Ich tue etwas, das eine Frau nicht tun sollte, und begleite Rüdi an einem Samstag in den Baumarkt. Endet mit einem verlorenen Ehemann und Ooops-Malheur im Baumarkt Drive-in.

Rüdis Augen leuchten. So viele Sachen, die er im Baumarkt besorgen muss. Endlose Gänge, viele tolle Utensilien. Auf Höhe der Leuchten entscheidet er spontan, dass sich unsere Wege trennen sollten. „Uli, lass du schon mal die Bretter zusägen, ich suche derweil den Rest.“ Und weg ist er. Ich, völlig auf mich allein gestellt – ahnungslos, orientierungslos, Baumarkt-erfahrungslos.

Das lustige Suchen beginnt. Vorrangig suche ich erst mal die Sägeabteilung dieses Hauses. Wie könnte es anders sein: Sie liegt ganz hinten links. Also einmal quer durch den riesigen Markt latschen, bis mir endlich Sägegeräusche ins Ohr klingen. Wäre nur noch das Problem mit diesen Brettern. Welche sind für mein Vorhaben die richtigen? Ich sehe schmale, breite, braune, weiße und sehr lange Bretter. Puh! Zu viele für mich. Aber zu was gibt es hier kompetentes Personal. “Ich benötige bitte zwei Bretter als Ablage im Kleiderschrank. Welche nehm ich da?“

„Die weißen!“, antwortet der junge Herr ohne jegliches Engagement und zeigt auf ein paar Mini-Brettchen. Er scheint noch mit keiner Frau einen Kleiderschrank geteilt zu haben. Sonst wüsste er um die Ausmaße dieses Möbelstücks. Ich muss der Tatsache ins Auge sehen, dass ich in diesem Moment von allen Männern dieser Welt im Stich gelassen werde. Also studiere ich in Eigeninitiative sämtliche Bretter, die hier rumliegen. Ich orientiere mich dabei vorrangig an den empfohlenen Weißen und kann nach 20 Minuten endlich das passende ausfindig machen. Juhu!

„Sägen, bitte!“, weise ich den Sägemeister siegesgewiss an und reiche ihm den Zettel mit den Maßen rüber. Schade, dass Rüdi das jetzt verpasst. Wo ist er überhaupt? Bevor ich eine Antwort auf diese Frage finde, bekomme ich meine Bretter zurück. An denen schleppe ich mich danach fast zu Tode bei der finalen Suche nach meinem Ehemann. „Rüddddddiii“, rufe ich alle drei Meter – in der Hoffnung, ihn in irgendeinem Gang zu sichten. Erst kurz vor der Kasse gelingt mir das. Jeder müsste erkennen, in welchem angeschlagenen Zustand ich mich deswegen befinde. Nennt sich Baumarkt-Trauma im fortgeschrittenen Stadium. Rüdi erkennt leider nix, wegen der nach wie vor leuchtenden Augen.

Wir steigen ins Auto. Endlich nach Hause, freue ich mich. Aber was macht er? Steuert uns geradewegs weiter zum Baumarkt-Drive-in. Und der funktioniert so: Du fährst mit deinem Auto den Einbahnstraßen-Parcours ab. Schmeißt dir alles ins Auto, was rechts oder links davon herumliegt. Wir umrunden den Parcours dreimal, bis Rüdi alles zusammen hat. Danach weiterfahren bis zur Kasse. Auch das noch! Jetzt stehen wir im Bezahlungs-Stau – zwei Autos vor uns, die es nicht eilig zu haben scheinen mit dem Bezahlen. Das bringt uns sehr viel Zeit ein, die Eingangstüre des Kassenbereichs zu studieren. Darauf ist ein riesiges Schild angebracht: „Vorsicht Stufe!“ Kann man nicht übersehen. Als wir dran sind, übersieht Rüdi es trotzdem, die Stufe auch … ups, kleines Malheur passiert.

Jedem Mann sollte das eine Lehre sein, die da heißt: Bitte fortlaufend immer schön auf das Wohl der Ehefrau achten. Ein Verstoß gegen diese Regel bestraft das Leben sofort … beispielsweise mit ein bisschen Stolper-Aua.

 

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