schmeckt Rüdi nun bestimmt noch besser, nachdem das Teil parallel in die Guzle-Abteilung befördert wurde.

 

 

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