Völlig daneben: Sprüche-Weisheiten, Affirmationen und Co.

Affirmationen fühlen sich für mich an wie Sahne auf einen Scheißhaufen. Ich sage was, von dem ich das Gegenteil fühle. Daher muss ich dabei manchmal lachen, manchmal auch weinen.

[Werbung, unbeauftragt, unbezahlt] „Yeah, Vorsatz getroffen: Ich will etwas verändern. Dieses Ziel da erreichen.“ Kennst du bestimmt auch, ne? Fragt sich nur, wie dies schaffen?

Einfach so via Fingerschnipp: herrliche Vorstellung, funzt nur leider nicht. Und dann wären ja noch diese Gewohnheiten, die grundsätzlich etwas gegen Veränderung haben. Also muss ein Plan her.

Zuerst bin ich auf den so genannten Sprüche-Plan hereingefallen. Heißt, ich habe diese ganzen Lebensweisheiten im Sinne von „Der Weg ist das Ziel“ in mich aufgesaugt. Lesen sich alle so furchtbar schön, bringen mich jedoch null weiter. Also investiere ich in einige Selbstverwirklichungs-Experten. Unter anderem wird mir empfohlen, jeden Tag in den Spiegel zu gucken und diese Sachen hier runter zu predigen:

„Ich bin stark!“
„Ich bin reich!“
„Ich bin erfolgreich!“
„Ich bin gesund!“
„Ich bin schön!“

Da ich so gerne endlich gesund werden will, teste ich gerne alles. Wirklich jede Methode, jedes Coaching, jede Behandlung und jede Philosophie, die irgendwer mal erfunden hat. Alle haben eines gemeinsam: Sie bringen den Urhebern sehr viel Geld, mir selbst jedoch leider nix.

Zurück zur Sprüche-Theorie – fachsprachlich Affirmationen genannt:

Herrje, was für eine Inszenierung vor meinem Badezimmer-Spiegel. Mir diese Affirmationen ohne Sinn und Verstand auf diese Weise runter zu leiern, fühlt sich an wie Sahne auf einen Scheißhaufen zu sprühen. Ich sage was, von dem ich aber das Gegenteil fühle. Daher muss ich dabei manchmal lachen, manchmal auch weinen. Oft aber eher fluchen.

Dieser Sch…haufen ist ja trotzdem noch da. Egal, was für ein Sprüchlein ich aufsage. Und mein Innenleben lacht sich derweil schlapp über meinen Versuch, diesen Mist in mir drin mit etwas Sprühsahne beiseite schaffen zu wollen. Da ja aber alle ständig euphorisch anpreisen, wie toll diese Methode (scheinbar) funktioniert, fühle ich mich danach noch schlechter. „Ich krieg‘s einfach nicht hin. Ich bin zu dumm“. Auch Affirmationen, nur halt keine so schönen. Und so wächst der Haufen mit jedem misslungenen Versuch über die Jahre zu einem riesigen Berg.

Nach Jahrzehnten des Studiums (ja sorry, manche brauchen halt etwas länger) komme ich endlich auf die Lösung. Ich weiß jetzt, warum es so niemals funktionieren wird und das gar nicht an mir liegt. Hurra! Bleibt die Frage: Wie klappt es dann? Wie werde ich nach so langer Zeit endlich gesund? Und das auch noch mit diesem inzwischen bis in den Himmel gewachsenen Sch…haufen?

Am besten ist das so zu erklären:

Du willst einen Gemüsegarten anlegen und am Ende saftigen Kopfsalat, leckere Möhren und Tomaten ernten. Gemäß Sprüche-Affirmations-Methode stellst du dich dann einfach vor den Spiegel: „Ich ernte das beste Gemüse weit und breit.“ Haha. Sehr witzig. Davon allein wächst nicht mal der sonst so anspruchslose Löwenzahn.

Es braucht die richtigen Schritte plus diverse Hilfsmittel in der richtigen Reihenfolge, und das auch noch perfekt aufeinander abgestimmt. Zudem bedeutet es eine Menge Arbeit. Ohne Schweiß, keinen Preis. Wer den Spruch erfunden hat, war wiederum clever.

Übertragen auf meinen Plan „gesund werden“, heißt das:

Was ist eigentlich mein Ursprungsproblem? Die vielen Symptome sind ja nur Sprachrohr und Folge dessen. An ihnen herumzudoktern, bringt ergo wenig. Sag das mal einem Arzt. Die reinsten Symptom-Fans sind diese Damen und Herren. Vor dem Spiegel meine Sprüchlein zu sagen, ist in dem Fall auch völlig daneben. Siehe Gemüseanbau-Metapher.

Und da fangen die Probleme schon an. „Was zum Henker ist mein Ursprungsproblem, der Auslöser des ganzen Dilemmas?“ Jeder Rattenschwanz hat irgendwo seinen Anfang. Mehrere Dutzend Therapeuten, Psychologen, Ärzte und Wunderheiler brachten die abenteuerlichsten Erklärungen dafür zustande. Sexueller Missbrauch, Trauma bei meiner Geburt, diverse Traumata in meinen früheren Leben und weitere eine Million unterschiedliche Aussagen habe ich dazu gehört. Nur eben, dass keine von ihnen stimmte.

Schritt 1:

Wer kann mir bei der Ursachenfindung helfen? Zu 100 % verlässlich? Es dauert lange 35 Jahre, bis mir das Leben zufällig Coachin Silke Baasch vorbeischickt. Sie schaffte, was in 3 Jahrzehnten niemand hinkriegte. Und brauchte dafür keine halbe Stunde. Yipppiii, Auslöser dingfest gemacht. Einer der emotionalsten Momente in meinem Leben.

Und jetzt? Wie beim Gemüseanbau:

  • Die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge zur richtigen Zeit tun.
  • Auf unvorhergesehene Ereignisse flexibel reagieren (Es kommt sowieso immer anders, als man denkt und plant).
  • Sehr viel Willenskraft und Disziplin aufbringen – wegen dem Hinfallen und wieder Aufstehen. Bei ausreichend Willenskraft tut man das auch nach dem 100. Mal noch mit derselben Chacka-Motivation. Bei zu wenig davon gibt man nach dem 10. Mal auf.
  • Die dämlichen Affirmations-Sprüche ein- für allemal in die Tonne kloppen.

2 Kommentare zu „Völlig daneben: Sprüche-Weisheiten, Affirmationen und Co.“

  1. Markus Gscheidle

    Schöner Spannungsaufbau bis zum Schluß und dann ….. der Auslöser …. das Ursprungsproblem ……. was war es !?
    Du behältst es für Dich. Das ist was sehr persönliches und ich kann Dich voll verstehen. Menschen, die auf der Suche nach Ihrer Lösung sind werden sich gespannt weiter fragen, was sind die “richtigen” Schritte.

    Ganz lieber Gruß
    Markus

  2. Hallo Markus und lieben Dank. Dazu gibt es sooooo viel zu sagen. Mir war das für einen Artikel too much. Folgt nach und nach in weiteren mit entsprechender Verlinkung dorthin;-))

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