Recht spontaner Entschluss meiner Tochter Catha: „Ich ziehe nach Innsbruck!“ Auch noch mitten in der Corona-Hochphase. Bevor jedoch der Umzugswagen rollen und mein Kind von Tübingen aus in Richtung Österreich entschwinden kann, sind zwei Herausforderungen zu lösen. Nicht ganz unwichtig in der ganzen Sache, denn sie braucht erstens eine Wohnung und zweitens einen Job. Bei letztem komme ich ins Spiel.

Zugegeben, ich freue mich, als sie mir bereits eine Woche später die frohe Kunde übermittelt, sie hätte eine Wohnung gefunden.

 

„Wow, so schnell?“
„Ja, Vertrag gestern unterschrieben. Ach so, Mama, und den alten Job habe ich auch gleich gekündigt.“

 

Die Nerven möchte ich haben. Aber gut, Anfang zwanzig waren wir alle mal so. Als Schreiberin der Familie ist sofort klar, welchen Part ich in der Sache einnehmen soll: Dank vorzüglich verfassten Bewerbungsunterlagen dem Kind rechtzeitig zum gewünschten Datum einen passenden Job daher zu zaubern.

 

„Kein Problem“, meint Potenzialfinderin sowie Jobcoach Martina Weber.
„Wie du weißt, ist eine Bewerbung auch nichts anderes als eine gute Geschichte.
Und die zu schreiben, beherrscht du ja aus dem Eff-eff.“

 

Martina und ich kennen uns schon recht lange. Dass sie damit Recht haben könnte, bezweifle ich daher keine Sekunde. Ähnliches hatte ja schon bei meinem Gatten vor einiger Zeit auf ähnliche Weise stattgefunden. Mit dem Unterschied, dass er kein Auswanderer, sondern eingefleischter Hohenloher-Franke ist. Eines gleicht sich bei beiden Begebenheiten dennoch: Die Grundbedingungen haben ihre Tücken. In logischem Umkehrschluss müssen die vorhandenen Stärken dermaßen auf den ersten Blick zum Ausdruck kommen, dass die Schwächen keine Sau mehr interessiert. Und so kam es bei ihm damals dann auch.

„Siehste mal“, kommentiert Martina das Ganze, als ich ihr meine Sorgen mitteile, mein Kind könnte zwar mit toller Wohnung, aber ohne Job in diesem Innsbruck sitzen. Und alles nur, weil ich die Bewerbungen verkacke. Ist ja nicht gerade mein Expertengebiet.

Also lege ich los und notiere erst mal die Fakten:

Catha ist Berufsanfängerin, mit gerade mal zwei Jahre Berufserfahrung. Könnte ein Minuspunkt sein. Noch viel mehr aber, dass sie sich in einem berufsähnlichen, dennoch fremden Bereich bewerben will. Mutig war sie schon immer. Ihre Ausbildung muss in einem höchstkomplizierten bürokratischen Verfahren außerdem erst noch in Österreich anerkannt werden. Und dann wäre ja noch Corona, das sowieso alles deutlich erschwert.

 

„Da lassen sich die Personaler doch nie drauf ein“, mutmaße ich.“
„Mach einfach. Du wirst sehen, es klappt. Wenn du es so handhabst, wie besprochen“,
meint Martina und Catha sieht die Sache sowieso grundsätzlich locker.


Also setze ich die Bewerbungsunterlagen auf. Ohne Geschwafel und Firlefanz.

Genau so, wie von Martina gelernt. Roter Punkt der Geschichte: das Trail Running. Und das bedeutet, dass sie ganz gern wie regelmäßig 100 Kilometer in den Bergen herumrennt. Ich würde das nicht schaffen, denn das kriegen nur Menschen mit besonderen Stärken hin. Genau die sind zufällig in dem Bereich gesucht, wo die Bewerbungen landen sollen. Und damit alsbald auch Catha.

So machen sich ingesamt 10 Bewerbung auf den Weg in die Berge. Einen Tag später hagelt es schon die ersten Einladungen zum Kennenlerngespräch. Eine weitere Woche danach taucht das erste Luxusproblem auf. Catha kann die vielen Termine fast nicht mehr koordinieren, für die sie sich 350 Kilometer einfach auf den Weg macht.

Ich bekomme derweil täglich die neuen Entwicklungen per Sprachnachricht übermittelt. Am Ende verstehe ich nur eines: Alle wollen sie unbedingt einstellen und reißen sich förmlich um sie. Sogar eine Einrichtung, bei der sie sich gar nicht beworben hatte und aus welchen unerfindlichen Gründen ihre Bewerbung ebenso landete.

 

„Ihre Bewerbung ist sooooo toll!“
„Wow, Sie machen Trail running. Das ist ja toll!”

 

Das sind zwei Sätze, die Catha im Verlauf ständig hören sollte. Und wer hat die dazu tollen Bewerbungsunterlagen gezaubert: Die Mutter des Kinds! Okay, vorrangig natürlich Martina. Ihre Überzeugung und Handhabung der Dinge dazu habe ich ja einfach nur praktisch umgesetzt. Am allertollsten aber ist natürlich Catha selbst. Daher war es für sie reine Formsache, das Ganze bei den Bewerbungsgesprächen einzutüten. Und warum? Weil sie so ist, wie sie ist. Weil das authentisch in den Unterlagen rüberkam und die Leute genau das suchten.

Das Ende der Geschichte: Catha konnte sich die dickste aller Rosinen herauspicken. Sich entschied sich für den Job, der ihr am besten gefiel – bezüglich der Abläufe, den Kollegen, dem Standort usw.

Good luck bei deinem Neuanfang in Österreich, Catha! Und von Herzen danke an dich, liebe Martina. Du bist und bleibst mein Geheimtipp in Sachen Potenziale erkennen und den dazu passenden Job finden.

 

 

 

 

 

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