Irgendwie hat man ja auch eine Beziehung mit diesen Kunden

Also quasi menschlich gesehen. Und dann lässt der mich sitzen, bevor‘s richtig anfangen konnte mit uns.

Jedenfalls buchte er mich. Hochoffiziell und schriftlich.

Ich dachte mir noch „hurra!“, weil er ziemlich viel Spannendes zu erzählen hätte aus seinem Leben und ich ja so wahnsinnig gerne schreibe. Es wäre ein wunderschöner, lustiger autobiografischer Roman geworden, wenn er sich nicht plötzlich wortlos verdünnisiert hätte. Und ich weiß bis heute nicht, warum.

Nach der Buchung schrieb ich ihm, wie die ersten Schritte aussehen, plus Terminvorschlag fürs erste Gespräch.

Nix!
Nix heißt: keine Antwort.

Da denk ich mir erst mal nicht gleich das Schlimmste. Man ist ja auch mal krank. Oder sehr busy. Oder die Mail kommt nicht an.

Also schrieb ich erneut.
Wieder nix!
Also gar nix nix.

Irgendwann hat mal einer das Wort Ghosting dafür erfunden. Das tut jetzt zwar nichts zur Sache, wollte es wegen der Sache mit der Beziehung dennoch erwähnt haben.

Jedenfalls bin ich liebevoll penetrant, wenn’s sein muss.

Eine dritte und vierte Mail in größeren Zeitabständen geht an den Mann.

Aber er, schnief, wollte scheint’s nichts mehr von mir wissen.

Da saß ich dann erst mal sehr bedeppert da und weinte des Nachts bittere Tränen ins Kissen, als ich begriff, was Sache war.

Liebe Kunden, ich nehme unsere Beziehung fei sehr ernst. Und ich habe euch alle irgendwo auch ein bissle lieb.

Bei so was hört die Liebe bei mir freilich prompt auf. Weil Respekt und Wertschätzung sind mir schon wichtig.

Sei’s drum!

Die nächsten Beziehungen sind inzwischen längst am Laufen. Und die fühlen sich gegenseitig richtig cool an. Selbstverständlich bin ich dennoch offen für weitere. Weil irgendwann hat der autobiografische Roman oder Businessroman meiner Kundschaft das Licht der Welt erblickt und meine Finger brauchen dann umgehend neuen Stoff zum Schreiben. Sonst werden die unruhig.