Chronisches Kopfweh und die Idiotie der "Behandlung"

Chronisches Kopfweh und die Idiotie der “Behandlung”

Ich befinde mich wieder mal in einer Klinik. Dieses Mal in einer für Schmerzgeplagte. Fachleute, wohin das Auge reicht. Alle wissen über Schmerzen bestens Bescheid: Woher sie stammen und wie sie auch wieder gehen können. Leider kommt mir bei der geplanten Heilung meine „Unartigkeit“ in die Quere. Ich mache einfach nicht, was Herr Doktor will. Und schon nimmt die Idiotie ihren Lauf.

Meine Krankenkasse gestattet mir exakt eine Woche in dieser wundervollen Klinik. Die Zeit muss ausreichen für eine Diagnose sowie einen kompetenten Heilungsplan. Welche Kopfschmerzen genau plagen Frau Uli und was kann man tun, damit die sich zukünftig woanders aufhalten? Zwei Fragen, auf die in nur sieben Tagen Antworten gefunden werden sollen. Trotz meiner unschönen Klinik-Erfahrungen bin ich positiv gestimmt, dass dies gelingt.

Der Klinikleiter will mich sprechen

Das geht ja gut los. Der Chef selbst nimmt sich meiner an. Für eine aus der Unterschicht der Krankenversicherten völlig ungewöhnlich. Ihm ist zu Ohren gekommen, dass ich „so eine“ bin. Was er nur meint? Na, so eine mit chronischer Angst. Ach das. Ja, bin ich. Schon über dreißig Jahre lang.

Er tut so, wie wenn er mich untersucht. Dabei steht seine Diagnose mit dieser meiner Info bereits fest. Da aber die Krankenkasse das Geld schon in seine Richtung überwiesen hat, müssen wir beide tapfer sein.

Weiter geht’s zur Psychologin. Wir unterhalten uns darüber, dass ich seit über dreißig Jahren Angst habe. Dann ist der erste Tag schon um. Andere Patienten werden in der gleichen Zeit ganz doll viel mit modernsten Geräten durchleuchtet. Das spart man sich bei mir, da die Sache hiermit geritzt ist. Ich muss trotzdem an diversen Terminen teilnehmen, um den Schein zu wahren.

Individuell auf den Patienten eingehen? Ach nö, viel zu aufwändig!

Wir Patienten marschieren am nächsten Tag gesammelt zur Ergotherapie. Die Dame verlangt von mir, dass ich mich wie alle anderen auch schrecklich verbiege. Genau diese Bewegung tut meinem Nacken gar nicht gut. Ich kriege Schmerzen, darf aber trotzdem nicht damit aufhören. Am Ende der Stunde kündigt sich eine Schmerzattacke an, wegen der ich die restlichen Gruppen-Anwendungen des Tages nicht mehr miterleben kann.

Das findet Herr Doktor unerhört. Er hat niemals Schmerzen, er behandelt sie nur. Deswegen kann er überhaupt nicht verstehen, dass man sich wegen so ein paar läppischer Schmerzen dem ganzen Behandlungsplan verweigert. Das müsse anders werden mit mir. Auch die Visite am dritten Tag hat dieses Thema zum Inhalt.

Dann jedoch greift er ganz tief in seine Schmerzbehandlungs-Trickkiste: Pillensorte xy muss es richten. Ich solle ab sofort auch eine davon nehmen. Nein, kein Schmerzmittel und auch keine Antidepressiva. Irgendeines, das für „ich weiß jetzt nicht mehr genau was“ erfunden wurde. In einer Nebenerscheinung würde es die Angst platt machen. Aber so was von. Da mein Problem laut Herrn Doktor nicht die Kopfschmerzen sind, sondern die Angst, müssen die Pillen sein.

Am Abend ist es so weit. Ich darf die Wunderpille schlucken.

Bereits 10 Minuten danach wird mir sehr komisch. Gut, dass ich bereits im Bett liege. Auf meinen zwei Beinen kann ich mich nämlich nicht mehr halten. Verdammt, gerade jetzt muss ich noch mal aufs Klo. Das liegt lediglich zwei Meter von meinem Bett entfernt. Kommt mir in Anbetracht der Umstände unerreichbar vor.

Mit großer Willensanstrengung schaffe ich die Herausforderung. Wie ich zurück ins Bett gelange, kann ich nicht mehr sagen. Meine Sinne schweben mit meinen Muskeln dahin. Was bin ich froh, als ich am nächsten Morgen aufwache und feststelle, dass ich wieder denken kann. Nur mit meinem Kreislauf ist das so eine Sache. Der will noch nicht ganz. Herrschaftszeiten, das sind vielleicht Pillen. Ziemlich berauschend.

Zum Frühstück bringt mir die Schwester erneut eine. Beim bloßen Anblick kippe ich beinahe aus den Latschen. Für heute Abend. Hä? Schon wieder? Sie antwortet, dass ich die Freude nun jeden Tag hätte. Ich kann mich nicht an diesen Tatbestand erinnern, obwohl meine Sinne bei der letzten Arztvisite noch in Ordnung waren. Es hörte sich vielmehr danach an, dass ich halt einmalig das Ding einwerfe – so als Versuch eben. Von ständig weiß ich wirklich nichts.

Die Sache mit dem Spiegeldingens

Die Schwester erklärt, dass einmal nix bringt. Wenn, dann immer oder gar nicht. Es handelt sich um ein Spiegelmedikament, das meinen Körper auf wunderbare Weise beeinflusst. So wunderbar, dass ich ohne es nie mehr wieder werde auskommen, wenn mein Spiegel sich mal daran gewöhnt hat. Er lechzt förmlich danach und vollzieht unschöne Sachen, wenn er sein Medikament auch nur einen Tag nicht mehr erhält.

Ich lehne dankend ab, rechne aber nicht mit dem Widerstand des Herrn Doktor. Die Buschtrommeln haben es relativ schnell bis zu ihm getragen: „Die da mit der Angst ist schon wieder unartig. Sie will kein Medikament nehmen.“ Was das für mich bedeutet, erfahre ich jetzt. Er kommt zur Tür herein. Ach was, hereinkommen ist gar kein Ausdruck. Er reißt fast die Tür aus den Angeln, so ist er in Rage. Bevor ich ein Wort sagen kann, macht er mich zur Schnecke. Ganz doll böse ist er zu mir und sagt reichlich böse Sachen. Ich erschrecke, da ich ja eine Patientin bin.

Die Nerven sind da grundsätzlich leicht angeschlagen. Kein Wunder, wenn man in einem kalten Krankenhaus verweilt statt zu Hause, eine schlimme Schmerzattacke hinter sich hat, ebenso den ersten Drogenrausch seines Lebens. Ich bin so perplex, dass ich kaum reagieren kann. Erst eine halbe Stunde nach Entschwinden des wütenden Doktors finde ich mein Gleichgewicht wieder. Danach überlege ich die weiteren Schritte.

Ich soll gehen

Grund: Ich bin leider zu unartig, daher könne er nichts mehr für mich tun. Ein verlockender Gedanke. Manchmal kann ich aber auch böse sein, zumindest ein bisschen. Daher tue ich ihm den Gefallen nicht. Er wird mich bis zum Ende der anvisierten Zeit ertragen müssen. Jetzt erst recht – auch wenn ich dafür weitere 3 Nächte im Krankenhausbett überstehen muss. Das wäre gar nicht so schlimm. Es ist erstaunlicherweise sehr bequem, nur das Essen lässt enorm zu wünschen übrig. Mein Appetit hat sich seitdem verabschiedet, weil er die dargebotenen Gaben wenig erhellend findet. Herr Doktor meint, dass aber auch daran meine Angst schuld ist. Leicht gesagt, wenn man bedenkt, dass er die kulinarischen Grausamkeiten nicht essen muss.

Am letzten Tag findet ein Abschlussgespräch zwischen allen Patienten und dem Doktor statt. Ich habe wieder Oberwasser und werde charmant aufmüpfig. frech. Ich glaube, er ist sehr erleichtert, als er mir die Entlassungspapiere überreichen kann. Darin stehen seltsame Dinge. Die Interpretation des Ganzen: Ich habe die Behandlung boykottiert und mir sei daher nicht zu helfen. Tja, das wollen wir doch mal sehen.

Das Gesundheitssystem – ein echtes Problem bei meinem Problem

Vor Mister Schmerzdoktor war ich bereits bei ganz vielen anderen Ärzten. Orthopäden und so. Ich wurde durch eine Menge Röntgengeräte geschoben und sogar durchs MRT. Meine Krankenkasse freut’s, zumal alle diese Aktionen so sinnlos waren wie ein Kropf.

Parallel: Etliche (ich kann’s kaum mehr zählen) Behandlungen bei Physiotherapeuten. Die kannten kein Pardon und gingen nicht gerade zimperlich mit mir um. Folge: Die Schmerzen explodierten. „Kann doch gar nicht sein, machen wir immer so!“. Einen Satz, den ich nicht mehr hören kann. Hey, ich bin Uli, einzigartig auf der Welt, vielleicht einfach mal ganz individuell auf mich einstellen und auch so behandeln? Geht leider nicht wegen dem Gesundheitssystem, das schrecklich pauschale Vorgaben macht.

Chronisches Kopfweh und die Idiotie der "Behandlung"

Aha-Effekt – ich helfe mir selber

Irgendwann komme ich auf den Trichter. Der Groschen ist laut, als er fällt. Habe ich meiner lieben Coachin zu verdanken: Statt an den Symptomen herumzodoktern, mache ich mich auf in Richtung Ursachenforschung. Also zu verstehen, was mein Körper mir damit sagen will – und das ändern. Da das in diesem Gesundheitssystem in vielen Fällen nicht vorgesehen ist, muss ich mir als Patient halt selbst helfen (nicht das erste Mal).

So langsam wird’s! Ich verstehe die Zusammenhänge und komme Schritt für Schritt voran – die schmerzfreien Phasen sind teils länger und die Schmerzen an sich weniger heftig.

Ich bleib dran und mein Wille ist stark: Ich krieg das noch hin!

Was mir unter anderem hilft, hinter den Auslöser zu kommen, sind „crazy Selbstgespräche“. Zusätzliche Helfer bei chronischen Spannungskopfschmerzen – mit der Betonung auf „zusätzlich“. Sie unterstützen den Weg sanft:

  1. Fußbäder mit Magnesiumflocken (wirkt im Gegensatz zu oral eingenommenem Magnesium super und ist viel besser verträglich)
  2. Prophylaktisch und auch im Akutfall: mit dem Igelball Nacken und Kopf massieren (vor allem im hinteren Bereich)
  3. Regelmäßig spazieren gehen (lockert das Kreuzbein und ist insgesamt supi für den ganzen Rücken)
  4. Die betreffenden Akupressurpunkte an Händen und Füßen massieren
  5. Als Anschubser des Ganzen einige Monate osteopathische Begleitung

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