Der Macho: Süße Mogelpackung mit saurem Nachgeschmack

Der Macho: Süße Mogelpackung mit saurem Nachgeschmack

Er schaut mir in die Augen und ich falle fast in Ohnmacht. Kein Witz! Ich bin mit meinem (vermeintlich) süßen Date aus dem Singleportal verabredet. Auch noch an meinem Geburtstag.

Nach einer Stunde wird mir vor lauter Aufregung ganz schlecht. So sehr, dass ich fast umkippe. Apropos: Seine Augen hauen mich übrigens auch um. Er blickt mich auf eine Weise an, dass ich innerlich schier verbrenne und sich die Funken im ganzen Raum verteilen. Hoffentlich ist niemand mit Streichholz in der Nähe wegen der Explosionsgefahr.

Ich erliege seinem Charme sofort

Er findet mich wohl auch nett und zack sind wir ein Paar. Beim nächsten Date besuche ich ihn Zuhause. Wow, ein eigenes Reihenhäuschen. Toll! Beim Betreten fällt mir auf, dass hier irgendwas anders ist. Alles ein bissel schmutzig und puh, so viel Zeugs liegt auch überall herum.

Wir gucken uns an diesem Tag erneut verliebt an. Wen interessiert da die Unordnung. Nach drei Monaten ist es beschlossene Sache: Wir wohnen ab sofort zusammen.

Bald schon guckt er mich nicht mehr so süß an. Eigentlich bin ich sozusagen Luft für ihn. Ganz Macho ist in seinen Adern für romantische Gefühlsduselei kein Platz. Wenn wenigstens überhaupt irgendwelche Gefühle gewesen wären. Auf Duselei und Romantik hätte ich freiwillig verzichtet. Bitte, ein wenig Gefühl, ach komm, wenigstens ein klitzekleines? Nix zu machen!

Ich fertige eine Liste und zähle verzweifelt alle positiven Dinge an ihm auf. Jaja, die gibt es schon. Alles so weit toll, nur ohne diese Emotionen rein bedeutungslos. Mein Herzlein leidet. Tagein, tagaus warte ich darauf, endlich beachtet zu werden.

Er schaut mich nicht an.
Er berührt mich nicht.
Er spricht kaum mit mir.

Er arbeitet jeden Tag bis fast in die Nacht und oft auch am Wochenende. Niemals nimmt er sich je frei. Außer, wenn er mit seinem Kumpel auf Reisen geht. Ich fühle mich als die einsamste Person des Universums und gehe jeden Abend weinend ins Bett. In der Hoffnung, dass es morgen anders wird. Dabei frage ich mich mindestens tausend Mal, woran es wohl liegen mag. Was mache ich falsch? Irgendeinen Grund muss es dafür doch geben. Ich suche ihn natürlich bei mir.

Partnerschaft und große Liebe - mit einem Macho?

Ich leide und werde sehr krank.

Monate vergehen, mein Zustand verschlechtert sich erschreckend. Erst als an einem Tag das Tatütata kommen und mich in die Notaufnahme fahren muss, kratze ich meinen letzten Stolz zusammen.

Kollege Körper wollte mich wohl drastisch daran erinnern, dass es so nicht weitergehen kann. Hey Uli, wach auf, ruft er mir zu. Da ich zuvor nicht hören wollte, musste er in punkto Kommunikation etwas drastischer werden. Okay, hab‘s kapiert, leide aber trotzdem wie Hund.

Kurze Zeit später packe ich meine Siebensachen. Adieu Herr Macho, ich geh dann mal wieder mein Leben suchen. Hatte vor lauter „verliebt in einen Macho“ fast vergessen, dass es das auch noch gibt.

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