Am 18.12. spätnachmittags mache ich mich vom Acker. Einfach so! Natürlich mit Ankündigung, denn alle Termine, Projekte und Gespräche parke ich in der Warteschleife für ab Mitte Januar.

 

„Am 11.1. bin ich wieder da. Und ab jetzt für nix und niemanden zu erreichen“, gebe ich allgemein bekannt.
„Wie? Du machst drei Wochen Auszeit? DREI WOCHEN?“ Entsetzte Frage eines Netzwerkkontaktes.
„Exakt!“
„Aber du bist ja nicht weg, warum dann nicht erreichbar?“
„Weil ich schreiben will.“
„Das machst du doch sonst auch!“
„Jep, aber nicht so.“

 

Kurze Denkpause meines Gegenübers, mit der Abschlussbemerkung:
„Den Luxus hätte ich auch mal gern!“
„Jo, mei, dann gönn ihn dir doch“, hätte ich gerne geantwortet.
Aber ich bleibe bei so Sachen immer höflich.

Ehrlich gesagt habe ich vages Bauchkribbeln, als ich an besagtem Freitag meinen Autoresponder scharf stelle. Denn nun geht’s los. Dass mein Vorhaben in einem dreiwöchigen Rausch enden sollte, kann ich da noch nicht wissen.

Mein Plan: Ich schreibe einen Roman!

Und das ist selbst für einen alten Schreiberling-Hasen wie mich und nach 9 inzwischen veröffentlichten Büchern neu. Ein fiktiver Roman ist mir da noch nie untergekommen. Ich dachte immer, ich kann das nicht. Mein Inneres lacht sich dabei scheckig und zeigt mir, was ich davon halten kann. Und zwar dergestalt, dass es mir einen Dauerrausch schenkt.

Einen ähnlichen Zustand kenne ich von einer eher weniger schönen Angelegenheit. Als ich meine Weisheitszähne heraus operiert kriege, bekomme ich davor netterweise eine Hau-Weg-Spritze. Die ersten drei Stunden, nachdem ich langsam wieder zu mir komme, fühlen sich sensationell anders an. Alles ist schön. Vor allem die Wolken, auf denen ich da schwebe. Das Schreiben eines fiktiven Romans hat in etwa dieselbe Wirkung. Hätte ich das mal früher gewusst …

Jedenfalls kann ich mich so richtig austoben. Verrückte Handlungsstränge erfinden, humoristisch so richtig auf den Putz hauen und mir alles ausdenken, was ich will. Boh, klasse! Viel verrückter als meine Handlungsstränge finde ich allerdings, dass ich auch zwischen den Schreibpausen in dieser anderen Bewusstseinsebene hängen bleibe – nonstop 21 Tage lang. Und so schreibe ich volle drei Wochen durch. An Weihnachten, Silvester und Neujahr übrigens auch, wenngleich ein bissel weniger als an den anderen Tagen.

 

„Biste bekloppt?“, fragte mich jemand anders.
„So gesehen: ja!“, antwortete ich wahrheitsgemäß.

 

Wie kommt’s, frage ich mich insgeheim. Was genau macht denn jetzt diese besondere Magie aus?
Ich suche nach Erklärungen und finde keine.

Parallel ufert der Rausch bereits per Chatnachricht deutlich aus. Meine Projektpartnerin Dr. Stephanie Robben-Beyer kriegt alle 10 Seiten die neusten Verrücktheiten übermittelt. Sie kommentiert das Ganze live parallel des Lesens mit ungefähr 15 Sprachnachrichten alle zwei Minuten. In jeder davon lacht sie sich halb kaputt. Okay, mein subtiler Humor kommt also an. Ist ja gut zu wissen. Wenn nur ich selbst das Ganze lustig finde, wär das ganz doof.

Die von Stephanie meist übermittelten Worte in den drei Wochen sind übrigens diese:

 

„Oh, schon zu Ende? Uliiiiii, wann geht’s weiter?“

 

Das heizt meinen Rausch natürlich neu an. Und auch die Tatsache, dass das Ganze verrückterweise in keinem Buch enden soll. Nein, wie sind viel verrückter drauf und führen anderes im Schilde. Ich haue also in die Tasten und vergesse alles um mich herum. Außer meinen Liebsten Rüdi, den ich am Silvesterabend damit beglücke, die aktuell neuen Seiten vorzulesen. Ansonsten fühlt es sich auf diesen Wolken irgendwo zwischen Himmel und Erde super an. Probleme des Alltags? Welche Probleme? In der Sphäre gibt es so was nicht. Daher ist klar:  Du andere Welt – ich komme wieder! Auch aus Gründen, die Stephanie happy zu machen, die ich bezüglich Rausch ein bissel angesteckt habe. Und klaro bin ich selbst ja auch meganeugierig, wie das weitergeht mit meinen Handlungssträngen. Habe ich jetzt doch noch keine Ahnung! Das spuckt mein Geist beim rauschigen Schreiben spontan von selbst aus.

 

Du möchtest deine Geschichte von mir schreiben lassen? Einen Termin zur kostenfreien Beratung kannst du hier anfordern: mail@ulrikeparthen.de

 

 

 

Abonniere meinen Newsletter und bleibe damit immer auf dem Laufenden: